Cholerabakterium
Im Rasterelektronenmikroskop und manuell eingefärbt: das Cholerabakterium
Cholera
Vibrio cholerae ist im Prinzip leicht zu bekämpfen
Die Cholera-Erreger werden im Stuhl ausgeschieden und dann über verunreinigte Nahrungsmittel wieder aufgenommen.
Das geschieht unabhängig davon, ob beim Ausscheider Symptome der Krankheit auftreten oder noch nicht. Ohne Behandlung kann die Cholera tödlich sein. Der Durchfall trocknet den Körper aus. Der Wasserverlust führt zum Zusammenbruch des Kreislaufs und zu Nierenversagen. Nicht alle infizierten Menschen erkranken an der Seuche, sie tragen das Bakterium aber weiter. Es gibt eine Impfung gegen die Cholera, die aber den Ausbruch der Krankheit nicht in jedem Fall verhindert.

Die Inkubationszeit beträgt einige Stunden bis zu fünf Tage, in seltenen Fällen auch länger. Personen müssen für fünf Tage nach dem letzten Kontakt mit Erkrankten oder Ansteckungs-Verdächtigen vom Besuch einer gemeinsamen Toilette ausgeschlossen werden, sagen Ärzte; innerhalb dieser Zeit muss eine negative Stuhlprobe nachgewiesen werden. Vor allem durch Händehygiene kann die Übertragung der Vibrionen verhindert werden.

Die Behandlung der Cholera ist relativ einfach. Durch die Einnahme von Salzlösungen, die den Flüssigkeitsverlust ausgleichen, kann die Krankheit meistens geheilt werden. Bei besonders schweren Fällen kann eine intravenöse Infusion erforderlich sein. Bei ausreichender medizinischer Versorgung stirbt etwa ein Prozent der Cholera-Patienten. In Staaten, in denen das Gesundheitssystem zusammengebrochen ist, ist die Rate weit höher. Die Cholera ist vor allem in armen Ländern verbreitet, wo die Wasserversorgung schlecht ist und es an Hygiene fehlt. Bei Hungersnöten und Kriegen verbreitet sich die Krankheit besonders stark.

Sieben Mal zog die Cholera schon um die Welt
Bisher wurden weltweit sieben verheerende Cholerazüge registriert. Bis 1817 war die Krankheit, deren einzige Infektionsquelle der Mensch ist, praktisch nur in den Flußdeltas Südasiens heimisch. Dann aber wanderten ihre Erreger über Kalkutta südostwärts nach Indonesien und drangen schließlich nach China vor. Kurz darauf registrierten britische Kolonialärzte auf der Insel Ceylon ( heute Sri Lanka) erste Fälle des damals noch unbekannten Brechdurchfalls. 1821 starben Tausende von Menschen in Persien daran.

1830 überrollte die Seuche Moskau und drang über Polen nach Preußen vor. 1831 erkrankten in Berlin nach amtlichen Angaben 2228 Menschen, 1405 überlebten die Infektion nicht - unter anderen der Philosoph Georg Friedrich Wilhelm Hegel. Überall in Europa herrschten Schrecken und Panik. Doch die Menschen des Industriezeitalters nahmen die Cholera nicht mehr wie in Jahrhunderten zuvor als Art Gottesstrafe hin, sondern machten das soziale Elend für die Ausbreitung verantwortlich.

Eine der schwersten Cholera-Epidemien in Mitteleuropa brach 1892 aus, als am 14. August ein Arbeiter mit starkem Brechdurchfall in ein Krankenhaus eingeliefert wurde. Die Infektion verbreitete sich besonders durch die katastrophale hygienische Verhältnisse in den Auswandererbaracken an den Kais und wurde vermutlich durch russische Auswanderer eingeschleppt. Strohschütten von Cholerakranken wurden in die Elbe geworfen - so gelangte verseuchtes Wasser nach ganz Hamburg. Es erkrankten 17.000 Menschen, fast 9000 starben an der Seuche.

Robert Koch identfizierte den Cholera-Erreger
Die Ärzte waren im Kampf gegen die Krankheit machtlos, denn sie kannten ihre Ursache nicht. Sie vermuteten "giftige Dünste" als ansteckend und suchten überall nach wirksamen Mitteln im Kampf gegen die Seuche. Erst 1883 entdeckte der Bakteriologe Robert Koch, der schon 1882 den Tuberkelbazillus identifiziert hatte, auch den Cholera-Erreger. Deutschland war von Ägypten um Hilfe gebeten worden, als dort eine Epidemie wütete. Pilger hatten aus Mekka die Seuche eingeschleppt, die dorthin vermutlich aus Asien gekommen war. Koch reiste an den Nil und untersuchte Kranke und Tote. Am 17. September 1883 konnte er seine Entdeckung melden. Bei weiteren Forschungen in Kalkutta fand er heraus, dass die Erreger in feuchtem Klima und vor allem im Wasser quicklebendig sind.

Die Hoffnung trog, dass die Cholera nur eine Seuche des 19. Jahrhunderts gewesen sein könnte. 1961 begann "El-Tor" seinen Terror. Wissenschaftler hatten diesen aggressiven Erreger zwar schon 1905 entdeckt und herausgefunden, dass diese Form der Infektion auf die indonesische Insel Celebes beschränkt war. Doch dann begann die Ausbreitung. 1964 hatte der Erregertyp ganz Südostasien erfasst, erreichte im Jahr darauf den Nahen Osten und brach 1970 im europäischen Teil der damaligen Sowjetunion aus. Erstmals seit langer Zeit wurden auch Cholerafälle im Inneren Afrikas registriert.

Interaktiv: Robert Koch
Die entlarvten Erreger
Robert Koch wurde berühmt, seine Entdeckungen veränderten das Weltbild. Seine Entdeckungen machten es möglich, Krankheiten zu bekämpfen. Erkunden Sie mit uns seine Vita und seine Forschungen.
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