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Nicht nur Schulbücher, auch Firmenmaterial kommt in Schulen zum Einsatz
Lobbyarbeit in Schulen
Firmen bieten kostenloses Unterrichtsmaterial an
Lobbyarbeit im Klassenzimmer oder PR-Arbeit im Bildungwesen: Unternehmen bieten Schulen immer öfter Unterrichtsmaterialien an.
Unternehmen denken, was die Beeinflussung in Politik und Gesellschaft anbelangt, zunehmend mittel- und langfristig", sagt Dr. Dieter Plehwe vom Verein "LobbyControl". "Die Schüler von heute sind die Staatsbürger von morgen."

Von einer Win-Win-Situation spricht Prof. Klaus Müller-Neuhof von der "Complan Medien GmbH". "Sie geben dem Lehrer etwas, womit er etwas anfangen kann, das haben Forschungen gezeigt. Sie profitieren davon, dass sie sich schon in den Kreisen der Schüler bekannt machen."

Kritischer sieht das Josef Kraus, Präsident des deutschen Lehrerverbandes: "Nun will ich nicht allen Vertretern der Wirtschaft ein gesamtgesellschaftliches Engagement absprechen, aber es sind natürlich auch konkrete Interessen dahinter. Mir gefällt nicht, dass es nicht ausgewogen ist, was den Schulen übermittelt und zugestellt wird."

Da immer mehr Schulen sparen müssen, greifen Lehrer oft auf die gesponserten Materialien zurück. "Die alte Schule war für alle möglichen Interessengruppen stärker verschlossen und die neue Schule unter der Bedingung der Finanznotstände der Kommunen und der öffentlichen Hand werden zu porösen Gebilden in denen Unternehmen und Wirtschaftsverbände einen erweiterten Zugang suchen und auch finden können", sagt Plehwe.

Eine große Kiste käme pro Schuljahr zusammen
So lernen Kinder bei dem Projekt "GribS" von "E.on", wie sie Energie sparen können, obwohl Strom genau das Produkt ist, das der Hersteller vermarkten will. Der Energiekonzern will so den Eindruck vermitteln, den Klimaschutz zu unterstützen. Josef Kraus, Präsident des deutschen Lehrerverbandes weist auf den zunehmenden Einfluss von Lobbyverbänden hin. Im Bundestag seien mehr als 2000 Interessensorganisationen akkreditiert. "Ich schätze, dass die Hälfte davon auch mit quasipädagogischen Materialien aufwartet", so Kraus. Sammelte man einmal zwölf Monate lang all das, bekäme man in einem Schuljahr eine große Kiste voll.

In Zusammenhang mit der Wirtschaftskrise bekamen viele Lehrer eine Broschüre über soziale Gerechtigkeit. Sie wollte den Schülern beibringen, dass eine Umverteilung in Deutschland von Oben nach Unten existiert. "Das ist ein typisches Produkt der Think-Tank-artigen Lobbyarbeit", sagt Plehwe. "Bei der erweiterten Lobbyarbeit, die von Wirtschaftsverbänden zunehmend betreiben wird, wird ein Produkt für ein bestimmtes Zielpublikum erstellt. In diesem Fall soll Lehrern und Schülern ein wissenschaftlicher Eindruck vermittelt werden. Gleichzeitig beinhaltet es ganz klar zugespitzte Kernbotschaften im Hinblick auf die Interessen von Unternehmen und Wirtschaftsverbänden."

Schwerpunkt Schule und Bildung
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16.03.2010 / jus