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Bürgerarbeiter kümmern sich um Tiere, arbeiten in Pflegeheimen oder Vereinen
"Gebraucht werden"
Arbeitslose erhalten für nützliche Tätigkeiten Geld
Bezahlte Bürgerarbeit führte laut Bundesagentur für Arbeit zu einem Rückgang der Arbeitslosigkeit an sechs Standorten in Sachsen-Anhalt.
Dort wurde 2006 ein erster Praxisversuch gestartet, um Jobs für ältere und wenig qualifizierte Erwerbslose zu schaffen. Den Arbeitslosen wird beim Modell Bürgerarbeit eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung vor allem im gemeinnützigen Bereich angeboten. Seit 2007 gibt es die Bürgerarbeit auch in Thüringen. Bayern bietet sie unter dem Namen "Job-Perspektive Plus" seit 2008 an drei Orten an. Am Monatsende wird laut Deutschem Städte- und Gemeindebund ein Lohn zwischen 675 und 975 Euro ausbezahlt, je nach Qualifikation und Tätigkeit der Bürgerarbeiter.

Der Deutsche Städte- und Gemeindebund sowie die Diakonie haben sich dafür ausgesprochen, die bezahlte Bürgerarbeit nun bundesweit einzuführen. Ziel sei es, Arbeit und nicht Arbeitslosigkeit zu finanzieren, sagte Diakonie-Präsident Klaus-Dieter Kottnik. "Arbeitslose brauchen Beschäftigungsangebote, die ihnen die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglichen." Der öffentlich geförderte Beschäftigungssektor muss Kottnik zufolge als sozialer Arbeitsmarkt ausgebaut werden. Dann könnten auch Langzeitarbeitslose ohne Vermittlungschancen auf dem regulären Arbeitsmarkt eine Beschäftigung aufnehmen, so Kottnik.

"Es geht um weit mehr als Gelegenheitsjobs"
In Regionen mit extrem hoher Arbeitslosigkeit könnten Ein-Euro-Jobs, zurzeit 360.000, nicht beliebig ausgedehnt werden, erläutert Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer des Städtebunds. "Die Finanzierung der Bürgerarbeit muss die Bundesagentur für Arbeit übernehmen. Dabei geht es um weit mehr als Gelegenheitsjobs wie Schneeschippen", betonte Landsberg. "Ziel muss es sein, die Berufs- und Lebenserfahrung von Langzeitarbeitslosen sinnvoll zu nutzen. Das kann in Museen, Bibliotheken und Altersheimen sein."

"In Gesprächsituationen wurde klar, dass die Bürgerarbeiter an Selbstbewusstsein gewonnen hatten, dass sie Ideen entwickelten und sich sozial integriert fühlten", sagt Sabine Böttcher vom Zentrum für Sozialforschung in Halle. "Uns haben ganz viele gesagt: Ich habe einen richtigen Vertrag, ich gehe auf Arbeit, ich werde wieder gebraucht."

Der Chef des Forschungsinstitutes zur Zukunft der Arbeit, Klaus Zimmermann, sieht die Bürgerarbeit kritisch: "Die Gefahr besteht, dass Menschen zu frühzeitig in einer öffentlichen Beschäftigungsfalle landen, aus der sie trotz ihres Potenzials nicht mehr herauskommen." Es seien nicht genügend Möglichkeiten geprüft worden, Hartz-IV-Empfänger in reguläre Beschäftigung zu bringen.

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12.03.2010 / jst mit Material von epd, kna