Tigermücke Video
Tigermücken leben in der Schweiz und strecken den Rüssel nach Deutschland
Die Tigermücken dringen nach Nordeuropa vor
Aedes albopictus kann Dengue-Fieber übertragen
Im Sommer 2006 haben Biologen zum ersten Mal in Deutschland die Tigermücke nachgewiesen. Das Insekt überträgt in den Tropen 20 Virenkrankheiten wie Chikungunya-, Dengue-Fieber und Westnilvirus.
Selbst wenn Aedes albopictus hier heimisch wird - die von ihr übertragenen Erreger tropischer Krankheiten kommen nicht automatisch nach, beruhigt Insektenkundler Andreas Krüger vom Hamburger Bernhard-Nocht-Institut. In Norditalien erkrankten im September mindestens 160 Menschen an der am Chikungaya-Fieber. In Südfrankreich überwachen die Behörden verschärft die Ausbreitung tropischer Mückenarten.

Mittlerweile soll sie sich längst an das gemäßigte Klima Westeuropas angepasst haben. Anders als viele ihre Artgenossen sind Tigermücken am Tag aktiv, greifen gern Menschen an und durchstechen locker Kleidungsstücke. Ihr Stich ist äußerst schmerzhaft.

Die Regensburger Forscher arbeiten an einem Mittel gegen die Plage, indem sie analysieren, worauf die Mücke "fliegt", schildert Dr. Martin Geier: "Wir wissen, welche Duftstoffe von der menschlichen Haut die Mücken brauchen, um, ihren Wirt zu finden und wissen auch, dass es auf ein bestimmtes Mischungsverhältnis ankommt."

"Die Tigermücke ist hervorragend angepasst"
Lupe
In Deutschland gibt es Tigermücken bisher nur im Labor
"Eine Einschleppung ist relativ wahrscheinlich, weil sie sich schon bis nach Italien und die Schweiz vorgekämpft hat und durch den starken Verkehr die Wahrscheinlichkeit gegeben ist, dass es zu einer Ausbreitung kommt", sagt Thomas Hörbrand von der Regensburger Universitätsausgründung "BioGents". "Die Tigermücke ist deshalb so erfolgreich, weil sie hervorragend an den Menschen angepasst ist und kleinste Wassermengen nutzen kann, um ihren Lebenszyklus zu vervollständigen." Auch nach Monaten der Trockenheit können aus den Eiern immer noch Stechmückenlarven schlüpfen.

In der Schweiz wird die Tigermücke bereits gezielt bekämpft, um ihre Vermehrung einzudämmen. "Bekämpfung funktioniert, solange die Population klein ist", sagt Eleonora Flacio von der Mückenarbeitsgruppe im Tessin. "Wenn ich Larven finde, alarmiere ich meine Vorgesetzten und das Gesundheitsdepartement - und dann handeln wir unverzüglich", sagt die Biologin Eleonora Flacio. "Wir wollen verhindern", erläutert Mikrobiologe Prof. Peter Lüthy, "dass sich die Tigermücke in der Schweiz und besonders im Kanton Tessin festsetzen kann." Als Beispiel nennt er das West-Nil-Virus, das 1999 erstmals in New York City aufgetreten ist und sich jetzt in den ganzen USA ausgebreitet hat.

Überträger war damals auch eine Mücke, erinnert sich Lüthy: "Wenn wir den Aufwand jetzt nicht aufbringen, besteht die Gefahr, dass sich die Mücke ausbreitet - zuerst im Kanton Tessin und auch in der Deutschschweiz. Nördliche Breiten sind meiner Ansicht nach auch nicht sicher." Die Tigermücke könne sich ebenso gut in Deutschland und Österreich etablieren, meint Lüthy. "Aber wir stellen die Front dar." Seit etwa 1990 sind Tigermücken in Italien heimisch und bereits im gesamten Norden des Landes zu finden.

Die Asiatische Tigermücke war erstmals 2003 in der Schweiz entdeckt worden, damals allerdings im Kanton Tessin südlich der Alpen. Im Sommer 2005 gelang ihr der Sprung über die Alpen. Die Tigermücke ist als blinder Passagier in alten Autoreifen nach Europa und USA transportiert worden. Noch sind keine solche Fälle in Europa aufgetreten, doch auf Frachtschiffen gelangt die Tigermücke aus Asien in die ganze Welt.

Infografik
Neue und alte Seuchen - Erreger wandern ein
In Europa ausgestorben geglaubte Krankheiten wie die Malaria kehren zurück - schuld ist der rege Verkehr zwischen den Kontinenten. Und auch der Klimawandel bietet tropischen Erregern neue Habitate.
Info
Das Chikungunya-Fieber bricht etwa vier bis sieben Tage nach dem Mückenstich aus und kann mehrere Wochen lang dauern. Sein Name kommt aus dem Suaheli und bedeutet so viel wie "krumm laufen".
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15.07.2005, zuletzt aktualisiert am 20.08.2009 / mp mit Material von afp