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Der Bär ist zurück - aber nur in wenigen Exemplaren und reichlich ungewollt
"Für Bären ist alles da - außer eben die Bären"
Deutschland, Österreich und die Schweiz sind bereit
"Wir haben Bärenmanagementpläne, wir haben Bärenanwälte und wir können Bienenstöcke vor Bären schützen - wir haben alles, nur kaum Bären", sagt Christoph Walder vom World Wide Fund for Nature (WWF).
Trotz eines Förderprogramms stehen die Chancen für eine dauerhafte Wiederansiedelung des Braunbären in Österreich langfristig schlecht. Nach einer vom Umweltbundesamt in Wien veröffentlichten Untersuchung gibt es für die pessimistische Prognose mehrere Gründe. Zum einen gibt es zurzeit einfach zu wenige lebende Tiere in den Ansiedelungsregionen. Der Lebensraum der Bären sei zu stark zerstückelt, und die Sterberate der Tiere gemessen an anderen Lebensräumen zu hoch.

Ohne natürliche Zuwanderung aus Slowenien würden die Bären in der Alpenrepublik wieder aussterben. Besonders groß wird auch die Gefahr der Inzucht eingeschätzt. Nach Angaben der Experten leben zurzeit in den Nördlichen Kalkalpen - in Ober- und Niederösterreich sowie Steiermark - schätzungsweise sieben bis zwölf Bären, in Kärnten und Osttirol weitere fünf bis acht. Andere Experten, wie der Wildtier-Verhaltensforscher Heinz-Peter Sorger glauben sogar, dass deutlich weniger Bären auf österreichischem Gebiet existieren.

Der mögliche Lebensraum der Bären ist mit einer Fläche von 20.000 bis 25.000 Quadratkilometer eigentlich ausreichend für bis zu 400 Tiere. Im Gegensatz zu den Erfahrungen mit dem in Bayern erschossenen Braunbären "JJ1" alias "Bruno" gelten die in Österreich durch Bären angerichteten Schäden als vergleichsweise gering. Sie betrugen in den Jahren 1995 bis 2004 durchschnittlich knapp 8700 Euro. Im schlimmsten Jahr 1994 verursachten die Tiere Schäden in Höhe von 65.000 Euro.

Rückkehr der Bären ist wohl nur eine Frage der Zeit
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Aussetzen hilft an einigen Stellen
Gut hundert Jahre nach dem Abschuss des letzten Bären in der Schweiz ist eine natürliche Rückkehr dieses Tiers nach Angaben von Biologen nur noch eine Frage der Zeit. Geeignete Lebensräume wären vorhanden. Konflikte könnte es mit der Schafhaltung geben, während der Bär für Menschen kaum gefährlich ist. Das ist einer Untersuchung der Koordinierten Forschungsprojekte zur Erhaltung und zum Management der Raubtiere in der Schweiz ("Kora") zu entnehmen. Potenziell geeignete Lebensräume für Bären in der Schweiz haben die Experten in den Südtälern sowie besonders im Engadin bis ins Misox und von Nordbünden über das angrenzende Glarnerland bis in die Innerschweiz ausgemacht. Dort gibt es genügend abgelegene Gebiete, die der Bär nutzen könnte und die einer relativ geringen Störung durch den Menschen unterliegen.

Sie sind über mehrere Korridore mit dem Trentino verbunden und liegen mit Distanzen von 38 bis 87 Kilometern durchaus in der Reichweite der Trentiner Bären. Damit ist laut "Kora" das Auftauchen der ersten Individuen wohl nur eine Frage der Zeit. Ob sich der Bär in den Schweizer Regionen mit teilweise intensivem Tourismus und mit Schafzucht etablieren könnte, wird vor allem von der Akzeptanz der Bevölkerung abhängen.

Die Chancen stehen laut dem WWF gut, weil der Bär hier zu Lande große Sympathie genießt. Die Wiederansiedelung müsste jedoch fachlich begleitet werden. Der Tourismus könnte sogar profitieren, zumal der Bär für Menschen keine direkte Gefahr darstellt. Weder aus dem Trentino und den Abruzzen noch aus Österreich sind Fälle bekannt, wonach ein Mensch durch Bären zu Schaden gekommen ist. Im Trentino wurden laut "Kora" in den letzten 30 Jahren nur sieben Schafe getötet und 19 Bienenstöcke zerstört.

"Bärenanwälte" wollen Akzeptanz für Rückkehrer
"Bärenanwälte" kämpfen in Österreich bei Bauern und Waldarbeitern um Akzeptanz für das größte Raubtier Europas. Die Bärenanwälte informieren über Schadenersatz und das Verjagen von Bären. Außer Waldarbeitern sind ihre Klienten vor allem Imker und Landwirte. "Die Aufregung zeigt eigentlich nur, wie sehr sich der moderne, mitteleuropäische Mensch von der Natur entfernt hat", sagt Tierfilmer Andreas Kieling zur Aufregung über den ersten Bären in Bayern seit Jahrhunderten.

"Mensch weiß mit Bären nichts mehr anzufangen"
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Auch ein Stück Natur
"Wir stellen uns immer als tierlieb und naturverbunden dar, sobald aber ein großes Tier vor der Haustüre auftaucht, ist von all dieser Toleranz nichts mehr zu spüren." Bei seinen Reisen durch Nordamerika hat er die Bären als tolerante, intelligente Tiere kennen gelernt. Sie seien "durchaus in der Lage, mit den Menschen friedlich zusammenzuleben." In Kanada und Alaska sei man den Umgang mit den Tieren gewohnt: "Jeder, der in Bärengebieten lebt und Vieh hält, hat einen Elektrozaun. Die Farmer stehen abends mit Pump-Guns am Feldrand." Die Tiere bekommen ein Gummigeschoss ab. "Er merkt sich sehr schnell, dass ihm das nicht gut tut, ein Schaf zu reißen."

Bären ernähren sich normalerweise zu 80 bis 90 Prozent von Pflanzen. Das habe man bei Untersuchungen von Bären-Kot festgestellt. "Bären fressen Gras, Kräuter, Eicheln, Kastanien, Nüsse und graben auch Wurzeln als Nahrung aus." Auch Bienen, Wespen und Ameisen stehen auf ihrem Speiseplan. Weil Bären anders als Luchs und Wolf keine schnellen Jäger seien, bevorzugten sie ansonsten Fallwild - eine von einer Lawine getötete Gämse sei, wenn diese vom Schnee freigegeben werde, eine willkommene Abrundung der "Speisekarte", sagt Petra Kaczensky von der Universität Freiburg.

Natürlich komme es auch in Österreich immer mal wieder vor, dass die dort in Freiheit lebenden Bären in Gegenden mit Schafen ein Tier rissen, weiß Felix Knauer von der Freiburger Universität. Aber es sei nicht normal, dass ein Bär so viele Schafe reiße wie das Tier in Bayern. Der bayerische Bär sei bereits darauf geeicht, sich in der Nähe von menschlichen Siedlungen fleischliche Nahrung zu suchen, hieß es. Und eine solche Konditionierung sei nur noch schwer umzukehren.

Wildtier des Jahres 2005: der Braunbär ist zurück
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Da isser wieder
Der Braunbär (Ursus arctos) war das Wildtier des Jahres 2005. Das hat die Schutzgemeinschaft Deutsches Wild in Bonn bekannt gegeben. Der Bär ist in die Alpen zurückgekehrt. "Wenn der Braunbär wieder nach Deutschland kommt, dann sollte er toleriert werden", sagte der Sprecher der Schutzgemeinschaft, Werner Koep. Die in den Alpen vorkommende europäische Art ist mit einer Größe von etwa 1,70 Metern und einem Gewicht von rund 70 Kilogramm deutlich kleiner und leichter als etwa die nordamerikanischen Grizzlys oder die sibirischen Kamtschatkabären - dennoch ist er nach dem Eisbär das größte Raubtier auf dem Kontinent.

Der Braunbär sei in den Alpen über Jahrhunderte lang heimisch gewesen, berichtete die Schutzgemeinschaft. Ende des 19. Jahrhunderts sei er aber in allen mitteleuropäischen Staaten ausgerottet gewesen. Heute seien Braunbären mit einer kleinen Kolonie in der Nähe der bayerischen Grenze, in Kärnten und der Steiermark anzutreffen, erläuterte Koep. "In den vergangenen Jahren sind auch immer wieder mal Spuren im deutsch-österreichisch Grenzgebiet oder auf bayerischem Gebiet festgestellt worden." Ebenso wie für Luchs und Wolf sei der ganze Alpenraum auch für die anpassungsfähigen Tiere geeignet.

In ganz Europa leben noch etwa 6000 bis 10.000 Braunbären. Die meisten Bären gibt es in südosteuropäischen und osteuropäischen Ländern (an der Spitze Rumänien/Karpaten mit rund 4500) sowie in Schweden und Finnland (zusammen mehr als 1000). Die Tiere leben meist in unfruchtbaren, bewaldeten, bergigen Regionen. Auf italienischem Boden genießen etwa 60 Alpenbären Schutz. In Österreich werden etwa 25 Braunbären vermutet.

  • Österreich:In Österreich wurde der Braunbär vor mehr als 160 Jahren ausgerottet. Heute leben wieder bis zu 20 Tiere verstreut über Gebiete in der Steiermark, Kärnten und Niederösterreich. Die heutigen Bestände stammen aus Slowenien und Kroatien, wo die Bärenpopulation zusammen auf mehr als 1000 geschätzt wird. In Österreich wanderte der erste Braunbär Anfang der 1970er Jahre wieder ein. Er wurde Ausgangspunkt eines Wiederansiedlungsprojekts. Experten setzten 1989 eine Bärin aus, mit der er Nachwuchs bekam. 1994 wurden zwei aus Slowenien zugewanderte Bären geschossen, die eindeutig nicht aus dem Wiederansiedlungsprojekt stammten. Laut WWF drangen sie in Kaninchen- und Schafställe ein, wanderten durch Ortschaften und ließen sogar Wasser aus Fischteichen aus, um an die Forellen zu kommen.
  • Polen: Abendliche "Ausgangssperren" auf vielen Hütten während der Sommersaison sollen Urlauber in Polen vor einer Begegnung mit einem Bären schützen. Ein Spaziergang in der Dämmerung oder in sternklarer Nacht ist schließlich wenig ratsam, wenn draußen Bären auf der Suche nach Futter unterwegs sind. In der Vergangenheit wurde der Zugang zum Nationalpark Hohe Tatra, wo Schätzungen zufolge 15 bis 20 Braunbären leben, sogar von zehn Uhr abends bis sechs Uhr morgens für Wanderer gesperrt. Zumindest Bärenspuren sind für Polen-Urlauber schon Alltag: Rund um die Hütten der Bergwanderer werden immer wieder Hinweise auf Bären gefunden - die Tiere finden Abfallkörbe unwiderstehlich. Allein in den Bieszczady Bergen in den südostpolnischen Karpaten sollen etwa 35 Exemplare leben.
  • Kanada: Der Grizzly, die in Kanada lebende Unterart des Braunbären, ist in den meisten Provinzen zur Jagd freigegeben. Für etwa 6000 Euro wird eine Grizzly- und Wolfsjagd in British Columbia angeboten. In der Provinz Alberta wurde die Jagd auf Grizzlys in diesem Frühjahr jedoch bis einschließlich 2009 ausgesetzt. Die Behörden fürchten, dass die Zahl der Tiere inzwischen bis auf 700 geschrumpft ist. 2005 wurde eine junge Frau am Stadtrand von Canmore in Alberta von einem Grizzly getötet. Die Frau war beim Joggen von ihm überrascht worden und hatte sich auf einen Baum geflüchtet. Der Bär folgte ihr jedoch.
  • Skandinavien: Berichte über Angriffe durch Braunbären auf Menschen waren in Nordeuropa in den vergangenen Jahren wieder zunehmend zu lesen. Die Zahl der Tiere hat sich deutlich erhöht. Zuletzt hatte im Oktober 2004 ein Bär nahe der nordschwedischen Stadt Jokkmokk einen Elchjäger getötet. Das war der erste Fall in Schweden seit mehr als 100 Jahren. Hier wie auch in Finnland, wohin immer wieder Bären über die Grenze zu Russland kommen, werden für Menschen gefährlich gewordene Bären erlegt. In Schweden und anderen Teilen des nördlichen Skandinaviens leben derzeit zwischen 1600 und 2800 Braunbären.
  • Slowakei: Die Vorliebe hungriger Braunbären für Honig lässt in der Slowakei Bienenzüchter um ihre Existenz bangen. In den vergangenen Jahren haben sich die Bären zwar von menschlichen Siedlungen meist fern gehalten. Wegen des knapperen Nahrungsangebotes verlieren sie aber immer mehr ihre Scheu. Allein beim mittelslowakischen Dorf Klenovec (Region Banska Bystrica) sollen Mitte Mai mehrere dutzend Bären innerhalb weniger Tage rund 50 Bienenstöcke völlig zerstört haben, berichten örtliche Bienenzüchter. Schätzungen zufolge leben in der Slowakei 300 bis 600 Bären in freier Wildbahn.
  • Spanien: Zwei Braunbärpopulationen leben in Spanien, in den Pyrenäen und im Kantabrischen Bergland. Der Bestand von etwa 90 Bären in Kantabrien gilt als ein gelungenes Beispiel von Arterhaltung. Die Tiere leben in einem unzugänglichen Gebirge, ihre Zahl nimmt zu. In den Pyrenäen war der Braunbär vor kurzem so gut wie ausgestorben. Im spanisch-französischen Grenzgebiet gibt es noch 15 bis 18 Exemplare.
  • Frankreich: Seit Paris den auf 14 bis 18 Bären geschrumpften Bestand in den Pyrenäen mit fünf Bären aus Slowenien auffrischen will, gibt es in Frankreich einen erbitterten Kampf. 2004 war die letzte "reinrassige" französische Pyrenäenbärin von Jägern illegal erschossen worden. In den vergangenen Wochen wurden drei Bären in Slowenien gefangen und in den Pyrenäen ausgesetzt. Während Künstler Patenschaften für die Tiere übernahmen, legten Schäfer vergifteten Honig als Bärenfallen aus.
  • Italien: Nach Angaben des WWF gibt es in Italien zwei Populationen von Braunbären. Zwischen 40 und 50 Tiere leben im und um den Abruzzen-Nationalpark. Dort kommt ein Bär auf 25 Quadratkilometer, eine vergleichsweise beruhigende "Bärendichte", die das Überleben garantieren dürfte. Weitere etwa 20 Bären gibt es im Naturpark Adamello-Brenta und Umgebung im Trentino. In den vergangenen Jahren hätten sich "einige individuelle Tiere" aus Slowenien und Österreich bis ins Friaul und Venetien und in die Gegend um Belluno (Dolomiten) ausgebreitet. Der WWF kritisiert, dass rund 36 Prozent der Todesfälle von Bären auf Wilderei zurückzuführen sei.

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03.11.2004, zuletzt aktualisiert am 16.09.2009 / mp mit Material von dpa und afp