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Das radioaktive Gas Radon dringt aus dem Boden und sammelt sich in Häusern
Radon-Werte als Schutz gegen Krebs einführen
Internationale Organisationen fordern Grenzwerte
Zum Schutz vor dem radioaktiven Gas Radon sollten gesetzliche Richtwerte in Deutschland gelten, forderten die Weltgesundheits-Organisation (WHO) und das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS).
Das in der Natur vorkommenden Edelgas steht im Verdacht, nach dem Rauchen die zweithäufigste Ursache von Lungenkrebs zu sein. Nach Meinung der Experten sollte der Radon-Wert 100 Becquerel pro Kubikmeter (Bq/m3) Raumluft nicht überschreiten. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) fordert ebenfalls verbindliche Regelungen für Wohn- und Aufenthaltsräume.

Einen Richtwert von 100 Becquerel hatte das BfS bereits 2004 für ein nationales Radon-Schutzgesetz empfohlen. Eine Umsetzung ist laut Minister Gabriel am Widerstand der Länder gescheitert. "Noch laufende Gespräche mit den am meisten betroffenen Ländern kommen nicht voran", klagte Gabriel. Nach aktuellen Studien aus Europa, Nordamerika und Asien werden weltweit 3 bis 14 Prozent der Lungenkrebsfälle durch Radon verursacht. "Für Deutschland ergab die Schätzung, dass rund fünf Prozent Lungenkrebsfällen pro Jahr radonbedingt sind", sagte BfS-Präsident Wolfram König.

In Häusern kann das radioaktive Gas sich stauen
Karte Lupe
In Deutschland sind die Gefahren unterschiedlich verteilt
Die natürliche Strahlung von Radon-Gas in Wohnhäusern erhöht laut einer UN-Studie nachweislich das Risiko für Lungenkrebs. Normalerweise verteile sich das Gas in der Luft, in Häusern könne es sich aber stauen, berichtete ein Wissenschaftskomitee der Vereinten Nationen im Juli 2009. Besonders betroffen könnten Bewohner der Nordhalbkugel sein, da sie ihre Fester oft geschlossen hielten. In die Häuser gelange das Gas durch das Fundament, sofern dieses nicht abgeschirmt werde. "Radon ist ein typisches Risiko für die Gesundheit, das niemand akzeptieren oder wahrhaben möchte", sagte Wolfgang Weiss, Leiter des zuständigen Fachbereichs beim deutschen Bundesamt für Strahlenschutz. Er ist auch stellvertretender Leiter des Wissenschaftlichen Ausschusses der Vereinten Nationen zur Untersuchung der Auswirkungen der atomaren Strahlung (Unscear).

Leicht erhöht sei das Risiko besonders bei Rauchern, die ohnehin schon ein höheres Lungenkrebsrisiko hätten, sagte Weiss. Auf Grundlage des Berichtes seien die Weltgesundheits-Organisation und andere Organisationen dabei, ihre Empfehlungen für maximale Strahlungsdosen zu überarbeiten, sagte der Experte.

In vielen Gebieten Deutschlands sei das Risiko einer Belastung durch Radon zwar sehr gering. Vor allem aber in bergigen Landschaften mit Granitvorkommen sollten die Werte regelmäßig überprüft werden, sagte BfS-Sprecher Florian Emrich. Dazu gehörten der Bayrische Wald, der Harz und auch Gebiete in Thüringen.

"In der Regel ist das mit einfachen und günstigen Mitteln möglich", sagte König. Beton-Plattenfundamente und Abdichtungen gegen Bodenfeuchte böten einen wirkungsvollen Schutz gegen das Eindringen von Radon. Etwa 2000 Euro müssten bei einem Neubau mit 100 Quadratmetern Grundfläche veranschlagt werden. Sinnvoll könne auch der Einbau eines Zu- und Abluftsystems sein. Der Einbau einer dicht schließenden Kellertür trage dazu bei, die Ausbreitung von Radon in höhere Etagen zu verhindern.

Glossar
Radon - ein radioaktives Gas quillt aus dem Boden
Radon ist ein natürliches radioaktives Edelgas. Es ist unsichtbar, geruchs- und geschmacklos. Radon entsteht natürlicherlicherweise als ein Zerfallsprodukt von Uran, das überall im Boden vorkommt.
Info
Auf einer Internet veröffentlichten Radon-Karte informiert das BfS über die gefährdeten Gebiete. Das ebenfalls im Netz veröffentlichte Radonhandbuch bietet darüber hinaus Informationen zum Thema und zeigt, wie die Konzentration in Wohnräumen reduziert werden.
Info
Für die Studie hatte die in Wien ansässige Unscear Daten von mehr als 20 Studien aus Europa, den USA und China ausgewertet, für die zehntausende Krebspatienten untersucht worden waren. Verschiedene Gesundheits-Organisationen in Deutschland und den USA hatten bereits vor Jahren gewarnt, dass Radon die zweitwichtigste Ursache für Lungenkrebs ist - nach dem Rauchen. Das Gas entsteht beim Zerfallsprozess von Uran, das überall im Erdboden vorhanden ist. Der UN-Bericht wurde bereits 2006 fertiggestellt, nach Angaben der Vereinten Nationen konnte er wegen finanzieller Probleme aber erst drei Jahre veröffentlicht werden.
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19.05.2005, zuletzt aktualisiert am 09.10.2009 / dpa / mp