Drachen soll Überseefrachtern das Segeln beibringen
"Skysails" kommt zum Antrieb hinzu und spart so die Hälfte des Treibstoffs
Der Wirtschaftsingenieur Stefan Wrage und Schiffsbauingenieur Thomas Meyer wollen Frachtschiffen einen Drachen vorspannen und sie so zum Segeln bringen - so ließe sich die Hälfte des Treibstoffs einsparen, schätzen die Entwickler. Bei "Skysails" hängt ein Zugdrachen von der Größe eines Dreiviertel-Fußballfelds am Bug der Hochseefrachter. Unterstützt von Schiffsmotoren zieht der Wind die Stahlkolosse dann über die Weltmeere. Ziel ist es, Frachtschiffe mit einem Gewicht von 100.000 Tonnen zu ziehen.
Update vom 17. Dezember 2007: Erster Frachter mit Hilfssegelantrieb in Hamburg getauft
Durch den Drachen liegt das Schiff sogar ruhiger im Wasser. Skysails nutzt dabei das Wissen um die traditionellen Schifffahrtsrouten, die entlang der auf der Erde herrschenden Haupt-Windströmungen entstanden waren.
Mit dem Versuchsschiff "Galileo“ bereitet die Crew Testläufe des Systems auf der Ostsee vor. Das Schiff ist das exakte Modell eines Frachters im Maßstab 1:26. Sein Rumpf allerdings ist vollgepackt mit Messtechnik. Ein Modell-Boot wurde von der Schiffsbauversuchsanstalt in Hamburg entwickelt, das im Wasserkanal unter realen Bedingungen getestet wurde. Die Ergebnisse der Miniaturmodelle lassen sich direkt auf die Schiffe im Realmaßstab umrechnen. Da für den Test mit Drachen in den Versuchshallen der Platz fehlt, muss die Galileo in einem bestimmten Abschnitt der Wismarer Bucht getestet werden.
Dort passen Wellengröße und Windbedingungen zum Modellmaßstab des Schiffes und Geschwindigkeit, Zugkraft und Lenkverhalten von Skysails können ideal geprüft werden. Eine Software errechnet die optimale Streckenführung mit den aktuell besten Wind- und Wetterverhältnissen. Eine Gondel unterhalb des Drachens zieht ferngelenkt die Strippen. Der Drachen selbst ist eine konsequente Weiterentwicklung eines Lenkdrachens in Gleitschirmform, genäht aus ultraleichten Hightech-Stoffen.
Bis 500 Meter hoch soll später mal der Drachen in den Himmel gelassen werden, mit Kursen bis 45 Grad am Wind. So bekommt der Drachen fast immer genügend Brise. Die Sensorik am Drachen misst Windgeschwindigkeit und Windrichtung, wobei der Autopilot den Schiffskurs und die Schiffsgeschwindigkeit steuert, die Tragfläche ausrichtet und für die optimale Zugkraft sorgt. Das Drachenseil muss eine Kraft von rund 300 Tonnen aushalten.
Trotz ausgefeiltester Motortechnik sind die Ozeanriesen gigantische Energiefresser und Luftverschmutzer. Umweltfreundlicher, schwefelarmer Treibstoff wäre für die Containerschifffahrt zu teuer. So bläst die heutige Schiffsflotte so viel Schadstoffe in die Luft wie alle Haushalte und Industrie der USA. Allein über Nord und Ostsee stoßen die Schiffe pro Jahr 1,1 Millionen Tonnen Schwefeldioxid aus.
Skysails - Das Segelschiff der Zukunft
Skysails - Am Anfang war eine Idee
Schiffe mit Windantrieb
Skysail - Öltanker mit Drachenkraft
Hoch die Segel
Zurück in die Zukunft mit der Kraft des Windes (pdf)
Hamburgische Schiffbau-Versuchsanstalt GmbH

Vom Gleitschirm zum Giganten
Weltgrößte Brück für Schiffe
Drachen im Sturm und ohne Wind
Drachen im Windkanal
Die Welt aus der Perspektive eines Lenkdrachens

14.01.2005, zuletzt aktualisiert am 17.12.2007 / mm
zurück Seitenanfang Druckversion Artikel versenden 3sat / nano [E-Mail]