Probanden in der Küche Video
Ernährungswissenschaftler sagen: Man kann sich Eier ruhig munden lassen
Fr-Ei-spruch
Eier erhöhen den Cholesterinspiegel im Blut nicht
"Die Cholesterinzufuhr ist nicht die Größe, die den Cholesterinspiegel im Blut steuert", sagt der Potsdamer Ernährungswissenschaftler Prof. Andreas Pfeiffer.
Während bislang häufig empfohlen wurde, Eier auch wegen des Cholesterins weitgehend zu meiden, habe sich in den vergangenen Jahren in Studien gezeigt, dass sich bei vielen Menschen dadurch der Cholesterinspiegel im Blut nicht erhöht, berichtete auch der US-Chemikerverband im April 2013.

Der Körper braucht Cholesterin zur Unterstützung zahlreicher Funktionen: Dazu gehören der Aufbau stabiler Zellwände, die Produktion von Gallensäuren für die Verdauung, Herstellung von Vitamin D zum Knochenaufbau und die Produktion von Geschlechtshormonen. Die pro Tag vom Körper benötigten ein bis zwei Gramm Cholesterin produziert der Körper selbst vor allem in der Leber. Darüber hinaus nehmen die Menschen aber Cholesterin über das Essen auf.

Ärzte unterscheiden zwischen "gutem" und "bösem" Cholesterin. Das "böse" Lipoprotein geringer Dichte (LDL) bringt das Cholesterin über das Blut zu den Organen und kann sich auf dem Weg dorthin an den Wänden der Blutgefäße ablagern. Das "gute" hoher Dichte (HDL) transportiert Cholesterin dagegen in die Leber, wo es verarbeitet und abgebaut wird. Weil es auf diese Weise Arterienverkalkung entgegenwirkt, gelten hohe Werte als gut.

Manche Ärzte warnen vor Cholesterinsenkern
Prof. Thomas Münzel Video
Thomas Münzel auf seinem langen Kampf gegen Cholesterinsenker
"Die Therapie mit Fettsenkern ist mit massiven Nebenwirkungen verbunden, die die Lebensqualität einschränken", sagt der Mainzer Kardiologe Prof. Thomas Münzel. "Jeder dritte Patient, der zu mir in die Sprechstunde kommt, hat aufgrund dieser Fettsenkertherapie massive Muskelschmerzen. In den Studien zur Verhinderung von Herzinfarkten sind die Nebenwirkungen Muskelschmerzen mit fünf Prozent als sehr niedrig angegeben worden. Wir wissen heute, dass in diesen Studien vor allem Risikopatienten ausgeschlossen wurden."

Cholesterinsenker wie Statine können zu Hirnblutungen führen, meint der Berliner Neurologe Prof. Matthias Endres: "Das Risiko ist in vielen Fällen größer ist als die Vorteile durch die Verminderung anderer Herz-Kreislauf-Erkrankungen." Besonders gefährlich sei die Therapie für Menschen mit Blutungen in den Großhirnlappen. "Bei 14 Prozent dieser Patienten kommt es innerhalb des nächsten Jahres erneut zu einer Hirnblutung. Wenn sie Statine einnehmen, steigt die Wahrscheinlichkeit auf 22 Prozent an", so Endres.

Risikopatienten nehmen cholesterinsenkende Mittel
Grafik: Cholesterin im Blut Video
Cholesterin hat zunächst eine heilende Wirkung im Körper
"Man macht uns cholesterinkrank", so der Hausarzt Dr. Walter Dresch. Seit 1990 liegt der Cholesteringrenzwert bei 200 Milligramm pro Deziliter. Doch Kritiker meinen, es sei nicht bewiesen, dass ein erhöhter Cholesterinwert das Leben verkürze. "Wenn man die Statistiken sieht, hätten 90 Prozent der erwachsenen Bevölkerung einen zu hohen Cholesterinwert - das kann nicht stimmen", so Dresch.

Bei zu viel Cholesterin bestehe die Gefahr, dass sich die Moleküle in den Arterien festsetzten. Diese verstopfen und so steigt das Herzinfarkt-Risiko. "Wenn ein Kind einen Wert von 200 hat, ist das bedenklich", räumt auch Dr. Dresch ein. "Aber wenn ein 50-Jähriger einen Wert um 250 hat, dann ist das ein Idealwert." Dennoch wird er deswegen mit Medikamenten behandelt. Der Umsatz liege hier bei 30 Milliarden Euro. Das umsatzstärkste Medikament der Welt ist ein Cholesterinsenker.


Gesunde Ernährung und viel Bewegung sind hilfreich
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Bei einigen produziert der Körper genetisch bedingt zu viel Cholesterin
"Erhöhtes Cholesterin ist nicht gesund", sagte 2010 Prof. Elisabeth Steinhagen-Thiessen von der Lipidambulanz der Berliner Charité. Risikopatienten müssen cholesterinsenkende Mittel einnehmen. Für alle anderen seien eine bewusste Ernährung, Verzicht auf gesättigte Fettsäuren und das Rauchen sowie vor allem regelmäßige Bewegung, die besten Mittel gegen zu hohe Cholesterinwerte. "Wir senken damit das LDL-Cholesterin etwa um 8 bis 10 Prozent und erhöhen das gute HDL-Cholesterin."

"Trotzdem legen wir einen individuellen Zielwert für jeden Patienten fest." Es komme darauf an, wie alt der Patient ist, welche Risikofaktoren er hat und welche familiären Vorbelastungen. "Ein großer Teil in unserer Bevölkerung hat eine Genetik, die ihm vorgibt, dass zu viel Cholesterin in seinem Blut ist. Der Mensch selbst stellt zu viel Cholesterin her. Diese Genetik finden wir in der Regel ganz einfach dadurch heraus, in dem wir unsere Patienten befragen, ob Vater oder Mutter vor oder um das fünfzigste Lebensjahr einen Herzinfarkt gehabt haben."

Glossar
Cholesterin
Cholesterin ist ein lebenswichtiger, fettähnlicher Stoff. Es kommt in fast allen menschlichen und tierischen Geweben vor.
Gast
VideoZum Thema sprach nano am 19. Januar 2011 mit Prof. Bernd Mühlbauer, Facharzt für Pharmakologie und Klinische Pharmakologie in Bremen sowie Vorstandsmitglied der deutschen Arzneimittelkommission.