Grafik: Cholesterin im Blut Video
Cholesterin hat zunächst eine heilende Wirkung im Körper
Zu schnell verordnet
Risikopatienten nehmen cholesterinsenkende Mittel
"Man macht uns cholesterinkrank", so der Hausarzt Dr. Walter Dresch. Seit 1990 liegt der Cholesteringrenzwert bei 200 Milligramm pro Deziliter.
Doch Kritiker meinen, es sei nicht bewiesen, dass ein erhöhter Cholesterinwert das Leben verkürze. "Wenn man die Statistiken sieht, hätten 90 Prozent der erwachsenen Bevölkerung einen zu hohen Cholesterinwert - das kann nicht stimmen", so Dresch.

Bei zu viel Cholesterin bestehe die Gefahr, dass sich die Moleküle in den Arterien festsetzten. Diese verstopfen und so steigt das Herzinfarkt-Risiko. "Wenn ein Kind einen Wert von 200 hat, ist das bedenklich", räumt auch Dr. Dresch ein. "Aber wenn ein 50-Jähriger einen Wert um 250 hat, dann ist das ein Idealwert." Dennoch wird er deswegen mit Medikamenten behandelt. Der Umsatz liege hier bei 30 Milliarden Euro. Das umsatzstärkste Medikament der Welt ist ein Cholesterinsenker.


Lebenswichtiges Fett mit Trend zum Herzinfarkt
Lupe
Das meiste Cholesterin produziert der Körper selbst
Cholesterin ist ein lebenswichtiger Stoff, der zu den Fetten (Lipide) zählt. Er ist nicht nur Hauptbestandteil der Zellwände, sondern Vorstufe verschiedener Hormone und anderer wichtiger Stoffe. Überschüssiges Cholesterin führt jedoch zu Gefäßverkalkung. Den größeren Teil des Cholesterins stellt der Körper selbst her, der kleinere Teil wird mit der Nahrung aufgenommen, wobei es nicht in pflanzlicher Nahrung vorkommt. Lipide werden im Körper mit Hilfe von Trägerstoffen transportiert. Diese Lipoproteine gibt es in zwei Formen, dem "guten" HDL und dem "schlechten" LDL.

LDL bringt Cholesterin zu den verschiedenen Organen des Körpers, wo es über spezielle Aufnahmestellen in die Zellen eingeschleust wird. Befindet sich zu viel LDL im Blut und sind die Zellen bereits gesättigt, lagert sich das Cholesterin an den Gefäßwänden ab und führt dort zu Arterienverkalkung. HDL dagegen nimmt überschüssiges Cholesterin aus Körperzellen und Blut auf und bringt es zur Leber zurück. Es kann auch bereits an den Gefäßwänden abgelagertes Cholesterin wieder herauslösen und schützt damit vor Arterienverkalkung. Je weniger LDL und je mehr HDL, desto besser.

Gesunde Ernährung und viel Bewegung sind hilfreich
Video
Bei einigen produziert der Körper genetisch bedingt zu viel Cholesterin
"Erhöhtes Cholesterin ist nicht gesund", sagt Prof. Elisabeth Steinhagen-Thiessen von der Lipidambulanz der Berliner Charité. Risikopatienten müssen cholesterinsenkende Mittel einnehmen. Für alle anderen sei eine bewusste Ernährung, Verzicht auf gesättigte Fettsäuren und das Rauchen sowie vor allem regelmäßige Bewegung, die besten Mittel gegen zu hohe Cholesterinwerte. "Wir senken damit das LDL-Cholesterin etwa um 8 bis 10 Prozent und erhöhen das gute HDL-Cholesterin."

"Trotzdem legen wir einen individuellen Zielwert für jeden Patienten fest." Es komme darauf an, wie alt der Patient ist, welche Risikofaktoren er hat und welche familiären Vorbelastungen. "Ein großer Teil in unserer Bevölkerung hat eine Genetik, die ihm vorgibt, dass zu viel Cholesterin in seinem Blut ist. Der Mensch selbst stellt zu viel Cholesterin her. Diese Genetik finden wir in der Regel ganz einfach dadurch heraus, in dem wir unsere Patienten befragen, ob Vater oder Mutter vor oder um das fünfzigste Lebensjahr einen Herzinfarkt gehabt haben."

Gast
VideoZum Thema sprach nano am 19. Januar 2011 mit Prof. Bernd Mühlbauer, Facharzt für Pharmakologie und Klinische Pharmakologie in Bremen sowie Vorstandsmitglied der deutschen Arzneimittelkommission.
mehr zum Thema
Langes Leben hängt von Cholesterin-Gen ab Täglich Knoblauch hilft nicht gegen zuviel Cholesterin