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Beim Geoscoring fließt der Wohnort in die Beurteilung eines Kunden ein
Scoring verurteilt Bürger aufgrund ihres Umfelds
Auch bei Banken ist diese Form der Kontrolle üblich
"Das diskriminierende an Geoscoring ist die Verallgemeinerung", sagt Frank-Christian Pauli vom Verbraucherzentrale-Bundesverband.
"Wenn ich in einem Stadtgebiet wohne, in dem es viele Menschen gibt, die eine schlechte Schuldenbilanz haben, wird das auf mich projiziert ungeachtet, ob ich ein guter oder ein schlechter Schuldner bin. Ich werde in 'Sippenhaft' genommen und das hat nicht nur Konsequenzen für mich, sondern es hat Konsequenzen für das ganze Viertel."

Je weniger ein Auskunftsdienst über den Bankkunden weiß, desto eher orientiert man sich an dem Wohnumfeld. Jemand, der in einem ärmeren Viertel wohnt, zahlt höhere Zinsen, auch wenn er ein ehrlicher Kunde ist. "Das führt dazu, dass niemand mehr in diesem Gebiet eine Chance hat und sich in einem solchen Bezirk auch nichts mehr wirtschaftlich entwickeln kann", so Pauli.

"Das kommt mit Macht", meint auch Carlo Wahrmann, der Leiter der Schuldnerberatungsstelle der Caritas in Berlin-Mitte zur pauschalen Auslese von Kreditnehmern. Banken berechnen dabei aus Kriterien wie Alter, Einkommen, Beruf, Sicherheiten und Wohnort, ob der Kunde den Kredit zurückzahlen kann. Für den Schuldnerberater heißt das: Banken wählen immer öfter aus, indem sie nicht den Antragsteller, sondern sein Umfeld beurteilen.

Dabei können sie sich der Vorarbeit von Meinungs- und Marktforschungsinstituten bedienen, die Stadtviertel bis in die einzelnen Straßenzüge hinein nach Kauf- und Konsumverhalten aufbereiten. Die Banken rechtfertigen sich damit, dass sie lediglich gewissenhaft die Bonität des Kunden prüften - nicht nur im Interesse des Kreditinstituts. Laut Verbraucherzentralen kann selbst der durchs Raster fallen, der die Preise mehrerer Banken erfragt und vergleicht.

Auskunfteien müssen ihre Kundendaten offenlegen
Lupe
Manchmal entscheiden ein paar Meter über die Zinshöhe
Auskunfteien wie die Schufa müssen künftig offenlegen, nach welchen Maßstäben sie die Kreditwürdigkeit von Konsumenten beurteilen. Eine Änderung des deutschen Bundesdatenschutzgesetzes gilt ab 1. April 2010 und betrifft das sScoring. Mit diesem mathematisch-statistischen Verfahren wird berechnet, wie hoch das Risiko ist, dass ein Kunde seine Schulden nicht bezahlen könnte. Auskunfteien müssen nun gespeicherte personenbezogene Daten, die für Kredite oder andere Verträge wichtig sind, offenlegen und erklären. Die Auskunft ist einmal im Jahr kostenlos. Verbraucher können fehlerhafte Einstufungen korrigieren lassen.

Die Erfassung von Geodaten wie des Wohnorts ist weiter zulässig. Allerdings dürfen für die Berechnung des Wahrscheinlichkeitswerts nicht ausschließlich Anschriftendaten genutzt werden. Der Wohnort allein darf demnach nicht ausschlaggebend dafür sein, wie eine Auskunftei die Bonität eines Verbrauchers beurteilt.

Schlechter Ruf, und man bleibt in der Warteschleife
Lupe
Die Mitarbeiter im Call-Center wissen eine Menge über Sie
"A-Kunden kommen direkt zu einem freien Mitarbeiter, B-Kunden in die entsprechende Warteschlange und C-Kunden gar nicht in direkten Kontakt zu einem Mitarbeiter", schildert Stefan Neumann vom Callcenter-Hersteller "Avaya-Tenovis" den Umgang mit Kunden, die eine Hotline anrufen. Das ARD-Magazin "Panorama" berichtet, "wie Callcenter lästige Anrufe aussortieren", so der Titel. Dabei kann es je nach Note passieren, dass "gute" Kunden in einer Warteschleife an anderen vorbeiziehen.


"Kunden werden zum Spielball der Banken"
Falscher Bezirk - kein Vertrag
Auch "Nörgler" werden herausgefiltert - selbst wenn sie die Form und Höflichkeit wahren. Die Frage für Thiess Johannsen vom Callcenter "D+S" lautet darum: "Wie ist der Aufwand, den der Kunde produziert?" Als Kunde erfährt man nichts davon, weiß auch Thilo Weichert. "Die größte Schweinerei liegt aus meiner Sicht darin, dass Konsumenten unter Umständen diskriminiert werden aufgrund von Merkmalen, von denen sie nichts wissen." So kann es passieren, dass Firmen Vorkasse erbitten und nicht mehr gegen Rechnung liefern wollen.



Firmen nutzen Daten, um Kunden gezielt zu werben
Aber Firmen nutzen die Daten auch, um ihre Kunden gezielter ansprechen zu können wie der Brauer Carl Glauner. Er hat seine Kundendaten in geografischen Karten aufbereitet. "Es kommt auf die Nutzung an, nicht die Technik." Die Forsche des Fraunhofer-Instituts für Intelligente Analyse- und Informationssysteme bieten Daten, um den Preis für Plakatwerbung zu bestimmen. "Wenn das ein etabliertes Produkt mit jahrelangen Kundenbeziehungen ist, kann man diese Kundentypologie nutzen", sagt Walter Erlenbach von der Firma Microm. Man kann ein relativ gutes Profil der bestehenden Kundschaft ermitteln, dieses Profil auf die Fläche legen und sich dann die Adressen heraussuchen, die zu dem Profil passen, aber bisher dieses Produkt noch nicht gekauft haben."

Schwerpunkt
Der bekannte Mensch: Formen der Überwachung
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"Geo-Marketing" vom SWR "GIS als Instrument der unternehmerischen Entscheidungsfindung" von der Uni Bonn "Die Merkels von nebenan" von "Die Zeit" online "Das ganze Leben in einer Zahl" von der Süddeutschen Zeitung Durchschaubare Privatsphäre und große Abhängigkeit
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16.12.2005, zuletzt aktualisiert am 09.02.2010 / mp mit Material der dpa