Alkohol regt die Hormone an - und macht darum froh
Ist er erst einmal über das ganze Gewebe verteilt, wird Dopamin ausgeschüttet
Auch ein Glas Alkohol am Tag ist gefährlich
Haarfeine Blutgefäße verteilen die Alkoholmoleküle über das gesamte Gewebe. Treffen Alkoholmoleküle auf einzelne Nervenzellen, setzen sie sich begierig auf ihre Fetthülle. Der Alkohol entfaltet seine Fettlösekraft und verursacht eine biochemische Kettenreaktion. Die angegriffenen Zellen schütten das euphorisierende Hormon Dopamin aus. Benachbarte Zellen im Belohnungszentrum des Gehirns nehmen das Dopamin über spezielle Rezeptoren auf.
Das ist der Startschuss für ein Feuerwerk an Glücksgefühlen: Weitere Botenstoffe werden ausgeschüttet - für das zentrale Nervensystem ein rauschhafter Zustand. Um diesen Kick zu wiederholen, trinken wir weiter. Zwei Pils später schlägt der positive Effekt ins Gegenteil um, aller Zauber ist verflogen, die Wirklichkeit nur noch ein Zerrspiegel.
Und das passiert im Gehirn: Die Nervenzellen fahren ihre Andockstellen für das Dopamin ein und der "Glücksstoff" prallt von den Zellwänden ab. Nun ist endgültig Schluss mit lustig. Als Folgen werden die Zecher hundemüde, können ihre Bewegungen nicht mehr kontrollieren und wollen meistens nur noch eins: nach Hause und den Rausch ausschlafen. Wenn indes Alkoholiker Wein oder Bier riechen, werden in ihrem Gehirn ganz andere Regionen aktiviert als bei gesunden Menschen.
Dies erklärt den "Suchtdruck", unter dem selbst trockene Alkoholiker auch nach langwierigen Entzugsbehandlungen noch leiden, wie Forscher der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde jetzt herausfanden. Eine zusätzliche Verhaltenstherapie kann hier Abhilfe schaffen, so die Wissenschaftler.
Auch kleine Mengen Alkohol wirken schädlich auf das Gehirn
Die Nervenzellen werden durch Alkohol beschädigt
Regelmäßiger Alkoholgenuss schädigt auch in geringen Mengen das Gehirn. Schuld ist die Aminosäure Homocystein, die im Hirn als falscher Botenstoff wirkt und dadurch die Nervenzellen schädigt, wie eine Studie der psychiatrischen Universitätsklinik Erlangen ergab. Je regelmäßiger Alkohol getrunken werde und je größer die Menge sei, desto höher steige auch der Homocysteinspiegel. Die Art des alkoholischen Getränks habe dagegen ebenso wenig Einfluss auf die Konzentration der schädlichen Aminosäure wie ein einzelner Rausch.
"Die Ergebnisse meiner Arbeitsgruppe widerlegen die Mär vom täglichen Glas Rotwein, das der Gesundheit zuträglich ist", betont Studienleiter Stefan Bleich. Regelmäßig getrunken seien vielmehr auch geringe Mengen Alkohol schädlich. Als Folge drohten Gedächtnisstörungen und ein Abbau der Hirnleistung. Die Schädigung der Hirnzellen setze ein, wenn der Alkoholspiegel sinke.
Wissenschaftler hoffen auf Folsäure und Homocysteinwerte
Alkohol bedeutet für viele Menschen Entspannung
Gerade bei alkoholkranken Menschen bewirke dies einen immer wiederkehrenden Angriff auf die Nervenzellen im Gehirn. Der Extremfall trete beim Alkoholentzug ein und könne in den ersten Tagen zu epileptischen Anfällen führen. Die Experten erhoffen sich von ihren neuen Erkenntnissen wirksame Ansätze zur Behandlung alkoholbedingter Hirnschäden. In einem ersten Schritt wollen sie die erhöhte Einnahme von Folsäure als Therapie zum Schutz des Gehirns untersuchen. Hoffnung macht den Wissenschaftlern auch, dass sich nach Einstellung des Alkoholkonsums die erhöhten Homocysteinwerte normalisieren und sich in ungefähr der Hälfte der Fälle der Hirnschwund langfristig wieder zurückbildet.
Die Aminosäure Homocystein entsteht als Zwischenprodukt beim Abbau von Methionin, einem lebenswichtigen Proteinbaustein. Sei der Folgeabbau gestört, steige der Homocysteinspiegel wieder an. Als mögliche Ursachen für solche Störungen nennen die Mediziner neben dem Alkoholkonsum auch Vitaminmangel, bestimmte Medikamente und erhöhten Kaffeekonsum. Bekannte Folgen eines Folsäuremangels und daraus resultierend eines erhöhten Homocysteinspiegels seien ein erhöhtes Risiko für Herzerkrankungen, Thrombosen, Schlaganfälle und bei Neugeborenen die Gefahr eines so genannten offenen Rückens.

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21.09.2004, zuletzt aktualisiert am 16.10.2008 / ap
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