Blinde orientieren sich wie Fledermäuse mit Geräuschen
Dressurreiterin Anne-Greta Schricker erkennt Distanzen und Ecken an ihrem Klang
Anne-Greta Schricker hört ihre Umgebung, die sie nicht sieht
Die blinde Profi-Dressurreiterin Anne-Greta Schricker nutzt Schnalzgeräusche, um das fehlende Augenlicht zu kompensieren. Wie eine Fledermaus orientiert sie sich am Echo des Schalls. Sie prägt sich eine kognitive Karte der Umgebung ein, erkennt Distanzen und Ecken am Klang. "Nach der Erblindung zu reiten bringt mit dem Pferd auch eine bisschen andere Kommunikation oder Interaktion, weil man sich am Anfang doch ein bisschen mehr auf das Pferd verlässt", schildert sie.
"So ist das sicher in manchen Situationen auch heute noch. Wenn ich in der Reithalle bin und mein Pferd wird langsamer oder stoppt, dann ist das nicht wie früher, wo man kurz den Überblick hatte." Schwierig wird es für sie, wenn sie sich der Tribüne nähern soll, weil der Schall in den Raum geht und sich so eine Distanz schlecht hören lässt. Ihr Gehirn analysiert Töne nicht mehr nur mit dem auditiven, sondern auch mit dem visuellen Kortex. Für solch eine Umstellung benötigt das Gehirn Zeit, wie ihre Freundin und Schülerin Imke Heinrich weiß: Sie ist vor drei Jahren erblindet.
Leise Schnalztöne und deren Echo weisen Dan Kish den Weg
Dan Kish setzt ebenfalls auf Geräusche zur Orientierung
Dan Kish hat eine einzigartige Methode entwickelt, wie er sich als Blinder in den Straßen von Los Angeles orientieren kann - er schnalzt mit der Zunge und achtet auf das feine Echo, das zurückkommt. "Es ist so ähnlich wie die Echolot-Technik einer Fledermaus", meint Kish. "Die Bilder, die vor meinem geistigen Auge entstehen sind allerdings nicht so detailliert wie die Bilder einer Fledermaus. Diese Tiere haben einfach mehr Übung darin als Menschen. Man kann es sich in etwa wie schwache Lichtblitze vorstellen."
Es sei, als ob man ein Fahrrad in völliger Dunkelheit fahre und die Lichtblitze erhellten die Umgebung gerade soweit, dass man Hindernisse erkennen könne. "Es geht dabei nicht so sehr darum, dass wir als Blinde besser hören. Vielmehr haben wir unser Gehör besser trainiert."
Das Gehör kann mehr, als Sehende ahnen
Das Gehirn habe sich angepasst, Lautinformationen detaillierter zu verarbeiten. "Wir lenken einfach viel mehr Aufmerksamkeit auf unser Gehör." Angeblich habe er sich noch nie verlaufen. "Wenn ich einen neuen Pfad auswähle, gehe ich normalerweise genau denselben Weg zurück, den ich gekommen bin. Aber nach einiger Zeit lerne ich das gesamte System, wie die Waldwege angeordnet sind. Dann gehe ich auch oft einen anderen Weg zurück als ich gekommen bin." Dan Kish bringt auch anderen Menschen die Technik bei.
Da das Dauerschnalzen die Zunge doch sehr ermüden kann, hat er gemeinsam mit einem Techniker ein Kästchen entwickelt, das das Schnalzen simuliert. "Dieser Apparat ist eine erster Prototyp - man kann ihn in der Tasche tragen oder ihn sich an einen Gürtel klemmen", erläutert der Techniker Derek De Veccio. "Die neueste Version ist wesentlich kleiner und besteht aus einem kreditkartengroßen Schaltkreis. Das kleinere Kästchen passt beispielsweise in ein Stirnband und sendet die Signale direkt nach vorne aus."

Anne-Greta Schricker hat in sieben Ländern internationale Meisterschaften im Blindensport gewonnen.

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Die Organisation von Dan Kish

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06.07.2004, zuletzt aktualisiert am 13.10.2008 / mp
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