Auf den richtigen Gummi und die Mischung kommt es an
Für die Test von Winterreifen haben Wissenschaftler zahlreiche Verfahren entwickelt
Dank einer speziellen Kautschukmischung bleiben Winterreifen auch bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt elastisch und griffig - und um zu testen, ob die theoretische Mischung auch den wirklichen Anforderungen entspricht, haben die Forscher des Instituts für Fahrzeugtechnik der Uni Karlsruhe den einzigen Indoor-Prüfstand für Winterreifen entwickelt. Eine eigens konstruierte Schneekanone produziert Kunstschnee. Dieser ist dicht am echten Schnee, im Unterschied zu dem Kunstschnee der Skipiste.
Bei Schnee oder Schneematsch sei der Winterreifen dem Sommerreifen haushoch überlegen, urteilt der ADAC. Aber auch bei trockener Fahrbahn und niedrigen Temperaturen habe der Winterreifen dank seiner weicheren Kautschukmischung Vorteile. Sommerreifen werden dagegen bei plus fünf Grad hart, so dass sich der Farbahnkontakt verschlechtert.
Winterreifen sind insgesamt etwas grobstolliger als Sommerpneus, damit bei Matsch eine bessere Drainage gewährleistet ist. Eine Spezialität der Winterreifen sind die bis zu 2000 Lamellen, die sich in Schnee regelrecht hineinkrallen und so die Straßenhaftung verbessern. Außerdem sind Winterreifen in der Regel etwas eckiger konstruiert, so dass die Kontaktfläche zur Straße größer ist. Mehr als zwölf Millionen Winterreifen werden nach Angaben des Bundesverbandes Reifenhandel jährlich in Deutschland verkauft.
Von Oktober bis Ostern sollte man Winterreifen aufziehen. Mit der zum 1. Januar 2006 geplanten Novellierung der Straßenverkehrsordnung (StVO) wird geeignete Bereifung auf winterlichen Straßen denn auch noch einmal ausdrücklich verlangt. Was viele nicht wissen: Für Lastwagen gibt es gar keine ausgesprochenen Winterreifen, wie Werner Andres vom Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Versorgung (BGL) in Frankfurt am Main erklärt.
Doch gerade quer stehende Lastwagen, die auf Schnee und Eis ins Rutschen gekommen waren, blockieren immer wieder ganze Autobahnen. Um solche Situation möglichst zu vermeiden, empfiehlt der Spediteurverband, dass Lkw bei schwierigen Straßenverhältnissen möglichst nicht überholen sollten. Außerdem sollten die Trucker, wie bei Fahrten in die Alpenländer ohnehin üblich, immer Schneeketten mitführen und diese früher aufziehen. Verantwortlich dafür, dass quer stehende Lastwagen oftmals alle Fahrspuren einer Autobahn blockieren und damit für kilometerlange Staus sorgen, ist laut Andres zum einen das grundlegend andere Fahrverhalten von Lkw im Vergleich zu Personenwagen.
Im Gegensatz zum Autofahrer habe der Fahrer eines schon leer zwölf Tonnen schweren Laster keine Chance gegenzusteuern, wenn sein Fahrzeug auf glatter Fahrbahn erst einmal ins Rutschen geraten sei. Und während manchmal schon "ein paar Mann" ausreichten, um ein Auto aus dem Graben zu ziehen, brauche es dafür für einen Lkw einen Kran. Bei den Reifen gibt es laut Andres für Lastwagen das Problem extremer Lastenunterschiede.
Während ein vollbeladener Lastwagen bis zu 40 Tonnen schwer sein könne, wiege er unbeladen vielleicht nur zwölf Tonnen. Daher haben nach diesen Angaben Lkw-Reifen ganz andere Gummimischungen als Pkw-Reifen, bei denen es eine messbare Temperaturgrenze von sieben Grad gebe. Die Kautschukmischung von Sommerreifen verhärtet unterhalb dieses Wertes, so dass keine optimale Bodenhaftung mehr gegeben ist. Für Lastkraftwagen gibt es allerdings Traktionsreifen, die auf die Antriebsräder aufgezogen werden. Weil sie höhere Fahrleistungen bringen als normale Reifen, sind sie nach den Worten von Andres aber ohnehin "gängige Praxis" bei den den meisten Lastwagen. Eine ausreichende Profiltiefe von fünf Millimetern verstehe sich von selbst.
Anders als vielfach berichtet, schreibt die geplante Novellierung der StVO nicht ausdrücklich Winterreifen für Pkw vor, was prompt unter anderen vom ADAC kritisiert worden war. "Weder der Begriff Reifen, noch der Ausdruck Witterungsverhältnisse ist näher definiert", bemängelten die Verkehrsexperten. Zudem warnte der ADAC die Autofahrer, dass mit der neuen Regelung falscher Bereifung nicht nur Bußgelder drohten, sondern möglicherweise gravierende versicherungsrechtliche Konsequenzen.
So könne die Kaskoversicherung nun stärker als bisher eine Leistung wegen grober Fahrlässigkeit verweigern, wenn ein Unfall auf ungeeignete Bereifung zurückzuführen sei. So droht dem Fahrer laut ADAC in der Schweiz bei Unfällen mit Sommerreifen auf winterlichen Straßen eine erhebliche Mithaftung. In dem Alpenland gibt es diesen Angaben zufolge ebenfalls keine generelle Winterreifenpflicht. Allerdings können laut ADAC Geldbußen verhängt werden, wenn es wegen ungeeigneter Bereifung zu Verkehrsbehinderungen kommt.
In der in Deutschland geplanten Novellierung der StVO heißt es laut Andres in Paragraf 2, Absatz 3a: "Bei Kraftfahrzeugen ist die Ausrüstung an die Wetterverhältnisse anzupassen. Hierzu gehören insbesondere eine geeignete Bereifung und Frostschutzmittel in der Scheibenwaschanlage." Bei einem Verstoß soll ein Bußgeld von 20 Euro fällig werden. Bleibt der Wagen liegen und behindert den Verkehr, soll es auf 40 Euro steigen.
Am 21. Dezember 2005 will der Bundesrat über eine entsprechende Änderung der Straßenverkehrsordnung entscheiden. Die Zustimmung gilt als sicher. Auch in vielen anderen europäischen Ländern gibt es nach einer Übersicht des ADAC ähnliche Regelungen. Lediglich in den drei Staaten Finnland, Schweden und Slowenien sind danach Winterreifen für bestimmte Zeiträume landesweit verbindlich vorgeschrieben. In Italien gilt die Winterreifenpflicht nur für das Aostatal.
Ansonsten kann hier wie in Frankreich bei entsprechenden Witterungsverhältnissen vorübergehend die Benutzung von Winterreifen oder Schneeketten vorgeschrieben werden. In Österreich darf bei Durchfahrtsverboten mit dem Zusatz "Ausgenommen Fahrzeuge mit Winterausrüstung" nur mit Winterreifen oder Schneeketten weitergefahren werden.
ADAC-Winterreifentest

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11.02.2003, zuletzt aktualisiert am 23.09.2009 / mp mit Material von ap
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