Stephen Wiltshire Video
Stephen Wiltshire zeichnet eine ganze Stadt nur aus seiner Erinnerung
Inselbegabungen laufen automatisiert ab
Savants wissen nicht, wie ihre Gabe funktioniert
"Savants nutzen das automatische Gedächtnis", sagt Prof. Darold Treffert, der sich auf Inselbegabungen spezialisiert hat.
"Sie müssen nicht nachdenken und wissen oft selbst gar nicht, wie es funktioniert." So kann sich Stephen Wiltshire an jedes Detail einer Stadt erinnern, die er zeichnet. "Er zeichnet alles auf wie ein Videorekorder, selbst Details, die wir automatisch als unwichtig aussortieren", schildert seine Schwester Annette.

Normalerweise unterdrückt das menschliche Gehirn einen Teil der gespeicherten Informationen. Für Savants sind aber auch diese Informationen abrufbar. Eine Erklärung, wie Savants auf ihre scheinbar unerschöpflichen Gedächtnisinhalte zurückzugreifen, konnten Neurowissenschaftler aber noch nicht liefern. Dennoch hoffen sie, die Ergebnisse ihrer Forschung auch für Menschen ohne das Syndrom nutzen zu können.

Die Hälfte aller Savants gilt als Autisten. Die intellektuelle Begabung von Autisten ist sehr unterschiedlich. Sie reicht von schwerer geistiger Behinderung bis zu normaler Intelligenz, oder wie bei Savants, in bestimmten Bereichen noch darüber hinaus. Diplom-Psychologin Bärbel Wohlleben von der Berliner Charité: "Wir machen ständig Rückschlüsse, was andere Leute denken und fühlen und passen unser Verhalten an. Bei Menschen mit Autismus kann es sein, dass sie so etwas erst spät oder gar nicht mitbekommen und ihr Verhalten nicht anpassen können."

Weltweit leben hundert Inselbegabte mit ausgeprägten mentalen Leistungen. Sie leiden jedoch an einer stark ausgeprägten Entwicklungsstörung und sind in der Regel mit den einfachsten Tätigkeiten des Alltags überfordert. Inselbegabte können in Sekunden sagen, welcher Wochentag der 17. Juli 1952 war. Manche dieser Menschen mit Savant-Syndrom lernen Fremdsprachen in wenigen Tagen oder spielen einmal gehörte Musikstücke auswendig nach. Beim Anziehen oder Einkaufen benötigen sie aber Hilfe.

Info
Michelangelo möglicherweise Autist
Michelangelo (1475-1564) könnte nach Meinung britischer Forscher Autist gewesen sein. Er hatte demnach möglicherweise das Asperger-Syndrom, eine milde Form des Autismus. Typisch dafür sind schlechte soziale und kommunikative Fähigkeiten, manchmal aber auch Sonderbegabungen auf einem ganz bestimmten Gebiet. Aus zeitgenössischen Quellen gehe der Renaissance-Künstler als ein Mensch hervor, der im persönlichen Umgang alles andere als einfach gewesen sei, so Muhammad Arshad und Prof. Michael Fitzgerald.
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