Abseilen aus höchster Not: Rettung aus Hochhäusern
Gebläse, Rutschbahnen und Seilwinden sollen bei Gefahr die Fluchtwege eröffnen
Auch Wolfram Klingsch braucht Mut, um sich abzuseilen
Ein Gebläse für brennende Hochhäuser "ist eine wirkungsvolle Technik, die gar nicht aufwendig ist und sich meistens auch in alten Hochhäusern installieren lässt", sagt Brandschutzexperte Prof. Wolfram Klingsch von der Uni Wuppertal. Überdruck drängt Rauchgase zurück zum Brandherd, wenn die Feuermelder Alarm schlagen. Aus Treppenhäusern wird der Qualm durch Luken im Dach herausgedrückt. Der Fachmann hat für "nano" Flucht- und Sicherheitsmaßnahmen für Hochhäuser getestet.
Per Spiralrutschbahn in einem Stoffschlauch können Menschen aus dem Gebäude fliehen. "Das ist sicher im Ernstfall eine mögliche Alternative", meint Klingsch. Für Mutige gibt es ein Abseilsystem mit mit Fliehkraftbremsen, die für einen langsamen Abstieg sorgen und gleichzeitig ein zweites System hochziehen, damit im Pendelverkehr möglichst viele Menschen aus einem Hochhaus fliehen können. Bis zu 300 Meter Höhe kann das Rettungssystem überwinden.
Psychologin: "zwischen Feuer und Höhe wächst der Mut"
Der Blick in der Tiefe erzeugt Angst, die zu überwinden ist
"Das ist eine sehr interessante Alternative", so Klingsch, "aber man sollte sicherlich üben, das anzulegen und sich abzuseilen, denn das größte Problem ist es, die Brüstung zu übersteigen. Danach ist das halb so schlimm." Ein Abstieg aus schwindelerregender Höhe ist für viele Menschen unvorstellbar. Doch wenn die Not nur groß genug ist, werden auch sie sich fürs Abseilen entscheiden, so die Psychologin Christa Bieling: "In einem solchen Moment sind zwei große Ängste wirksam: einmal die Angst vor dem Ausstieg und das andere mal die Angst zu verbrennen." Und spätestens "wenn die Flamme nach einem greift", sei die Angst vor dem Bleiben so groß, dass sich schließlich jeder zum Ausstieg entschließt.
Nur in eine Richtung funktioniert das System des Dortmunder Konstrukteurs Harald Ribic, das jedoch 450 Meter weit reicht und: "Sie haben keine fremde Hilfe nötig, keine dritte Person, die ihnen zur Hand geht", sagt der Erfinder. Ein Stahlseil ist um eine Trommel gewickelt, die man sich wie einen Rucksack umschnallen kann, während man das Seilende an einer Säule oder schweren Schreibtisch befestigt. Über die eingebaute Bremse kann man die Geschwindigkeit regulieren; fällt der Flüchtende in Ohnmacht, lässt ihn eine eingebaute Automatik langsam nach unten gleiten.
"Wir können davon ausgehen, dass wir mehrere hundert Objekte haben, in denen ein gewisses Alter mit gewissen Risiken vorliegt", schildert Klingsch. "Jede unserer deutschen Großstädte hat Gebäude aus diesem Alter." Horrorszenario sei ein Brand in der untersten Ebene, die die Rettungswege blockiert. "Dann können alle darüber liegenden Geschosse nicht mehr über den Treppenraum evakuiert werden."
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04.03.2004, zuletzt aktualisiert am 14.11.2008 / mp
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