"Die Wüstenpflanze Hoodia hilft nicht beim Abnehmen"
"World Wide Fund for Nature": ein Fall, bei dem traditionelles Wissen honoriert wird
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Die deutsche Adipositas-Gesellschaft rät davon ab, Hoodia-Präparate zum Abnehmen einzunehmen: Es gebe keine Studien, die die Wirksamkeit belegen, und Hoodia ist weder als Arznei- noch als Lebensmittel in Deutschland zugelassen. Dennoch will Unilever das Produkt 2009 auf den Markt bringen. Immerhin: Das sei ein Fall, bei dem traditionelles Wissen honoriert werde, sagt Frank Barsch, Artenschutzexperte der Umweltstiftung "World Wide Fund for Nature" (WWF).
Die Jäger und Sammler kauten die kakteenähnliche Pflanze des Volks der San im Süden Afrikas bei ihren Zügen durch die Kalahari, um Hunger zu unterdrücken. Das südafrikanische Forschungszentrum "Council for Scientific and Industrial Research" (CSIR) isolierte aus dem Gewächs den Appetitzügler P57 und ließ ihn als Diätmittel patentieren. Über mehrere Umwege ist der Unilever-Konzern bei der Produktentwicklung involviert.
Nach vielen Protesten erhielten die San 2003 schließlich eine Lizenz-Beteiligung vom CSIR. Von 2009 an soll auch Unilever etwas beisteuern. San-Kommunen können sich bei einem Treuhandfonds um Fördergeld für soziale Projekt bewerben. "Das passiert leider noch viel zu selten, weil sie angeleitet werden müssen, um den Antrag zu stellen", sagt Barsch. Da die Gefahr der Hoodia-Ausrottung bestehe, lehrte er drei Jahre in San-Gemeinden, Hoodia anzupflanzen. "Das wäre lebendiges traditionelles Wissen."
"Wirkung der Hoodia ist möglicherweise nur ein Mythos"
Hoodia wächst in den salztrockenen Weiten der Kalahari. Sie ist nicht gerade eine Köstlichkeit - außen stachlig und innen bitter. Das tagelange Kauen vertreibt nachhaltig Hunger und Durst, wenn das die muffig riechenden Blüten nicht schon vorher getan haben, meint Dr. Uwe Schippmann vom Bundesamt für Naturschutz: "Wenn über lange Wochen durch die südafrikanische Wüste wandere und mir irgendwann die Lebensmittel ausgehen, werde ich natürlich auf die Idee kommen, auch eine kaktusähnliche Pflanze zu essen. Da sie einen bitteren Geschmack hat, nehme ich an, dass das nicht gerade appetitfördernd wirkt. Möglicherweise ist das ganze nur ein Mythos." Zwar sei p57 isoliert worden, aber: "Die Tatsache, dass man diesen Stoff analysiert hat und identifiziert hat, heißt noch lange nicht, dass er in der versprochenen Weise auch wirksam ist."


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07.10.2003, zuletzt aktualisiert am 20.10.2008 / mp mit Material von dpa
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