"Sodis": PET-Flasche und Sonne desinfizieren Wasser
Das ultraviolette Licht zerstört die Hülle der Keime und vernetzt wichtige Proteine
PET-Flaschen desinfizieren Wasser im Sonnenlicht, weil das ultraviolette (UV-)Licht die Hülle der Krankheitserreger zerstört und wichtige Proteine vernetzt, haben Mikrobiologen um Franziska Bosshard vom Schweizer Wasserforschungsinstitut Eawag herausgefunden. Die UV-A-Strahlung tötet die Keime, die Durchfall auslösen. Die solare Wasserdesinfizierung ("Solar Water Disinfection", Sodis) wird in Entwicklungsländern wie Bolivien oder Kenia eingesetzt.
Ungereinigtes Flusswasser wird in eine durchsichtige PET Flasche gefüllt. Die Flasche wird dann auf dem Hausdach für etwa sechs Stunden der Sonne ausgesetzt. Die harten UVA-Strahlen und eine Wassertemperatur von 50 Grad Celsius machen den Erregern den Garaus.
"Wir nutzen diese Solar-Flaschen seit elf Jahren", sagt Bäuerin Glady Maseker aus Kenia. "Die Technik zerstört die Krankheitserreger. Deshalb müssen wir das Wasser nicht mehr abkochen. Das Wasser aus der solaren Desinfektion hat zudem einen besseren Geschmack; wir mochten das abgekochte Wasser nicht." Die Wirkung kennt der Mediziner Steve Masenke vom Spital in Lornagosia: "Wir stellen einen deutlichen Rückgang an Durchfall-Erkrankungen fest, seit wir mit der solaren Desinfektion starteten. "In den ersten drei Jahren hatten wir 20 Prozent weniger Diarrhoe-Fälle, heute 70 Prozent weniger."
"Sodis ist so eine einfache Methode, dass viele Leute gar nicht glauben können, dass sie funktioniert", so Bosshard. "Und auch in der Praxis gibt es viele Probleme, das den Leuten zu erklären, weil es so offensichtlich und einfach ist. Viele Leute können nicht glauben, dass sie etwas nutzt."
Inzwischen finanziert die Europäische Union mit dem sechsten Framework Programme (FP6) ein Sodis-Forschungsprogramm und untersucht dabei auch die Möglichkeiten, die Methode weiterzuentwickeln. In Almeria in Südspanien wird die Technik für einen Großreaktor entwickelt. Die Großtechnik ist für größere Kommunen ein prüfenswertes Konzept. In den meisten Entwicklungsländern wird der Reaktor die Pet-Flaschen jedoch nicht ersetzen. 2002 hat die Weltgesundsheits-Organisation Sodis als offizielle Wasseraufbereitungstechnologie anerkannt. Nicht-Regierungsorganisationen wie das Rote Kreuz und viele andere haben Sodis in ihre Gesundheits- und Hygieneprogramme aufgenommen.
Der Mikrobiologie-Professor Aftim Acra entdeckte im libanesischen Bürgerkrieg das Prinzip, indem er morgens Wasser in Flaschen abfüllte, weil er nicht wusste, ob abends noch Wasser aus dem Hahn kommen würde. Er stellte die Flaschen auf den Balkon, wo sie dem Sonnenlicht ausgesetzt waren. Weil er Mikrobiologe war, untersuchte er das Wasser und sah, dass die Keime abgetötet waren.
Rund 80 Prozent aller Krankheiten in Entwicklungsländern sind auf verseuchtes Wasser zurückzuführen. So erhöht der Konsum von mikrobiologisch verschmutztem Wasser das Risiko verschiedener Erkrankungen wie Durchfall, Cholera, Typhus, Hepatitis A oder Ruhr. Jedes Jahr treten vier Milliarden Durchfallerkrankungen auf, 2,2 Millionen der Patienten sterben an der Erkrankung - vor allem Kinder unter fünf Jahren.

Wasser: Hightech für ein kostbar gewordenes Gut



Zugang zu sauberem Trinkwasser (grün - sicher bis rot - prekär)

"Solare Desinfektion von Trinkwasser (Sodis)" von der Eawag
"Solare Trinkwasserdesinfektion Eine Methode zur Trinkwasserbehandlung auf Haushaltsebene" von "Sodis"
EU-Projekt "Sodis"

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02.06.2003, zuletzt aktualisiert am 01.04.2008 / mp
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