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Die Musik spielt auch im Körper
Wissenschaft hinter den Schwingungen
Die Wirkung von Musik und sonstigen Tönen auf den Menschen ist im Volksmund unbestritten - darum hat sich die Forschung des Themas angenommen. Sie klärt auch die Frage, wie besondere Instrumente zu ihrem einzigartigen Klang kommen - und wie man ihn nachahmen oder verbessern kann.
"Tomatis-Hörtraining überbewertet"
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"Das Hörtraining nach Tomatis beruht auf theoretischen Vorstellungen, die nicht nachvollziehbar und wissenschaftlich nicht haltbar sind", heißt es in einer Stellungnahme der Hals-Nasen-Ohren-Institutionen in Deutschland. "Die Bedeutung des Hörens und der Hörwahrnehmung werden in zum Teil mystischer Weise überbetont und daraus Therapietechniken entwickelt, deren Wirksamkeit bisher nicht ausreichend evaluiert worden ist. Das Hörtraining ist in seiner Gesamtheit nicht zu empfehlen."

Musik verbessert bei Demenzkranken das Wohlbefinden
"Sehr viele Psychopharmaka können unnötig werden, wenn wir dem Demenzpatienten eine Stunde bieten können, in der er gar nicht merkt, dass er in einem Spital ist und sich entsprechend entspannen kann", sagt Reto Kressig, Chefarzt der Akutgeriatrie des Unispitals Basel. "Das ist mindestens so wirksam wie Benzodiazepin." Der Mediziner hat ein Rhythmiktraining für ältere Patienten ohne Demenz oder mit der leichten bis mittelschweren Form der Krankheit in der Klinik etabliert.

"Für Kinder ist es sinnvoll, ein Instrument zu lernen"
"Wir haben festgestellt, dass die Verarbeitung sprachlicher Struktur bei Kindern mit musikalischem Training sehr viel besser und effizienter ist als bei Kindern ohne musikalisches Training", so Sebastian Jentschke vom Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften. "Obwohl sich die erkennbaren Zuwächse nur im Bereich von zwei bis fünf IQ-Punkten bewegen, lässt sich sagen, es für Kinder sehr, sehr sinnvoll sein kann, ein Instrument zu lernen."

Schlaue Kinder im ersten deutschen Musikkindergarten
"Der Musikkindergarten ist ein Kindergarten, in dem man durch Musik erzogen wird", beschreibt Dirigent Daniel Barenboim den ersten Musikkindergarten Deutschlands in Berlin Mitte. "Es ist wichtig, dass die Kinder lernen zu singen, Schlagzeug zu spielen und ähnliches - aber vor allem, dass sie von Anfang an die Beziehung zwischen Klang und Leben bekommen." Studien haben gezeigt, dass musikalisch aktive Kinder viel seltener unter Sprachstörungen leiden als andere.

Mit Queen und Madonna 15 Prozent länger trainieren
Gut ausgesuchte Musik kann die körperliche Ausdauer von Sportlern um 15 Prozent erhöhen, sagt Dr. Costas Karageorghis von der britischen Brunel-Universität. Zudem nehme man die anstrengende Erfahrung weitaus positiver auf.

Laute Kneipenmusik regt Gäste dazu an, mehr zu trinken
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Laute Musik in Kneipen und Bars regt Gäste laut einer Studie an, mehr und schneller zu trinken. In früheren Studien sei bereits erwiesen worden, dass schnelle Rhythmen zu schnellem Trinken animierten und dass Musik in Kneipen dazu führe, dass Gäste länger blieben als in volkommen stillen Bars, sagte Verhaltensforscher Nicolas Gueguen von der Universität Bretagne-Süd. Jetzt sei es jedoch erstmals gelungen, einen direkten Zusammenhang zwischen lauter Musik und Alkoholkonsum in Experimenten nachzuweisen.

Unangenehme Töne dienen uns als ein Warnsignal
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Manche Geräusche klingen wie etwas Schreckliches aus grauer Vorzeit, beispielsweise klingt Kreide auf einer Tafel wie der Warnschrei von Makaken. Makaken können ihre Artgenossen anhand deren Stimme voneinander unterscheiden, berichten Forscher des Tübinger Max-Planck-Instituts für biologische Kybernetik.

Gehörschützer sollen Musikerohren den Lärm ersparen
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Gehörschützer sollen geplagten Musikerohren in Zukunft Lärm ersparen. Spezielle Filter in den neuen Schützern sollen den Ton bis zu 25 Dezibel gleichmäßig in allen Frequenzbereichen absenken. Der Ton ist dann gedämpft, aber trotzdem gut zu hören. Ziel sind Winzlinge mit Kommunikationstalent, die einschätzen können, wie sie den aufgenommenen Schall ins Innere des Gehörs weiterleiten sollen. Nicht gelöst ist das Problem des Körperschalls, denn nicht nur mit dem Ohr, sondern auch direkt über die Knochen.

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Musik macht schlau - Kinder profitieren von einer musikalischen Früherziehung
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Auf der Zunge spielt die Blasmusik besonders schön Leise Musikberieselung kann beim Einschlafen helfen Termiten schaffen den typischen Didgeridoo-Klang Software erkennt Musik an "digitalem Fingerabdruck" Empfehlungssysteme führen durch den Musikdschungel Musikalische Ausbildung macht nicht intelligenter Links spielt die Musik schon in den Gehirnen von Babys
03.03.2003, zuletzt aktualisiert am 15.05.2009 / mp