Wenn ein Mensch die Reizflut, die über Ohren und Augen ständig auf einen eindringt, ausschalten könnte, wäre er theoretisch in der Lage, die Schwingungen wahrzunehmen, die der Flügelschlag einer Mücke in einem Meter Abstand erzeugt. Der Ausschlag dieser Schwingungen liegt bei zehn Nanometern. Das Gehirn filtert jedoch die Millionen an Tastreizen aus, die von der Haut zu ihm dringen, sofern wir uns nicht konzentrieren. Am unsensibelsten sind die Druckrezeptoren der Oberhaut.
Besonders zahlreich sitzen Nerven und Hautsinnesorgane in den Verwerfungen der Fingerbeeren, der Lippen und der Geschlechtsorgane. Erst im Zentralnervensystem werden die Einzelinformationen synthetisierend verarbeitet. Statt vom Tastsinn spricht man heute in der Forschung lieber von der haptischen (aktiven) oder taktilen (passiven) Wahrnehmung, die vom sensomotorischen beziehungsweise somatosensorischen System gesteuert wird. Der Tastsinn unterliegt ähnlichen Sinnestäuschungen wie das Sehen. Blinde Menschen werten taktile Informationen effizienter aus als Sehende. Selbst deutsche Autofirmen beschäftigen inzwischen Experten für "Haptik Design" im Fahrzeugbau.