Den Flügelschlag einer Mücke in einem Meter spüren
Der Tastsinn des Menschen ist ausgesucht fein, wird das Gehirn nicht abgelenkt
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Wenn ein Mensch die Reizflut, die über Ohren und Augen ständig auf einen eindringt, ausschalten könnte, wäre er theoretisch in der Lage, die Schwingungen wahrzunehmen, die der Flügelschlag einer Mücke in einem Meter Abstand erzeugt. Der Ausschlag dieser Schwingungen liegt bei zehn Nanometern. Das Gehirn filtert jedoch die Millionen an Tastreizen aus, die von der Haut zu ihm dringen, sofern wir uns nicht konzentrieren. Am unsensibelsten sind die Druckrezeptoren der Oberhaut.
Sie reagieren auf den Druck von drei Milligramm, öffnen winzige Kanäle in ihren Zellmembranen, durch die Ionen einströmen. Nervenzellen nehmen so das elektrische Signal auf und leiten es weiter bis zum Gehirn. Mücken jedoch, die nur zwei Milligramm wiegen, lösen in ihnen keinen Reiz aus. Für diese sind Berührungsrezeptoren zuständig, die nicht auf den Druck, sondern auf dessen Veränderungen reagieren. Sie agieren, wenn sich ein Reiz um einen Mikrometer verändert.
Der Tastsinn unterliegt Sinnestäuschungen wie das Sehen
Wir fühlen feine Schwingungen
Besonders zahlreich sitzen Nerven und Hautsinnesorgane in den Verwerfungen der Fingerbeeren, der Lippen und der Geschlechtsorgane. Erst im Zentralnervensystem werden die Einzelinformationen synthetisierend verarbeitet. Statt vom Tastsinn spricht man heute in der Forschung lieber von der haptischen (aktiven) oder taktilen (passiven) Wahrnehmung, die vom sensomotorischen beziehungsweise somatosensorischen System gesteuert wird. Der Tastsinn unterliegt ähnlichen Sinnestäuschungen wie das Sehen. Blinde Menschen werten taktile Informationen effizienter aus als Sehende. Selbst deutsche Autofirmen beschäftigen inzwischen Experten für "Haptik Design" im Fahrzeugbau.
Um Knoten oder Tumore aufzuspüren, ist das Abtasten in der Medizin immer noch eine wichtige Diagnosemethode. Doch bei Untersuchungen im Inneren des menschlichen Körpers ist der Arzt bislang einzig auf die optischen Eindrücke, die er über das Endoskop erhält, und die Entnahme von Gewebeproben angewiesen.
Schon bald aber soll die holographische Endoskopie, eine Art endoskopisches Fühlen, in den klinischen Alltag einziehen. Laserlicht beleuchtet das Körperinnere und macht Hologramme vom Gewebe. Im Labor für Biophysik der Uni Münster testen die Wissenschaftler gerade das neue Verfahren an präparierten Tierorganen.
Das Verfahren erfasst kleinste Veränderungen. In Zukunft kann der Chirurg anhand holographischer Muster gesundes von krankem Gewebe unterscheiden. Für den Patienten ist das Verfahren völlig harmlos und die Gefahr der Metastasierung durch die Biopsie wird eingedämmt. Die Holographie erweitert damit die Grenzen des natürlichen Tastsinns.


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Der Aufbau der Haut von "scobel"



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16.01.2003, zuletzt aktualisiert am 11.09.2008 / mp
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