Forscher an Mumie Video
Die Mumie einer Frau aus Ägypten zeigt die Medizin zur Zeit der Pharaonen
Alte Ägypter wussten Kranke zu behandeln
Mumie der Asru soll Hinweise auf Medizin geben
"70 Prozent der Wirkstoffe ägyptischer Heilmittel sind noch bis Mitte des 20. Jahrhunderts in der modernen Medizin verwendet worden", weiß die Forensische Ägyptologin Prof. Rosalie David von der Universität Manchester.
Die Mumie der Asru soll ihr Hinweise auf die Heilkunst der alten Ägypter geben. Sie litt an typischen Alterskrankheiten wie Rheuma, Arthrose und Knochenschwund. Würmer haben ihre Organe befallen und Karies ihre Zähne zerfressen. "Wir gehen davon aus, dass ihre Krankheiten medizinisch behandelt wurden", sagt David. "Wir haben hier die Möglichkeit, nicht nur alle möglichen Krankheiten zu studieren, sondern auch nach Hinweisen zu suchen, was die alten Ägypter dagegen unternommen haben."

Schädeloperation vor 3000 Jahren in Ägypten
Lupe
Die alten Ägypter hatten Schädelwunden gut versorgt
Die alten Ägypter haben schon chirurgische Eingriffe am Kopf vorgenommen, wie der Münchner Pathologe Andreas Nerlich an der mumifizierten Leiche eines Mannes beweisen konnte. Am Schädel der Mumie wurde zu Lebzeiten eine Kopfverletzung fachmännisch versorgt - die Haut aufgeschnitten, Knochensplitter entfernt und die Wunde wieder vernäht. Damit waren die Ägypter vor 3000 Jahren schon weiter als ihre europäischen Kollegen Anfang des 20. Jahrhunderts. Seine Computertomographie-Bilder beweisen auch, dass einer Frau der rechte Großzeh durch eine Holzprothese ersetzt worden ist. "Dieser musste zu Lebzeiten amputiert worden sein. Das sehen wir zum einen im gut verheilten Amputationsstumpf", so Nerlich. "Benutzungsspuren zeigen, dass die Prothese in der Tat auch benutzt worden ist." Röntgenbilder zeigten, dass der Knochen sich angepasst und mit einem knöchernen Auswuchs reagiert habe.

Die Forschungen ergeben auch, dass im alten Ägypten nicht alle medizinischen Bereiche auf solch einem hohen Stand waren. Die Frau mit dem Holzzeh starb mit Anfang 30, der damals durchaus üblichen Lebenserwartung. Besonders beachtenswert sind Kalkablagerungen in Schlagadern im Beckenbereich. Sie weisen auf Gefäßverkalkungen hin, die in höherem Alter typisch sind. Außerdem musste sie zu Lebzeiten schwere Lasten tragen - das zeigen Abnutzungen von Knochen an den Wirbelträgern.

Viele Ägypter litten so sehr an Karies und Paradontose, dass sie schon mit dreißig Jahren zahnlos gewesen sein müssen. Durch DNA-Analysen an den Mumien haben Ägyptologen herausgefunden, dass viele Ägypter schlecht ernährt waren. Fast ein Drittel der Bevölkerung litt an Tuberkulose. Gegen Infektionskrankheiten waren die damaligen Mediziner machtlos.

Mit noch einem Vorurteil will der Münchner Pathologe Andreas Nerlich aufräumen. Die Ägypter waren seiner Meinung nach alles andere als ein friedfertiges Volk: "Schlagverletzungen am Schädel treten immer wieder auf, sind auch mit hoher Wahrscheinlichkeit als Todesursache anzusehen." Ob die alten Ägypter sogar besonders aggressiv waren, dass könnten die Untersuchungen freilich nicht belegen.

Fokus auf den Pharao
© M. PeickPharao: Erbe der Götter mit absoluter Herrschaft
Der Pharao galt in der offiziellen Darstellung als Erbe der Götter mit uneingeschränkter Herrschaft und als Bezwinger des Chaos. Gottgleich war er somit allen Feinden überlegen, was archäologische Funde illustrieren.
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10.01.2003, zuletzt aktualisiert am 23.11.2009 / fs, mp