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Der Krankenstand bei Lehrern ist mit 8,5 Prozent fast dreimal so hoch wie bei anderen Arbeitnehmern. Nur fünf Prozent der Lehrer halten bis zur Rente durch. Die Pädagogen klagen über rebellierende Schüler und zu hohe Arbeitsbelastung. Forscher und Ärzte versuche den Ursachen für den burn out bei Lehrern auf den Grund gehen. | ||||||||||||
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Viele Pädagogen gehen täglich mit Grauen in ihre Schule. Die Gesellschaft macht Lehrer gerne zu Sündenböcken. Professor Dieter Lenzen, Erziehungswissenschaftler an der FU Berlin, sucht nach Erklärungen für den Lehrerfrust: "Wenn wir uns die öffentlichen Reaktionen von Pisa bis Erfurt anschauen, so sehen wir, dass die Neigung dem Lehrer die Schuld an allem zu geben oder der Schule die Schuld an allem zu geben, was in der Gesellschaft nicht funktioniert, doch beträchtlich ist." Die einzelne Lehrerpersönlichkeit müsse dann diese gesellschaftlichen Widersprüche in ihrer Person austragen, ohne sie wirklich zu einer Lösung bringen zu können, so Lenzen.
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Aber es gibt noch andere Ursachen, die für den hohen Krankenstand bei Lehrern verantwortlich sein können. Die Erziehungsaufgaben werden immer komplizierter, die Familienstruktur wird immer instabiler, die Kinder und Jugendlichen zeigen zunehmende Bereitschaft zu Gewalt und Drogen. Das alles sind Probleme, denen gerade ältere Lehrer oft nicht gewachsen sind. | ||||||||||||
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In der Klinik Roseneck am Chiemsee, die sich unter anderem auf psychosomatische Erkrankungen spezialisiert hat, sind 15 Prozent aller Patienten Lehrer. Die Klinik-Statistik der häufigsten Krankheitsbilder bei Lehrern ist erschreckend: 69 Prozent haben Depressionen, 33 Prozent leiden unter somatoformen Krankheiten, also körperlichen Leiden ohne nachweisbare Ursache. Bei 21 Prozent stehen Angststörungen im Vordergrund und neun Prozent leiden unter Tinnitus.
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Entspannungstherapien gehören zur Akutbehandlung der erschöpften Pädagogen. Eine wirksame, dauerhafte Heilung ist jedoch nur durch Psychotherapie möglich. Andreas Hillert, Facharzt für Psychiatrie an der Klinik Roseneck, behandelt seit vielen Jahren erschöpfte und kranke Lehrer. Um sie effektiv zu behandeln muss die spezifische Behandlungssituation beachtet werden. Es gehe vor allem darum, soziale Kompetenz berufsbezogen zu üben und Ideen dafür zu kriegen, wie es alternativ laufen könnte, so Hillert. | ||||||||||||||
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In der Einzeltherapie geht es zunächst darum, die individuellen Probleme herauszuarbeiten. Viele erkrankte Lehrer besitzen eine mangelnde Konfliktfähigkeit und oft auch perfektionistische Selbstansprüche. Im Rollenspiel lernen die Patienten professioneller auf Schüler zu reagieren, aber auch Aufgaben, wie zum Beispiel eine Vertretungsstunde, an Kollegen zu delegieren.^Der Aufenthalt am Chiemsee verhilft Lehrern zu neuen Einsichten. Aber 20 Prozent streben trotz Kur die Pensionierung an. Dieter Lenzen will jetzt Risikogruppen herausfiltern.
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Welche Lehrer empfinden den Schulalltag als permanente Überforderung, die schließlich zum "burn out" führt? Der Facharzt kommt zu dem Ergebnis, dass einige der Pädagogen unprofessionell arbeiten. "Jemand der hochprofessionell ist, mit hohen Routinen arbeitet, wird niemals in eine burn out Situation geraten", gibt Lenz zu bedenken. Es müsse also dafür gesorgt werden, dass Lehrer in ihrer Berufszeit regelmäßig fort- und weitergebildet werden. | ||||||||||||
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Nur so könnten sie das Gefühl bekommen, auf der Höhe der Zeit zu sein, was ihre Fächer und ihre Unterrichtskunst angehe, so Lenzen. Diese Professionalisierung muss allerdings eigentlich schon in der Ausbildung beginnen. Wie zum Beispiel mit dem Projekt des Wuppertaler Kinderhauses. Hier werden Lehramtsstudenten mit erziehungsschwierigen Kindern konfrontiert und schulen sich damit für die Praxis. Im Wuppertaler Kinderhaus sammelte auch Hauptschullehrer Lars Büttgenbach während des Studiums wichtige Erfahrungen.
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Seine Erfahrung: "Hätte ich das Kinderhaus nicht gehabt, dann wäre ich wahrscheinlich gescheitert. Einfach dieser Praxisschock. Man kommt aus der Uni raus, theoretisch passiert nichts, man bekommt Unterrichtsmethoden vermittelt, die vor 30 Jahren funktionierten, die aber nicht mehr aktuell sind." Praxis während des Studiums ist also unerlässlich um im späteren Beruf als Lehrer mit den Belastungen und Anforderungen klarzukommen. | ||||||||||||
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17.10.2002
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