Wal unter Wasser Video
Lärm unter Wasser verwirrt viele Wale, die sich so nicht mehr zurechtfinden
Ein Schleier aus Blasen schützt Wale vor Lärm
Lärm gefährdert das Überleben vieler Walspezies
Die "Blasenschleiertechnik" hat am Dienstag, 17. Februar 2009 die vom Aussterben bedrohten Schweinswale vor Sprengungslärm geschützt. Der ist beim Sprengen von Munition in der Ostsee entstanden.
Rohrleitungen auf dem Meeresgrund an der Munitionsversenkungsstelle "Kolberger Heide" vor Heidkate bei Plön haben Luft hohlzylinderförmig um die Sprengstelle in das Wasser gepresst. Die Luftblasen steigen auf und bilden einen Vorhang. Auf ihrem Weg hindurch verliert der Explosionsknall viel seiner Energie. Die für Schweinswale gefährliche Fläche verkleinert sich um 97 Prozent.

Schweinswale orientieren sich mit Hilfe einer Echolottechnik. Ein gesundes Gehör ist daher für den geschützten Meeressäuger überlebenswichtig. Der Unterwasserlärm beeinträchtigt und schädigt das empfindliche Gehör von Walen und Delfinen, die dann oft nicht mehr miteinander kommunizieren können und die Orientierung verlieren.



Schiffs-Signale übertönen Minnesang der Finnwale
Finnwal © dpa Lupe
Sonar vermasselt Liebesspiel
Sonare vermasseln so manches Mal das Liebesspiel des Finnwals und bedrohen damit die seltenen Riesen-Meeressäuger in ihrer Existenz.Die von Schiffen zur Navigation und für Forschungszwecke eingesetzten Geräte übertönten oft den Minnesang der männlichen Wale und verhinderten Paarungen der weit entfernt lebenden Tiere, stellten die Autoren einer US-mexikanischen Studie fest. An Tieren aus der Loreto-Bucht im Golf von Kalifornien vor der Küste Mexikos fanden die Forscher zudem heraus, dass die rätselhaften tiefen Gesänge nur von den männlichen Walen stammen - es handelt sich ganz offenbar um Liebesrufe.

An Tieren aus der Loreto-Bucht im Golf von Kalifornien vor der Küste Mexikos fanden die Forscher zudem heraus, dass die rätselhaften tiefen Gesänge nur von den männlichen Walen stammen - es handelt sich ganz offenbar um Liebesrufe. Der Belcanto der Finnwale (Balaenoptera physalus) umfasst eine ganze Klang-Palette zwischen Grunzen, Pfeifen, Rasseln und Schnarchen.

Ungehindert können die für das menschliche Ohr hörbaren Töne bis zu 200 Kilometer weit durchs Meer wandern - noch tieferer und ohne technische Hilfsmittel unhörbarer Infra-Schall sogar mehrere tausend Kilometer, so dass sich Tiere von einem zum anderen Ozean verständigen. Die sehr tiefen Töne zwischen 15 und 30 Hertz werden mit der großen Lautstärke von 184 bis 186 Dezibel ausgestoßen. Auch nach langen Strecken können sie das Gehör einer Finnwal-Dame erreichen, wenn sie nicht unterwegs gestört werden, etwa durch die Sonare von U-Booten, Kriegs-, Handels- oder Forschungsschiffen.

Beben-Forscher etwa setzen 190 bis 250 Dezibel kräftige Schallwellen ein. Ist der Gesang der Wale leiser als dieses Störgeräusch, können weibliche Finnwale die Männchen nicht mehr orten - und die Chancen für ein Treffen auf hoher See schwinden. Durch die Sonare bedroht sind der Studie zufolge auch die noch riesigeren Blauwale, die größten lebenden Säugetiere der Welt.

"Die Schall- und Sonargeräte, die eingesetzt werden, schädigen das gesamte System der Wale. Das heißt, die Tiere können nicht mehr anständig kommunizieren, sie können nicht mehr anständig ihr Futter suchen, sie finden keine Partner mehr, aber vor allem können sie sich unter Wasser nicht mehr in der Art und Weise orientieren, wie sie es normalerweise tun würden", sagt Thilo Maack von Greenpeace.

Sonarsystem der US-Marine gefährdet Wale
Gestrandete Wale © dpa Lupe
Tödliche Orientierungslosigkeit
Die US-amerikanische Marine führt Experimente durch, durch die Tierschützer Wale und Delfine bedroht sehen. Dass sie Sorgen nicht unbegründet sind, sah man am 15. März 2002, als ein halbes Dutzend Wale vor den Bahamas strandete. Die Untersuchung der Kadaver ergab als Schuldigen die US-Marine. Im Meeresforschungs-Institut "Woods Hole" bei Boston fand man bei der Untersuchung, dass das Gehörsystem der gestrandete Wale extrem blutig war: Ein extrem lautes Geräusch hatte Adern platzen lassen und die Innenohren zerstört. Und kurz vorher hatte die US-Navy ihr System "LFAS" vor den Bahamas erprobt. Dieses System soll dereinst die Welt umspannen, sprich: jeden Ozean beschallen, um immer leisere U-Boote aufzuspüren.

Die US-Marine hält das System für harmlos, denn schließlich habe sie es auf Tierschützer-Protest hin getestet. Buckelwale mieden zunächst das laute System, anschließend aber gewöhnten sie sich daran und kümmerten sich nicht weiter drum. Doch es hagelte Kritik: Das Test-LFAS sei viel leiser als das spätere System gewesen, und Buckelwale orientieren sich nicht mit einem Sonarsystem von tiefen Tönen wie die vor den Bahamas gestrandeten Schnabelwale.

Schwertwale schreien gegen Motorenlärm an
Schwertwal Lupe
"Kann mich jemand hören?"
Schwertwale schreien mit besonders langen Rufen gegen den immer lauter werdenden Motorenlärm von Walbeobachtungsbooten an. Das hat ein britische-amerikanisches Forscherteam um Rus Hoelzel von der Universität Durham (Großbritannien) mit in den 1970er Jahren begonnenen Messungen durch Tonmessungen bei drei Orca-Familien vor der amerikanischen Westküste nachgewiesen. Sie verglichen die Länge der Rufe, mit denen sich die Wale oft über Kilometer hinweg mit ihren Artgenossen verständigen. Starker Bootsverkehr und laute Motorengeräuschen würden die Meeressäuger zu rund 15 Prozent längeren Rufen antreiben.

Um 1980 und 1990, als nur wenige Touristen mit Booten auf Walbeobachtungen gingen, ließen sich die Schwertwale (Orcinus orca) in ihrem Rufverhalten nicht davon stören. Doch mit der fünffachen Zunahme des Schiffverkehrs wurde nach Ansicht der Forscher seit 2001 eine kritische Lärmschwelle überstiegen, die von den geräuschempfindlichen Tieren nicht stillschweigend hingenommen wird.

Nach Beobachtungen der Forscher sind die Orca-Familien vor der Küste des US-Staates Washington während der Touristen-Saison täglich von mehr als 20 Booten umgeben. Die Lärmbelästigung sei Besorgnis erregend, meint die Meeresbiologin Alisa Schulman-Janiger von der amerikanischen "Cetacean Society".

Die Wale versuchten den Geräuschen wie dem "ohrenbetäubenden Krach eines Vorschlaghammers" auszuweichen. Nach gesetzlichen Vorschriften sollen Walbeobachtungsboote von den Tieren mindestens neunzig Meter Abstand halten und nur mit geringer Geschwindigkeit fahren.

Lärm unter Wasser - das Meer wird immer lauter
Wal Lupe
Wer nicht sehen kann, müsste eigentlich hören
Wale können in trüben Gewässern kaum etwas sehen und sind deshalb auf andere Sinnesorgane wie das Hören angewiesen. Durch den Lärm wird die akustische Wahrnehmung jedoch erheblich gestört. Es kommt immer öfter zu spektakulären Strandungen auch an der Nordseeküste. Umweltschützer gehen davon aus, dass das große Ölfördergebiet bei den Shetland-Inseln dafür verantwortlich ist, da Hunderte von Bohrinseln einen infernalischen Krach unter Wasser erzeugen. Die Erdölindustrie setzt bei der Suche nach neuen Öl- und Gasquellen Luftkanonen ein, die den Wissenschaftlern ein genaues Bild über den Aufbau des Untergrundes geben. Diese Untersuchungen wirken unter Wasser wie eine Explosion.

Diese Explosionen haben verheerende Folgen, wie man an den gestrandeten Walen untersuchen kann. Sie weisen starke Blutungen im Kopfbereich auf, dort wo ein Weichgewebe an ein hartes Gewebe oder an einen Luftraum angrenzt. Dort sind die Gewebezerstörungen dann festzustellen. Die Wale werden also völlig orientierungslos.

Im offenen Meer sollen riesige Windparks entstehen. Der Wind bläst dort stärker als an Land und es gibt reichlich Platz für immer größere Rotoren. Welche Auswirkungen das auf die Wale haben wird, weiß niemand, aber die Windindustrie hat den Handlungsbedarf erkannt und führt Umweltverträglichkeitsprüfungen und umfangreiche Begleitforschungen durch.

Schwerpunkt
Schlaue Meeressäuger weiter unter Beschuss
Für die Wale wird die Lage immer bedrohlicher: Die 85 Mitgliedstaaten der Walfangkommission konnten 2009 auf ihrer Jahrestagung in Portugal keine Fortschritte erzielen. Südkorea will direkt auf die Jagd gehen.
Glossar
Die Wale - 90 Arten der schlauen Meeressäuger
Weltweit leben 90 Walarten in zwei Unterordnungen - die Bartenwale (Blauwal, Finnwal, Buckelwal) und die Zahnwale (Pottwal, Narwal, Delfine). Die Säugetiere werden zwischen einem und 33 Metern lang.
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13.12.1999, zuletzt aktualisiert am 04.09.2009 / mp mit Material von dpa und epd