Bonner Mikroskopie: mit dem Laser in den Bernsteinwald
Konfokale Laser-Scan-Mikroskopie liefert dreidimensionale Bilder hochaufgelöst
Bonner Forscher gewinnen neue Erkenntnisse aus altem Harz
Mit einer neu entwickelten Laser-Methode holen Wissenschaftler der Universität Bonn Fossilien aus Bernstein hervor: Die konfokale Laser-Scanning-Mikroskopie kann dreidimensionale Bilder in hoher Auflösung erfassen. Dabei wird ein Laserstrahl in den Strahlengang eines Mikroskops eingespiegelt und durch das zu untersuchende Objekt hindurchgeleitet, schildert der Paläontologe Jess Rust: "Der Laser legt durch das Objekt optische Schnitt-Ebenen; er fährt in verschiedenen Höhen durch das Objekt."
So entsteht ein dreidimensionales Bild, das umso schärfer wird, je mehr Schnittebenen der Laser anlegt. Bislang konnte man die Inklusen, die Einschlüsse im Bernstein, nur mit Hilfe des Lichtmikroskops untersuchen. Die Analyse der artspezifischen Details wird dann problematisch, so Rust: "Wenn man sich vorstellt, wie klein eine Ameise etwa ist oder ein Käfer, dann kann man sich vorstellen, dass es nicht ganz einfach ist, die Endklaue einer Ameise oder ihre Mundwerkzeuge zu betrachten. Darauf sind wir aber angewiesen."
So offenbaren die extremen Groß-Aufnahmen, dass bei einer männlichen Schildlaus die Mundwerkzeuge so reduziert waren, dass es überhaupt keine Nahrung aufnehmen konnte und so sein kurzes Leben nur der Fortpflanzung widmete. "Die Fragestellungen, die sich für uns an die Bernsteinforschung knüpfen, hängen mit der Vielfalt der Arten auf der Erde zusammen. Uns interessiert, wie es gekommen ist, dass heute mindestens eine Millionen Insektenarten auf der Erde leben. Das ist mit Abstand die artenreichste Gruppe. die es überhaupt gibt."
Skandinavien und das Baltikum formten eine Festlandfläche
Die Fauna zu Bernsteinzeiten war anders als heute
Dazu beschäftigt die Forscher die Frage: Wie sah die Biosphäre aus, in der sich die uralten Überlebenskünstler tummelten? Der in Bonn untersuchte baltische Bernstein entstand überwiegend im erdgeschichtlich jungen Tertiär, also vor 65 bis 70 Millionen Jahren. Die Ostsee, mit der heutigen Bernsteinküste, die sich von Danzig bis nach Kaliningrad erstreckt, gab es damals noch nicht. Skandinavien und das Baltikum bildeten den Kern eines zusammenhängendes Festlandes. Hier war die heute ausgestorbene Bernsteinkiefer heimisch. Dieser Baum saftete und harzte sehr stark. 20 Millionen Jahr lang fiel das Harz auf den Waldboden und mancher Tropfen umschloss Pflanzenreste oder Kleintiere. Klimaveränderungen und das Ansteigen des Meeresspiegels aber besiegelten das Schicksal des Bernsteinwaldes.
Wellen und Meeresströmungen spülten die Harzbrocken aus dem Boden und lagerten es an anderen Stellen ab. Heute fischen die Menschen dieser Region die Steine aus dem Meer oder graben sie aus dem Boden. Die ältesten Funde sind mehr als 130 Millionen Jahre alt: Die darin eingeschlossenen Organismen haben zur Zeit der großen Saurier gelebt.
Und wenn man im Bernstein Überreste von Erbmaterial fände? "In den überwiegende Fällen wird das nicht so sein", meint Rust, "dass man da irgendwelche DNA-Reste finden kann, denn die Bernstein-Fossilien sind ganz überwiegend hohl drin. Und deswegen ist auch nicht zu erwarten, dass man da etwa eine Mücke findet, die mit Saurierblut vollgezogen ist und dann ist überhaupt nicht erwarten, dass Saurier-DNA dort in irgendeiner Form erhalten wäre."
Im Bernstein erhalten aber blieben uns Tausende von Insekten, Käfern und Spinnentieren, deren Arten teilweise bis heute überlebten. Fossilien, die uns mit Hilfe der Lasertechnik neue, faszinierende Einblicke in längst vergangene Lebenswelten ermöglichen.

Im Bernsteinwald



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05.07.2002, zuletzt aktualisiert am 18.03.2009 / mp
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