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Der Wolf könnte sich zukünftig auch in Westdeutschland öfter blicken lassen
Der Wolf macht sich breit
Raubtier kommt auch aus Frankreich und den Alpen
In Deutschland sind inzwischen 80 Wölfe heimisch. Die zwölf nachgewiesenen Rudel lebten vor allem in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg.
Das sagte Katharina Weinberg, Sprecherin der Bundesarbeitsgemeinschaft Wolf im Naturschutzbund Deutschland (Nabu). "Ostdeutschland ist wegen seiner Nähe zu Polen bisher das Haupteinwanderungsland für Wölfe, das kann sich aber ändern." In Westpolen ist der Wolfsbestand in den vergangenen Jahren kontinuierlich gewachsen.

Wolfsexperten rechnen damit, dass die Tiere in naher Zukunft auch vermehrt aus Richtung Frankreich und dem Alpenraum nach Deutschland einwandern - vor allem in Regionen mit viel Wald und Wild. "Der Wolf braucht Nahrung und die findet er in ganz Deutschland, nur vielleicht nicht gerade im Ruhrgebiet.", so Weinberg.

Der Wolf streift durch Nordrhein-Westfalen
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Der Wolf kam bis in den hessischen Reinhardswald
"Einzelne Wölfe streifen inzwischen auch durch den Westen Deutschlands", sagt Carsten Nowak vom Forschungsinstitut Senckenberg. Am weitesten war ein in den nordhessischen Reinhardswald zugewanderter Wolf nach Westen vorgedrungen: Bei einem Ausflug in den benachbarten nordrhein-westfälischen Kreis Höxter hatte er ein Schaf gerissen. Den Beweis lieferte ein Haarbüschel, das der Wolf am Weidezaun hinterließ.

"Das ist der bisher westlichste Nachweis eines Wolfs und der erste in Nordrhein-Westfalen", sagt Nowak. In der Außenstelle des Forschungsinstituts Senckenberg im osthessischen Gelnhausen ermitteln Wissenschaftler den genetischen Fingerabdruck einzelner Tiere und schließen daraus auf Herkunft und Verbreitung. Der Wolf aus dem Reinhardswald stammte ursprünglich aus der östlichen Population aus Sachsen oder Westpolen, konnten die Biologen feststellen. Für Luchse und Wölfe ist das Institut als nationales Referenzzentrum die zentrale Anlaufstelle in Deutschland.

Speichel, Haar- und Kotproben aus ganz Deutschland untersuchen Nowak und seine Kollegen dort, 100 Proben waren es seit 2010. Die Methode ist die gleiche wie DNA-Analysen bei Verbrechen oder Vaterschaftstests. Dabei kommt auch zutage, ob ein Tier tatsächlich für Attacken auf Nutztiere verantwortlich ist. Für etliche vermeintliche Wolfsrisse seien Hunde als wirkliche Übeltäter entlarvt worden, sagt Senckenberg-Forscher Nowak.

"Wölfe werden meistens unfair behandelt"
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Die Wölfe sind nach Deutschland zurückgekehrt - nicht jeder freut sich darüber
"Der Wolf - eine streng geschützte Tierart - ist weit davon entfernt, regelmäßig bejagt werden zu können", sagt die Biologin Ilka Reinhart. Darum mache es keinen Sinn, ihn unter Jagdrecht zu stellen. Wölfe sind höchst soziale, intelligente und zugleich scheue Wesen - das ist noch wenig bekannt, klagt die Brandenburger Biologin Gesa Kluth: "Ich denke, dass Wölfe in den allermeisten Situationen unfair behandelt werden, dass man ihnen nicht sachlich gegenübertritt und sie versucht, fair zu behandeln, sondern dass man ihnen im Grunde genommen viele Dinge anhängt, die sie nicht verschuldet haben."

Gesa Kluth ist ihnen auf der Spur: den Wölfen, die aus Polen nach Ostdeutschland einwandern: "In dem Moment, in dem Wölfe hier über die Grenze kommen, können sie bei uns leben, weil sie hier genug zu fressen haben." Die Wälder sind voll mit Schalenwild, und es gibt hier genug unzugängliche Bereiche, in denen sie sich zurückziehen können.

150 Jahre nach der Ausrottung wieder heimisch
Wölfe Lupe
Die Wölfe haben sogar wieder Nachwuchs
Vor 150 Jahre galten Wölfe in Deutschland als ausgerottet. Mit wenigen neuen Rudeln sind sie nach Einschätzung des Nabu die seltensten Säugetiere des Landes. Dass Wölfe trotz des dichten Verkehrsnetzes ohne Hilfe von Ostdeutschland bis nach Hessen und Niedersachsen gewandert seien, werten die Naturschützer als "großes Glück".

Wilde Wölfe sind in ganz Europa streng geschützt. In Deutschland mangele es aber weiter an länderübergreifenden Konzepten für den Umgang mit den Rückkehrern, kritisierten die Naturschützer. "Bei den Schutzbemühungen gibt es große Lücken, vor allem wenn es darum geht, das Nebeneinander von Mensch und Wolf zu regeln", sagte Nabu-Präsident Olaf Tschimpke in einer Pressemitteilung. Er forderte von den Ländern weitere Wildtier-Managementpläne. So dürfe die illegale Tötung eines Wolfes kein Kavaliersdelikt mehr sein. "Das ist eine Straftat", ergänzte Tschimpke. Beim Neubau stark befahrener Straßen müssten Brücken für Wildtiere eingeplant werden.

Hunde
Tierische Schäfer
Herdenschutzhunde sollen Schafe vor Wölfen schützen, dürfen den Menschen aber nicht gefährden. Das wollen Schweizer Forscher mit einem Verhaltenstest sicherstellen.
Infografik
LupeDas Wolfserwartungsland in Deutschland
Pflegeleicht
Eine Gebrauchsanleitung für Wölfe in Sachsen
Angesichts der steigenden Zahl von Wölfen in Deutschland hat Sachsen ein detailliertes Regelwerk zum Umgang mit den geschützten Tieren erarbeitet. Ziel sei das weitgehend konfliktfreie Nebeneinander.
Glossar
Der Wolf - ein soziales und scheues Raubtier
Der Wolf (Canis lupus) gehört zur Ordnung der Fleischfresser und ist verwandt mit den Hunden. Sein Fell ist grau bis bräunlich, er wird bis zu 1,60 Meter lang und hat eine Schulterhöhe von 50 bis 100 Zentimetern.
Interaktiv
Wolfssichtungen in Deutschland
Der Wolf kehrt zurück nach Deutschland. Sehen Sie, wie das Raubtier in den letzten Jahren immer weiter vorgedrungen ist.
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