Torfabbau Video
Durch den Abbau von Torf gehen Moore als Kohlendioxidspeicher verloren
Für Gartenerde sterben Moorlandschaften
In Blumen- und Gartenerde steckt Torf aus Mooren
Jedes Jahr verschwinden viele Moore. Der Torf dieser einzigartigen Naturlandschaften, wird für Blumen- und Pflanzenerde abgebaut.
Alleine in deutschen Gewächshäusern kommen jährlich viele Millionen Kubikmeter Torf zum Einsatz. Biogärtnereien nutzen Blumen- und Gartenerde, die etwa zur Hälfte aus Torf besteht. Bei normalen Gärtnereien setzt sich die Erde fast komplett aus Torf zusammen. Gärtner Thomas Rasche dagegen experimentiert mit Gartenerde, der wenig oder gar kein Torf zugesetzt wird, doch das ist noch nicht Standard. Biologen um Hans Joosten von der Uni Greifswald arbeiten an Alternativen zum Torfdünger. Sie experimentieren mit der Zucht von Moosen. In getrockneter Form könnten diese den Torf im Gartenbau ersetzen.

Es gelte die Moore zu schützen: Einerseits sind die Moore seltene Lebensräume, so die Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz, Prof. Beate Jessel. Andererseits speichern sie mehr Kohlendioxid als Wälder und sind so wichtig für das Klima.

Wer das Moor zerstört, der schadet dem Klima
Moore setzen große Mengen an Kohlendioxid frei, wenn sie trockengelegt werden. So tragen sie zum weltweiten Klimawandel bei. "Jährlich werden etwa zehn Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes dadurch verursacht, dass Moore nicht vor dem Austrocknen bewahrt werden", erläutert Magnus Wessel, Referent für Natur- und Artenschutz beim Naturschutzbund Deutschland (Nabu). Außerdem verschärften Moorbrände, vor allem in Asien, das Problem.

Auf 1,35 Millionen Hektar erstrecken sich laut Nabu Moorlandschaften in Deutschland, das ist fast die doppelte Fläche Hamburgs. Viele dieser Landschaften wurden im Laufe der Zeit aber zerstört: Um die Gebiete für die Landwirtschaft zu nutzen, wurden sie mit Entwässerungsgräben durchzogen. Aber auch für den Torfabbau wurden Moore trockengelegt.

25 Tonnen Kohlendioxid pro Hektar Moor freigesetzt
"Ein lebendes Moor enthält 95 Prozent Wasser", sagt Prof. Hans Joosten vom Institut für Botanik der Universität Greifswald. Die restlichen fünf Prozent bestehen aus Torf, der sich aus pflanzlichem Material wie Schilf, Ästen und Moosen zusammensetzt. So lange die Torfschichten nass bleiben, binden sie das Treibhausgas Kohlendioxid. Trocknen sie aber aus, werden 25 Tonnen CO2 pro Hektar Moor pro Jahr freigesetzt.

Die meisten Moore in Deutschland sind Niedermoore, die sich aus Grundwasser speisen. Im Gegensatz dazu bekommen Hochmoore ihr Wasser durch den Regen. 30 Prozent des Kohlenstoff-Vorkommens auf dem Festland sind in den Mooren gespeichert.

Moore zu renaturieren ist aber nicht unproblematisch. Sie stoßen zwar kein Kohlendioxid mehr aus, wenn wieder Wasser auf ausgetrocknete Flächen geleitet wird. Stattdessen aber entwickelt das Moor unter Umständen viel gefährlicheres Methan, wie Versuche von Prof. Joosten nahelegen.

Moorschutz in Deutschland und der Schweiz
Hoch- und Niedermoore in ihrem ursprünglichen Zustand zu schützen scheint demnach der beste Weg, etwas für den Klimaschutz zu tun. An zweiter Stelle käme dann die Renaturierung. Im Sommer 2009 wurde im Alpenvorland das Naturschutzprojekt "Allgäuer Moorallianz" gestartet, das Bund und Land mit 7,1 Millionen Euro fördern. Brandenburg hat mehr als 3000 Hektar Moorfläche wieder vernässt, Mecklenburg-Vorpommern 8000 Hektar. Auch in der Schweiz ist man sich der klimaschützenden Bedeutung der Moore bewusst. Alle 1500 Schweizer Moore sind seit 1987 gesetzlich geschützt.

Regenwaldbrände in Asien heizen Klima an
Auch in Asien werden riesige Mengen an Kohlendioxid freigesetzt. Schon seit zwei Jahrzehnten gehen auf der Indonesischen Insel Kalimantan alle zwei bis drei Jahre gigantische Flächen Regenwald in Rauch auf. Die mächtigen Torfflöze, auf denen die Wälder wachsen, bestehen fast ausschließlich aus Biomasse, in der eine enorme Menge Kohlenstoff gespeichert ist.

Die indonesischen Behörden führen die Brände auf die durch El Niño verursachte Trockenheit zurück. Doch internationale Wissenschaftler wie der Biologe Dr. Florian Siegert von der Ludwig Maximilian Universität in München machen eher Brandrodungen, holzwirtschaftliche Übernutzung und die Trockenlegung der Torfsümpfe für die verheerenden Brände verantwortlich. Durch eine einzige Feuerkatastrophe 1997/98 in Indonesien gelangten zwischen 15 und 40 Prozent des jährlich weltweit durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe produzierten Kohlenstoffs in die Atmosphäre.

Glossar
Moor - Wasservorrat und Kohlenstoffspeicher
Moore entwickeln sich in flachen Senken, in denen sich mehr Wasser sammelt als abfließen oder verdunsten kann.
Glossar
Torfmoose
Torfmoose (Sphagnum spec.) sind unauffällige, primitive Pflanzen mit erstaunlichen Eigenschaften. Sie sind entscheidend dafür, dass Hochmoore entstehen können.
Mediathek
VideoNatürlicher Speicher von Kohlendioxid
Sehen Sie in unserer Mediathek einen Beitrag vom 29. Januar 2010 zum Moor als Kohlendioxidspeicher.
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