Specht © dpa Video
In der Schweiz haben sich die Spechte auch dank Totholz vermehren können
Leben aus dem Tod
Abgestorbene Bäume in Wäldern helfen Vögeln
Binnen zehn Jahren hat sich dank des Totholzes die Zahl der Spechte in den Wäldern des Schweizer Mittellands verdoppelt.
Die Gemeinden überlassen die Wälder sich selbst, so dass die Spechte im Totholz reichlich Nahrung wie Maden finden. "Das hilft dem Bunt-, aber auch dem seltenen Mittelspecht", sagt der Biologe Matthias Kestenholz von der Schweizer Vogelwarte Sempach.

Spechte spielen im Öko-System Wald eine noch wichtigere Rolle als bisher bekannt, denn sie beherbergen in ihren Schnäbeln Pilzsporen, die wichtig für das Verrotten von Holz sind. Das haben 2004 Forscher der Uni Arkansas herausgefunden. Spechte picken, wenn sie auf Futtersuche sind, Löcher in die Rinde toter oder sterbender Bäume. In diesen Löchern können sich leicht Pilzsporen aus der Waldluft festsetzen. Kommt der Specht dann ein nächstes Mal vorbei, nimmt er mit der Nahrung diese Pilzsporen auf und verteilt sie auf andere Bäume und anderes Holz.

Totholz in Naturwäldern sichert die Artenvielfalt
Baum Video
Lebende Bäume profitieren von ihren verstorbenen "Art"genossen
Gibt es im Wald mehr totes Holz, nimmt die Artenvielfalt zu. Dies fanden Forscher der Eidgenössisch-Technischen Hochschule (ETH) Zürich im Naturwald-Reservat "St. Jean" am Chasseral heraus. "Totholz bietet einen guten Lebensraum für Tiere und Pilze", erklärt Raphaela Tinner, Forstingenieurin der Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL). Zum ersten Mal erfassen die Forscher Volumen und Vermoderungsgrad der toten Bäume.

Zehn Jahre brauchen sie, um alle 30 Naturwald-Reservate neu zu vermessen. Die Forscher der ETH ermitteln in regelmäßigen Abständen jeden einzelnen Baum und bestimmen Baumart, Stamm, Höhe und Krone. Die größten Bäume hatten einen Stamm von 1,50 Metern Durchmesser. Einige Bäume sind mehr als 50 Meter hoch. Seit 50 Jahren sammeln die Forscher diese Messdaten im Naturwald-Reservat "St. Jean".

Im Archiv der Eidgenössischen Forschungsanstalt WSL lagern bereits tausende Vermessungsdaten. Der Naturwald am Chasseral war sich all die Jahre selbst überlassen. Die Daten zeigen, wie sich der Wald im Laufe der Zeit ohne die Einflüsse des Menschen entwickelt hat. Die Forscher der ETH Zürich vergleichen die aktuellen Daten mit jenen der letzten Jahre.

Die Froscher können so Schlüsse über langfristige Entwicklungen der Wälder ziehen. Der Baumbestand im Naturwaldreservat ist insgesamt deutlich größer als in Nutzwäldern. Wegen der Klimaveränderungen im 21. Jahrhundert werden sich die Wälder nicht mehr zu ihrer ursprünglichen Form zurückentwickeln, vermuten die Forscher.

Info
UN-Organisation bestimmte den 25. April als Tag des Baumes
1951 erklärte die UN-Ernährungsorganisation FAO den 25. April zum jährlichen Welttag des Baumes. Seit 1952 gibt es den Tag auch in Deutschland. Naturschutzverbände, Kommunen, Forstämter und Politiker geben Informationsveranstaltungen und führen Pflanzaktionen durch. Der Tag des Baumes wird auch dazu genutzt eine Baumart bekannter zu machen. 2009 ist es der Berg-Ahorn. Am ersten "Arbor Day" im Jahr 1872 pflanzten Bürger im US-Staat Nebraska auf Initiative des Journalisten Julius Sterling Morton hunderttausende Bäume.
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12.02.2004, zuletzt aktualisiert am 25.02.2010 / wd, mp