Entzaubert
Mit Zaubertricks können Psycholgen die Wahrnehmung des Menschen erkunden
Der anteriore Gyrus cinguli und Simsalabim
Probanden wollen kausale Zusammenhänge sehen
Bei Probanden, die einen Zaubertrick betrachteten, war ein Bereich im anterioren Gyrus cinguli stärker aktiviert. Diese Hirnregion interpretiert offenbar kausale Zusammenhänge, so die Forscher.
"Die Probanden haben Annahmen über die Welt, und genau diese setzt die Zauberei außer Kraft", erläutert die Münchner Psychologin Amory Faber. Susana Martinez-Conde und Stephen Macknik vom "Barrow Neurological Institute" haben die Tricks von Zauberkünstlern unter die Lupe genommen. Oft lenken die Illusionisten schlicht die Aufmerksamkeit des Publikums von einer heimlichen Aktion ab, indem sie etwa dafür sorgen, dass die Zuschauer in eine andere Richtung blicken. Noch dreister ist die verdeckte Ablenkung, bei der das Publikum das Geheimnis hinter dem Trick direkt vor Augen hat.
Beim Phänomen der Veränderungsblindheit entgeht dem Betrachter einer Szene, dass etwas anders ist als zuvor. Er bemerkt selbst einschneidende Änderungen dann nicht, wenn sie während einer kurzzeitigen Unterbrechung des Sehvorgangs stattfinden und scheinbar nebensächliche Dinge betreffen.
Dagegen übersehen Zuschauer bei der Unaufmerksamkeitsblindheit ein unerwartetes Objekt, das sie direkt vor Augen haben. In einer Studie zeigten Psychologen Versuchspersonen ein Video und baten sie, mitzuzählen, wie oft ein Team aus drei Basketballspielern den Ball einander abgibt. Die Pässe des gegnerischen Trios sollten ignoriert werden. Etwa die Hälfte der Beobachter bemerkte nicht, dass ein als Gorilla kostümierter Mensch mitten durchs Bild lief und sich im Zentrum auf die Brust trommelte. "Das Gehirn verarbeitet nur die Informationen, die wichtig erscheinen", erläutert der Psychologe Gustav Kuhn. "Was man nicht aufmerksam betrachtet, sieht man nicht."
Magische Tricks lassen sich sogar in der Medizin einsetzen, etwa nach Hirnverletzungen, bei der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktvitätsstörung (ADHS), bei der Alzheimer-Demenz oder bei Phantomschmerzen, wie Martinez-Conde und Macknik weiter berichten. In letzterem Fall täuschten kalifornische Forscher amputierten Menschen in Therapiesitzungen mit einem Spiegelkasten die Existenz des fehlenden Körperteils vor: Der Phantomschmerz ließ nach.
Infografik
Regionen und Areale des Gehirns auf einen Blick
Unser menschliches Gehirn hat drei Hauptstrukturen: den Hirnstamm, das Kleinhirn sowie das Großhirn, das aus zwei Hälften besteht. Der Hirnstamm steuert hauptsächlich lebenswichtige Funktionen wie Atmung und Kreislauf.
Fokus auf das Gehirn
Das Gehirn verbindet unsere Sinneseindrücke
Im Gehirn finden Forscher auf der Ebene der Moleküle immer noch ungeahnte Funktionsweisen und Querverbindungen, die unser Denken entstehen lassen und Sinnesreize zu einem Ganzen zusammen setzen.
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12.01.2010 / mp mit Material von
ap