Windrad wird aufgebaut Lupe
Das Windrad ist der ganze Stolz der Energiegewinnungsgemeinde Zschadraß
Zschadraß zeigt: Es geht auch ohne Atomkraft
Kleine Gemeinde in Sachsen sorgt für ihren Strom
"Beim Wort Atomkraft läuft es mir kalt den Rücken runter", sagt Matthias Schmiedel, Bürgermeister der kleinen sächsischen Gemeinde Zschadraß. Sein Heimatort nahe Leipzigs zeigt, dass es Alternativen gibt.
"Schaut her, es geht auch ohne Atomstrom." Bis 2050 will die Gemeinde energieautark sein. "Das ist noch ein weiter Weg", gibt Schmiedel zu. Aber 28 Prozent der verwendeten Energie - sowohl für öffentliche Gebäude als auch für Privathaushalte - wird schon selbst erzeugt. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 24 Prozent.

In Kürze geht das vierte Windrad in Betrieb. Jüngstes Kind ist eine Heizung mit Chinaschilf. Auf Flächen, die für die Landwirtschaft nicht geeignet sind, kommen gerade Mutterpflanzen in den Boden. "Das ist keine Geldanlage für einen Zahnarzt, der weit weg in Düsseldorf oder Hamburg wohnt", kann er die Bürger begeistern. Das komme den Zschadrassern zu Gute.

"Die Menschen sind zunächst über den eigenen Geldbeutel ansprechbar. Wenn es bei der Energierechnung Geld zurückgibt, freut sich jeder", sagt Schmiedel. "Viele Leute sagen aber auch, ich muss an meine Kinder denken." Sie wollen eine intakte Umwelt hinterlassen und die Natur bei der Energieerzeugung schonen. Schmiedel und seine Mitstreiter in der Verwaltung, in der 2004 gegründeten Ökologisch-Sozialen Stiftung und in einem Verein kennen sich bestens aus mit Holzhackschnitzelheizungen, mit Photovoltaik, Solaranlagen, Rapsöl als Benzinersatz oder Windenergie.

"Wir zeigen im Kleinen, was im Großen funktioniert"
Windrad wird aufgebaut Lupe
Ein Dorf sucht sich seine Energie
Zschadraß ist eine von 50 Gemeinden in Deutschland, die mit dem European Energy Award der Europäischen Union für Energieeffizienz ausgezeichnet wurden. "Wir zeigen im Kleinen, was auch im Großen funktionieren kann", ist sich Bürgermeister Schmiedel sicher. Die Gemeinde mit 3500 Einwohnern selbst gehört vom Steueraufkommen zu den schwächsten im Landkreis Leipzig. Der Haushalt ist mit etwa 2,5 Millionen Euro eher überschaubar. Dabei lag die Pro-Kopf-Verschuldung 2008 nur bei 260 Euro. Eigentlich wäre man schuldenfrei - wenn nicht immer wieder Geld in neue Energieprojekte gesteckt würde. "In 15 Jahren werden wir Gewinne rechnen", ist Schmiedel überzeugt. "Man muss jetzt das Samenkorn in den Boden stecken, um in 15 Jahren zu ernten. Wir wollen das Geld, das wir ausgeben, hier in der Region lassen und damit auch Arbeitsplätze sichern."

Bereits vor 100 Jahren hatte sich das Klinikum im Ort selbst mit Energie versorgt: Die Braunkohle wurde in der Nähe abgebaut, in der Dampfmaschine verstromt, der Dampf diente zum Heizen, und dazu gab es noch Strom. Dann schienen über Jahrzehnte Öl und Gas die besseren Energiequellen. Heute besinnt man sich wieder auf Traditionelles: In der Anlage werden Holzhackschnitzel verheizt.

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04.11.2009 / mp mit Material von dpa