Jugendzimmer Lupe
Wer unter Schweinegrippe leidet, soll sich von anderen fernhalten
Krankheitssymptome auf jeden Fall ernst nehmen
Schweinegrippe überträgt sich leicht durch Tröpchen
Die Symptome der Schweinegrippe ähneln denen der "normalen" Wintergrippe. Es kann zu Fieber, Husten, Kopf- und Gliederschmerzen, Müdigkeit und Appetitlosigkeit kommen.
Manchen Menschen klagen auch über Übelkeit, Erbrechen und Durchfall. Andere Patienten zeigen wiederum kaum Symptome, sie merken also gar nicht, dass sie die Schweinegrippe haben, können aber trotzdem andere infizieren.

Schweinegrippe wird überwiegend durch Tröpfchen beim Sprechen, aber vor allem beim Husten oder Niesen übertragen. Vermutet wird, dass die Viren auch über verseuchte Oberflächen wie Türklinken übertragen werden können. Über die Schleimhäute von Augen, Nase oder Mund gelangen die Erreger in den Körper

Sobald der Verdacht aufkommt an Schweinegrippe erkrankt zu sein, soll auf jeden Fall der Arzt informiert werden. Enge Kontakte zu anderen Menschen sollten vermieden werden. Der Arzt entnimmt einen Rachen- oder Nasenabstrich und schickt ihn in ein Labor, das den Verdacht bestätigt oder aber Entwarnung gibt. Stellt das Labor die Schweinegrippe fest, müssen die Betroffenen zu Hause bleiben und eine Woche in Quarantäne verbringen. Auch Familienmitglieder sollten dann den Kontakt meiden.

Eine Schweinegrippe-Infektion kann mit herkömmlichen antiviralen Medikamenten, die in jeder Grippesaison zum Einsatz kommen, behandelt werden. Die Neuraminidase-Hemmer Tamiflu mit dem Wirkstoff Oseltamivir und Relenza (Zanamivir) können die Symptome deutlich mildern. Entscheidend ist, dass innerhalb von 48 Stunden nach Auftreten der ersten Krankheitszeichen mit der Therapie begonnen wird. Aus mehreren Ländern wurden zuletzt Resistenzen gegen Tamiflu gemeldet; bisher handelt es sich aber um Einzelfälle.

Einige Faktoren begünstigen die Ausbreitung
Einige Faktoren wie Kälte und Feuchtigkeit begünstigen die Ausbreitung der Schweinegrippe. Außerhalb der Tropen hat die Grippe im Winter Hochkonjunktur. Niedrige Temperaturen und Trockenheit lassen den Virus auch außerhalb des menschlichen Körpers länger überleben. In den Tropen werden seltener Grippeausbrüche gemeldet, was sich auf die Hitze und hohe Luftfeuchtigkeit sowie fehlende saisonale Unterschiede zurückführen lässt. Insbesondere aus Asien und Lateinamerika gibt es nur unzureichende Daten zur Grippe, so dass zu den Übertragungswegen nur wenig bekannt ist.

Winterferien an Schulen und anderen Bildungseinrichtungen können die Grippe kurzzeitig eindämmen. Studien haben ergeben, dass die Infektionsrate bei Schülern bis zu 25 Prozent zurückgeht, weil es in dieser Zeit weniger Ansteckungsmöglichkeiten gibt.

Schutz vor Schweinegrippe
Jeder Einzelne kann mit einfachen Hygienemaßnahmen das Risiko einer Ansteckung mit Schweinegrippeviren senken. Ausführliche Informationen zum Schutz gegen Viren gibt das Berliner Robert-Koch-Institut (RKI) in seinem Internetportal "Wir gegen Viren". Vier Alltags-Regeln stehen dabei im Mittelpunkt:

  • Hände waschen: Regelmäßig, aber besonders vor dem Kochen, vor dem Essen, nach dem Toilettengang oder wenn man nach Hause kommt, Hände waschen. Die Hände unter fließendes Wasser halten, Seife 20 bis 30 Sekunden auch zwischen den Fingern verreiben, sorgfältig abspülen und abtrocknen
  • Richtiges Husten und Schnäuzen: Man sollte nicht wie üblich in die Hände, sondern in den angewinkelten Arm oder auf den Ärmel husten. Denn über die Hände werden die Viren schneller verbreitet. Außerdem beim Husten Abstand zu anderen Personen halten und sich abwenden. Wer die Nase putzt, sollte ein Einmaltaschentuch verwenden, dieses sofort entsorgen und anschließend die Hände waschen.
  • Krankheitsanzeichen ernst nehmen: Zum Schutz der Mitmenschen sollte man auf mögliche Symptome achten und im Falle eines Falles die Krankheit zu Hause auskurieren, um die Kollegen nicht anzustecken. Die Symptome der Schweine-Influenza sind ähnlich wie bei der saisonalen Grippe Fieber, Müdigkeit, Appetitlosigkeit und Husten. Einige angesteckte Menschen klagten bislang auch über Schnupfen, Halsschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall.
  • Lüften: In geschlossenen Räumen kann die Anzahl der Viren in der Luft stark ansteigen. Dagegen hilft Lüften, außerdem wird so ein Austrocknen der Schleimhäute verhindert, die zur Abwehr von Viren wichtig sind. Das RKI empfiehlt, mindestens drei bis vier Mal am Tag jeweils zehn Minuten lang zu lüften.

Koch-Institut rechnet mit schwerer Schweinegrippe
Nach dem ersten Todesfall durch die Schweinegrippe in Deutschland hat der Präsident des Robert-Koch-Instituts, Jörg Hinrich Hacker, am 9. Oktober 2009 davor gewarnt, die Gefahren des Grippevirus H1N1 zu unterschätzen. Hacker rechnet mit einer Zunahme an schweren Fällen von Schweinegrippe im Winter, wie er im Deutschlandradio Kultur sagte. Der Ärztliche Direktor des Gemeinschaftskrankenhauses Witten-Herdecke, Stefan Schmidt-Troschke, warnte dagegen vor den Impfungen. Die Gefahren durch den Impfstoff würden unterschätzt, sagte er der "Frankfurter Rundschau". Ende Oktober ist nach den Plänen des Koch-Instituts Impfstart.

Man müsse damit rechnen, dass es im Winter zu mehr und auch zu schwereren Fällen von H1N1-Infektionen komme, sagte Hacker. Der Molekularbiologe warnte davor, sich von den bisher meist milden Krankheitsverläufen und geringen Fallzahlen in Deutschland dazu verleiten zu lassen, H1N1 zu unterschätzen. In der Universitätsklinik Essen ist am 25. September eine 36-jährige Frau aus dem Ruhrgebiet an der Schweinegrippe gestorben, wie die Klinikleitung am 8. Oktober 2009 offiziell bestätigte.

Fokus: Grippe
© dpaForschen unter Druck - gegen Schweinegrippe
Die Weltgesundheitsorganisation hat Schweinegrippe als eine Pandemie eingestuft. Weltweit arbeiten Forscher daran, sich so schnell wie nur möglich dem neuen Virustyp zu nähern. Informationen in unserem Fokus.
Infografik
Neue und alte Seuchen - Erreger wandern ein
In Europa ausgestorben geglaubte Krankheiten wie die Malaria kehren zurück - schuld ist der rege Verkehr zwischen den Kontinenten. Und auch der Klimawandel bietet tropischen Erregern neue Habitate.
Glossar
© apTröpfcheninfektion - Viren wandern weiter
Bei der Tröpfcheninfektion übertragen sich Krankheitserreger wie die Grippeviren, die die Atemwege besiedeln, mit der Feuchtigkeit auf andere Menschen. Dies passiert etwa beim Küssen oder Sprechen.
Links
Portal "Wir gegen Viren" des Robert-Koch-Instituts
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09.10.2009 / jus mit Material von afp, ap, epd, reuters