Seit dem Wintersemester 2008/09 müssen Lehrramtsstudenten der Uni Kassel das Seminar "Psychosoziale Grundkompetenzen im Lehrerberuf" im ersten oder zweiten Semester belegen. "Die Allermeisten kommen mit verschwommenen Vorstellungen in Studium", weiß der Erziehungswissenschaftler Prof. Heinrich Dauber.
"Wir versuchen, den Studenten im ersten Semester Grundkompetenzen nahe zu bringen und sie anzuregen, sich in einer bestimmten Richtung ausbilden zu lassen", sagt Dauber. Es sei zum Beispiel wichtig, dass sich jemand für sein Fach interessiere und auch Spaß an der Arbeit mit Kindern habe. "Insgesamt kann man schon sagen, dass wir relativ früh Praxiserfahrungen brauchen und eine stärkere Verzahnung von Theorie und Praxis. Darüber hinaus sei Selbsterfahrung wichtig, um die eigene Rolle und den eigenen Lernprozess zu überdenken.
In Gruppen von zwölf Personen, beobachten zwei Teamer die Studenten bei den Aufgaben. Am Ende erhält jeder eine persönliche Rückmeldung über Auffälligkeiten, und gegebenenfalls empfehlen die Teamer weitere professionelle Beratung. Die Forscher der Uni Kassel haben noch nicht geklärt, ob die als auffällig oder problematisch eingeschätzten Studenten bestimmte Aufgaben erfüllen müssen.
Dauber hat 2003 Lehrerinnen und Lehrer befragt, die aus Krankheitsgründen frühpensioniert worden waren. "Eine frühzeitige Überprüfung und Beratung erscheint nicht nur im Interesse der Betroffenen notwendig zu sein", sagt Dauber, "sondern auch im Blick auf die Schüler, die wiederum unter psychosozial belasteten Lehrern selbst am stärksten zu leiden hat."