Student und Professor vor Gruppe von Studenten Video
Lehramtsstudenten üben vor Kommillitonen Unterrichtssituationen
Eignungstest für Lehramtsstudenten
Uni Kassel führt verbindliche Prüfung ein
Seit dem Wintersemester 2008/09 müssen Lehrramtsstudenten der Uni Kassel das Seminar "Psychosoziale Grundkompetenzen im Lehrerberuf" im ersten oder zweiten Semester belegen. "Die Allermeisten kommen mit verschwommenen Vorstellungen in Studium", weiß der Erziehungswissenschaftler Prof. Heinrich Dauber.
Viele wollten Bildung und Wissen vermitteln oder Chancengleichheit herstellen. Doch konkreten Herausforderungen, etwa die Arbeit in einem sozialen Brennpunkt, mit Pubertierenden, Hochbegabten oder Verhaltensgesörten, davon machten sie die wenigsten Studenten eine Vorstellung.

Schon sehr früh auch den Arbeitsalltag kennenlernen
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Nicht nur fachliche, auch soziale Kompetenz ist gefragt
"Wir versuchen, den Studenten im ersten Semester Grundkompetenzen nahe zu bringen und sie anzuregen, sich in einer bestimmten Richtung ausbilden zu lassen", sagt Dauber. Es sei zum Beispiel wichtig, dass sich jemand für sein Fach interessiere und auch Spaß an der Arbeit mit Kindern habe. "Insgesamt kann man schon sagen, dass wir relativ früh Praxiserfahrungen brauchen und eine stärkere Verzahnung von Theorie und Praxis. Darüber hinaus sei Selbsterfahrung wichtig, um die eigene Rolle und den eigenen Lernprozess zu überdenken.

Die Lehramtsanwärter müssen sich nach einer Selbstreflexion die Motive für ihre Studienwahl aufschreiben und Übungen durchlaufen, die den vier Grundkompetenzen des Lehrerberufs zugeordnet sind: Selbstkompetenz, Handlungskompetenz, Sozialkompetenz und Systemkompetenz.

Zu den Übungen des zweitägigen Seminars gehören

  • die ersten zwei Minuten des Auftritts vor einer Gruppe gestalten;
  • biografische Schlüsselsituationen in pädagogischen Kontexten mit Hilfe von Holzbausteinen darstellen und erläutern und
  • einen pädagogischen Fall in einer Gruppe vorstellen oder im Rollentausch gemeinsam beraten.

Nach dem Seminar folgt eine inidviduelle Empfehlung
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Die Studierenden sollen früh die Praxis kennenlernen
In Gruppen von zwölf Personen, beobachten zwei Teamer die Studenten bei den Aufgaben. Am Ende erhält jeder eine persönliche Rückmeldung über Auffälligkeiten, und gegebenenfalls empfehlen die Teamer weitere professionelle Beratung. Die Forscher der Uni Kassel haben noch nicht geklärt, ob die als auffällig oder problematisch eingeschätzten Studenten bestimmte Aufgaben erfüllen müssen.

Es könnte ihnen während später folgender Schulpraktika eine besondere Beobachtung zuteil werden oder sie könnten ganz vom weiteren Studium ausgeschlossen werden. "Wir entwickeln ein differenziertes Beratungsprogramm", sagt Dauber im Hinblick auf die Studenten, die Probleme bei dem Eignungstest haben.

Basis für das Seminar waren Befragungen unter Lehrern
Dauber hat 2003 Lehrerinnen und Lehrer befragt, die aus Krankheitsgründen frühpensioniert worden waren. "Eine frühzeitige Überprüfung und Beratung erscheint nicht nur im Interesse der Betroffenen notwendig zu sein", sagt Dauber, "sondern auch im Blick auf die Schüler, die wiederum unter psychosozial belasteten Lehrern selbst am stärksten zu leiden hat."

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09.06.2009 / jus mit Material des idw