Unternehmen lernen vom Leben in einem Ameisenstaat
Strukturen aus der Natur lassen sich laut Forschern in den Firmenalltag übertragen
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"Wir wollen Naturwissenschaft und Wirtschaft miteinander verknüpfen, um Strukturen aus der Natur zu übertragen", sagt Dr. Monika Labes, Projektleiterin von "Bionik im Business" der Uni München. Ameisenstaaten könnten Firmen und Managern als Vorbild dienen. "Ameisenstaaten sind anders organisiert als menschliche Unternehmen: Dort herrscht keine Hierarchie, sondern völlige Gleichberechtigung", sagt der Münchner Verhaltensökologe Dr. Volker Witte. "Man spricht von einer Heterarchie."
"Die Managementstrukturen heute sind noch wie zu Zeiten der industriellen Revolution, also Taylorismus", findet der Unternehmensberater Dr. Willms Buhse von "DoubleYUU.com" in Hamburg. "Auf dem Weg in die Wissensgesellschaft brauchen wir einfach etwas anderes, neue Managementmethoden."
Die Tiere orientieren sich an den Reaktionen der anderen
Einer folgt dem anderen
Witte forscht mit nachtaktiven malaiischen Tieren. "Es gibt hochspezialisierte Tiere auf bestimmte Tätigkeiten, allerdings ist dieses System nicht so starr wie man meinen könnte", erklärt der Forscher. "An den Reaktionen anderer Tiere merken die Individuen, ob ihre Aufgabe gerade sehr sinnvoll ist oder nicht. Sie können sich dann entscheiden eine andere Aufgabe auszuführen, wenn das für das allgemeine Wohlergehen besser geeignet ist", sagt Witte. "Die Informationen werden von den Tieren gesammelt und der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt."
"Die anderen Tiere überprüfen immer wieder diese Informationen", weiß Witte. "Erst wenn es zu einem Schwellenwert kommt, an Bestätigung positiver oder negativer Information, erst dann kommt es zu einer kollektiven Entscheidung der gesamten Kolonie."
Open-Space-Gruppen haben ein hohes Energieniveau
Freiraum für Ideen
Buhse macht Experimente mit "Open-Space"-Gruppen. Er hat Mitarbeiter einen Tag lang in eine Fabrikhalle sich selbst überlassen, ohne als Chef Anweisungen zu geben. Sie sollten sich nicht nur organisieren, sondern auch Themen erörtern und selbstständig Arbeitsgruppen bilden. "Dadurch, dass man sich bei einem Open Space dort einbringen kann, wo man am besten etwas beisteuern kann, hat man ein enorm hohes Energieniveau", weiß Buhse. "Und das Spannende dabei ist, dass man den Raum für Innovationen öffnet. So gab es in dem Experiment 18 Ergebnisse zu spannenden Projekten, von denen jetzt drei als Leuchtturmprojekte umgesetzt werden."
Bei der Softwarehaus Coremedia AG können die Mitarbeiter in ihrem Firmennetzwerk ein Problem beschreiben. Wer es liest und gerade Zeit hat zu helfen, packt mit an. Der Chef mischt sich nicht ein. "Man kennt natürlich die Erfahrung, dass man eine Sache vorantreibt und sie umsetzen möchte", sagt Sören Stamer, Vorsitzender der Coremedia AG.
"Ich tat das sehr intensiv und identifizierte mich mit dem Ergebnis. Ich habe die Gruppe deswegen auch behindert, indem ich meine Ideen hineinbrachte und sie unterbrochen habe. Die Gruppe nicht zu Ihrem vollen Potenzial. Mittlerweile habe ich gelernt, loszulassen, den Mund zu halten und die Gruppe machen zu lassen." Gruppen hätten gemeinsam viel bessere Ideen. Doch sei es für ihn als Chef ein längerer Prozess gewesen, dies zu üben und zu lernen. "Es ist aber eine Kunst, die man täglich üben muss."
In Ameisenstaaten gibt es kein Pendant zu Spitzengehältern
In Buhses Projekt durften Vorstände und Mitarbeiter sich kritisieren, ohne auf die Hierarchien zu achten. Wenn Unternehmen von der Natur lernen, könnten auch hohe Managerghälter überflüssig werden. "Die Natur geht nachhaltig mit Ihren Ressourcen um, ansonsten würden sich Lebewesen den Ast absägen, auf dem sie sitzen, und ich denke, dass sich da manche Manager einiges davon abschauen könnten", sagt Labes.
"Ameisen werden nicht entlohnt, das heißt, die Debatte über Gehälter ist auch nicht gerechtfertigt, aber wenn, müsste man sagen, dass die Ressourcen im Ameisenstaat gleichmäßig aufgeteilt werden", sagt Witte. "Management ist eigentlich eine Dienstleistungsfunktion an dem Unternehmen und aus meiner Sicht muss ein Manager nicht unbedingt mehr Geld verdienen als Spezialisten einer Firma", meint Buhse.


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Konzept des Projekts "Bionik im Business" an der Uni München

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Kompetenznetz "Bionik" im Internet
Bionik im Computer: von den Routen der Ameisen lernen

30.04.2009 / jus
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