Unternehmen bei Magdeburg plant Touristenflüge ins All
Ab 2013 sollen Passagiere vom Flughafen Cochstedt aus in den Weltraum starten
Aus Sachsen-Anhalt sollen Raketenflugzeuge ins All fliegen
Das Unternehmen "Talis Enterprise" will ab 2013 Touristen vom Magdeburger Flughafen Cochstedt in Sachsen-Anhalt zu einem Kurztrip ins Weltall befördern. "Eigentlich fliegen wir mit einen Flugzeug in Ultraleichtbauweise mit Kohlefaser-Verbundwerkstoffe, die eingesetzt werden", erklärt der Ingenieur Frank Günzel. "Eingesetzt wird auch ein Raketentriebwerk - das ist das einzig Exotische an dem Ganzen." Ingenieure und Firmen für Raketentechnik entwickeln die neuen Fluggeräte.
Die Magdeburger wollen ihre Passagiere in bis zu 120 Kilometer Höhe bringen und ihnen mehrere Minuten Schwerelosigkeit bieten. Das raketengetriebene Flugzeug fliege bereits im Computer. "Wir haben mit unseren Partnern geforscht und entwickelt, per Computeranalyse die Machbarkeit getestet - bis hin zum Test im Windkanal, den das Modell mit Bravour absolvierte", sagt Günzel.
Zuerst soll "Black Sky" und dann "Enterprise" gebaut werden
"Während in den USA bereits mehr als 18 Millionen Dollar als Anzahlungen auf die nur geplanten Weltraumflüge bezahlt wurden, haben wir aus eignen Mitteln ein ernstes Projekt finanziert", resümiert Ingenieur Peer Gehrmann, Mitglied des Verwaltungsrats. Der Bau des ersten Prototyps "Black Sky" wird der nächste Schritt sein. "Wenn die Finanzierung in den nächsten Wochen und Monaten abgeschlossen sein sollte, würden wir mit der Black Sky Ende 2010 oder Anfang 2011 abheben", schätzt Günzel. Zuerst soll eine kleinere Version der späteren "Enterprise" gebaut werden.
Prof. Oliver Ullrich, Weltraummediziner der Uni Magdeburg glaubt, mit beiden Flugzeugen wichtige Erkenntnisse für die Forschung sammeln zu können. "Ich kann mir vorstellen, dass der Bedarf für eine solche Forschungsmöglichkeit sehr groß ist: Man kann die Vorteile von Parabelflügen mit den Vorteilen des Weltraumexperimentes kombinieren", sagt Ullrich. "Bisher haben wir nur wenige Sekunden Schwerelosigkeit, dort hat man sie relativ lange - viele Minuten, die man sonst nur im Weltraum bekommt. Doch der Zugang kommt über ein Flugzeug - viel einfacher und unkomplizierter."
Der Flughafen soll später auch der Forschung nutzen
Ein flugmedizinisches Zentrum soll in Cochstedt entstehen
"Der Flugplatz Cochstedt ist ideal, die Infrastruktur ist vorhanden, die Bahnlänge ist ausreichend für unseren Bedarf, und wie haben Platz für alle Anlagen, die später benötigt werden", so das "Talis Enterprise"-Verwaltungsratmitglied Gehrmann. Damit falle dem Platz wieder eine Nutzung zu, auf dem nur wenige Sportpiloten landeten. Später soll es auf dem Flughafen neben dem flugmedizinischen Zentrum, in dem die Passagiere ausgiebige Tests absolvieren müssen, auch weitere Angebote für Weltraumbegeisterte geben.
Wöchentlich soll das Raketenflugzeug zu zwei Flügen mit bis zu sechs Personen in eine Höhe von 125 Kilometern aufbrechen. "Für Leute, die schon ihr ganzes Leben lang davon träumen, einmal dieses Erlebnis zu haben: Die Erde aus dem Weltraum und die Sterne ohne störende Atmosphäre flackerfrei in einer größeren Vielzahl zu sehen sowie die Schwerelosigkeit zu erleben", sagt Günzel.
Das zwölf Meter lange und 20 Tonnen schwere Raumschiff überschreitet die offizielle Grenze zum Weltraum in einer Höhe von 100 Kilometern. Die Reisenden sollen bis zu 20 Minuten Schwerelosigkeit erleben und über ganz Europa und in die Weiten des Weltalls blicken. Rund 150.000 Euro investieren Privatpersonen, die sich mit dem Flug in den Weltraum ihren Lebenstraum verwirklichen wollen.
Mit dem Reiseführer für das Weltall durch die Galaxis
Strahlung kann Gehirn der Astronauten angreifen
Lange Raumflüge können das Immunsystem schwächen
"SpaceShipOne" fliegt zehn Millionen Dollar entgegen
Erstes privat finanziertes Raumschiff gestartet
Weltraumflug soll Urlaub im All einleiten
Schwerelosigkeit verursacht Hirnschäden
Weltraum-Tourismus
Wohnen im Weltraum
Weltraum-Tourist Tito startet am 28. April
Privattransport ins All
Südafrikaner zweiter Tourist auf der ISS
Space-Tourismus
Der Weltraum als Vergnügungspark

21.04.2009 / jus mit Material der dpa Pressematerial von Talis Enterprise
zurück Seitenanfang Druckversion Artikel versenden 3sat / nano [E-Mail]