Forscher erkennen Geschlecht der Küken schon im Ei
Forscher wollen so dafür sorgen, dass nicht mehr Millionen Küken getötet werden
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Forscher um Prof. Jürgen Popp von der Uni Jena eine Methode entwickelt, das Geschlecht von Küken schon im Ei zu bestimmen. Sie wollen so einen Beitrag dazu leisten, dass nicht mehr jedes zweite Legehennen-Küken getötet wird: Jedes Jahr werden in der EU 280 Millionen männliche Küken vernichtet, davon in Deutschland allein 45 Millionen, weil sie keine Eierproduzenten werden können und auch nicht als Brathähnchen taugen. Die Forscher bestimmen dazu den DNA-Gehalt der Keimscheibe.
Bei männlichen Küken ist die DNA zwei Prozent schwerer. Anders als beim Menschen tragen bei Hühnern die Männchen zwei X-Chromosomen, die Weibchen jedoch nur eines, so dass der Gewichtsunterschied zustande kommt. Allerdings ist die Keimscheibe ist nicht einfach zu finden, obwohl sie immer oben auf dem Ei-Dotter schwimmt. Die Jenaer Forscher greifen darum derzeit auf die Hilfe von Mediziner in Dresden zurück, die per optischer Kohärenz-Tomographie die genaue Lage der Scheibe bestimmen.
Diese Daten benötigte eine "Eier-Sortier- und Bestimmungsmaschine", um in einem zweiten Schritt das Geschlecht der Küken zu bestimmen. Die Jenaer Forscher experimentieren dazu mit einem Raman-Laser, schildert Popp: "Wir nehmen das inelastisch zurückgestreute Licht auf. Dieses Licht enthält einen molekularen Fingerabdruck, den wir dann gezielt auswerten."
Tierschutzbund beklagt den Tod von 44 Millionen Küken
Die Eier kommen vor allem aus Deutschland
Jährlich würden schätzungsweise mehr als 44 Millionen männlicher Küken in den Zuchtbetrieben unmittelbar aussortiert, in Behältern vergast oder in einem industriellen Fleischwolf zerschreddert, berichtete der Deutsche Tierschutzbund. Nur die Legehennen würden aufgezogen und zu einem Dasein als "Eierproduktionsmaschine" verdammt. Die Zuchtauslese sei allein vom Gedanken des Profits geprägt. Die männlichen Küken werden mit Kohlendioxid getötet, weiß Dr. Karl Fikuart von der Bundestierärztekammer. "Kohlendioxid verbindet sich mit der Feuchtigkeit auf den Schleimhäuten der Atemwege zu Kohlensäure. Diese ruft Schmerz bei Mensch und Tier hervor. Man kann bei den Tieren Schlagen und Schnappatmung beobachten, bis sie wirklich so weit narkotisiert sind, dass sie nichts mehr fühlen."
Jeder Deutsche verbraucht im Durchschnitt 210 Eier pro Jahr, alle Deutschen damit ährlich 17 Milliarden Hühnereier. 13 Milliarden dieser Eier werden in Deutschland erzeugt: Der Bedarf in Deutschland wird zu mehr als 70 Prozent aus landeseigener Herstellung gedeckt. Hinzukommen Importe aus dem Ausland, die zum Großteil aus den Niederlanden und aus Polen stammen. Rund 53 Prozent der Eier werden in privaten Haushalten konsumiert, 31 Prozent werden von der Nahrungsmittelindustrie und 16 Prozent von Großverbrauchern verwertet.
97.000 Halter von Legehennen mit knapp 42 Millionen Tieren
97.000 Menschen halten Legehennen
Bundesweit gibt es nach Angaben des Zentralverbands der Deutschen Geflügelwirtschaft (DZG) 13.000 wirtschaftlich nennenswerte Legehennenhalter mit mehr als 50 Hennen, darunter 4000 mit einem Bestand von 350 Tieren und mehr. Dazu kämen - als wirtschaftlich relevant arbeitende Halter - je 1000 große Aufzuchtbetriebe für Hähnchen und Puten, sagte DZG-Sprecher Thomas Janning. Über diese großen Wirtschaftsbetriebe hinaus, deren Schwerpunkt im niedersächsischen Bezirk Weser-Ems liegt, weist die Zentrale Markt- und Preisberichterstattung (ZMP) in Bonn bundesweit insgesamt 97.000 Halter von Legehennen mit knapp 42 Millionen Tieren und 17,5 Millionen Küken aus. Hinzu kämen 51 Millionen Plätze für Masthühner und -hähnchen, die pro Jahr etwa sieben Mal neu besetzt werden könnten. Daraus ergibt sich eine Zahl von rund 350 Millionen Masthühnern pro Jahr, sagte Werner Böttcher vom ZMP.
Allein in Niedersachsen werden rund 14,6 Millionen Legehennen in 11.100 Betrieben gehalten, gefolgt von Bayern mit 4,3 Millionen Tieren in 34.000 Betrieben und Nordrhein-Westfalen mit 4,2 Millionen Legehennen in 9500 Betrieben, geht aus einer Auflistung der ZMP und des Statistischen Bundesamtes (Wiesbaden) hervor. Bei den Mastplätzen liegt Niedersachsen mit 28 Millionen ebenfalls vor Bayern (3,9) und Nordrhein-Westfalen (2,3) weit an der Spitze der Bundesländer.


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09.04.2009 / mp mit Material von dpa und idw
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