Rückenprotektoren und Helme schützen die Skifahrer
Seit dem Unfall von Thüringens Ministerpräsidenten Dieter Althaus sind Helme "in"
Schutzkleidung beim Ski soll Rettungsmaßnahmen ersetzen
Rückenprotektoren können Skifahrer schützen, sagt der Bewegungswissenschaftler Othmar Brügger von der Beratungsstelle für Unfallverhütung. Die harte äußere Schicht verteilt die Kräfte großflächig, eine Kunststoffplatte in der Mitte schützt vor spitzen Gegenständen und Gliederketten lassen nur die Beugung nach vorne zu - die Wirbelsäule kann so nicht überstrecken. Schaummaterial mit Zellstruktur innen federt Stöße ab. Auch Helme schützen nachweisbar vor Verletzungen.
"Die Kraftdämpfung erfolgt durch die strukturelle Veränderung der Schutzschicht", weiß Raphael Murri, Ingenieur am "Dynamic Test Center" in Vauffelin. "Das führt dazu, dass man den Helm kein zweitens Mal brauchen sollte. Nach einem solchen Sturz müsste man den Helm eigentlich ersetzen, denn er hat beim nächsten Mal nicht mehr dieselbe Schutzwirkung."
Helme werden leichter - manche sogar leichter als Mützen
Crashtests zeigen: Helme schützen
Die neue Helm-Generation schützt nämlich nicht nur vor dem Aufprall, sondern hat auch ein ausgeklügeltes Belüftungssystem, das je nach Bedarf kühlen, wärmen oder entlüften kann. "Die Helme werden wesentlich leichter - manche sogar leichter als Mützen", sagte der Geschäftsführer des Händlerverbundes Sport 2000, Andreas Rudolf. Manche Fabrikanten statten ihre Helme sogar mit einem Pumpmechanismus aus, der den Kopfschutz an die Kopfform des jeweiligen Trägers anpasst. Wer sich geniert, einen Schutzhelm zu tragen, der lässt sich möglicherweise von Helmen im Designer-Look überzeugen. "Es gibt inzwischen auch sehr schöne Damen-Helme", so Rudolf.
Nach dem Ski-Unfall von Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus, bei dem eine Frau getötet und der Politiker selbst schwer verletzt worden war, ist besonders das Thema Kopfschutz bei Wintersportlern präsent. "Der Unfall ist Auslöser gewesen für extreme Entwicklungen", sagte der Geschäftsführer des Händlerverbundes Sport 2000, Andreas Rudolf.
Die Nachfrage nach schützendem Zubehör ist groß. Protektoren im Outfit, Helme und Skibrillen seien in dieser Saison zu Verkaufsschlagern geworden, meldeten Händler. Nach Angaben des Bundesverbandes der Deutschen Sportartikel-Industrie (BSI) kauften Sportbegeisterte bis Mitte der Saison schon 1,3 Millionen Helme. In den vergangenen Jahren seien es im Schnitt nur 800.000 Helme gewesen. Zeitweise seien 2600 Helme pro Tag produziert und ausgeliefert worden. Doch selbst das reichte nicht aus. "Jeder ist ausverkauft mit Helmen", sagte Rudolf.
Neu ist das Thema Sicherheit im Wintersport eigentlich nicht. Es sei aber "das Gebot der Stunde", sagte der Präsident des Verbandes Deutscher Sportfachhandel (VDS), Werner Haizmann. Doch mit einfachen Schutzhelmen und langweiligen Knieschonern ist es nicht getan. Die Hersteller verleihen ihrem Sicherheitszubehör allerlei Attribute; bequemer, leichter und stilvoller soll es sein - und hochmodern.
Eine erstmals in Europa präsentierte Skibrille, die ähnlich wie ein LCD-Bildschirm funktioniert, passt sich auf Knopfdruck wechselnden Lichtverhältnissen an. So soll sie Skifahrer und Snowboarder besser schützen, wenn sie beispielsweise an sonnigen Hängen unterwegs sind. Auch Hersteller von Schonern für Rücken, Knie und Ellbogen setzen auf Hightech-Materialien. "Noch einmal leichter, flacher, dazu beweglich und damit kaum sichtbar" solle der Schutz sein, teilten die ispo-Veranstalter mit. Aussteller zeigen beispielsweise Protektoren, die sich erst beim Sturz verhärten - und bis dahin große Beweglichkeit zulassen.
Mehrheit der Deutschen für Helmpflicht beim Skifahren
Nach dem schweren Skiunfall Althaus' sind die meisten Deutschen für eine Helmpflicht beim Skifahren. Bei einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid im Auftrag der "Bild am Sonntag" stimmten 82 Prozent einem Helmzwang für Skifahrer zu. 17 Prozent sind dagegen. In Westdeutschland sprachen sich 80 Prozent dafür aus, im Osten 89 Prozent. Für die Untersuchung befragten die Meinungsforscher am 8. Januar 2009 501 Bundesbürger.
Maria Riesch befürwortet Helmpflicht für alle Skifahrer
Profi-Skirennfahrerin Maria Riesch hat sich für die Einführung einer Helmpflicht auf allen Ski-Pisten ausgesprochen. "Ich fände eine Helmpflicht sinnvoll", sagte die Skirennfahrerin am Rande der Ski-WM in Val d'Isère. "Selbst wenn man gut aufpasst, ist Skifahren gefährlich, und es können schlimme Unfälle passieren." Eine solche Vorschrift löse aus Sicht der Partenkirchenerin auch das Problem, dass Jugendliche einen Helm nicht schick genug finden könnten. "Dann hätte es einfach jeder auf und es könnte auch nicht mehr uncool sein", meinte sie.

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09.03.2009 / mp mit Material von dpa
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