Pedro Afonso fordert größere Schutzgebiete für Fische
Auf den Azoren hat der Biologe festgestellt: Sie benötigen mehr Raum als gedacht
Pedro Afonso hat den Lebensraum der Fische durchmessen
Der Biologe Pedro Afonso von der Universität der Azoren fordert größere Schutzgebiete für Fische. "Bestimme Brassenarten suchen tieferes Wasser auf, wenn sie größer werden, und erschließen sich auch ein immer größeres Territorium. Wenn sie ausgewachsen sind, kann das zwei Kilometer Radius umspannen - und wir dachten bisher, sie bleiben immer an einem relativ überschaubaren Ort." Makrelen verlassen oft wochenlang den Empfangsbereich für die kleinen Sender, die Afonso ihnen implantiert.
"Viele Fischarten sind voneinander abhängig, haben aber ganz unterschiedliche Anforderungen an ihren Lebensraum", weiß Afonso. "Bernsteinmakrelen kommen nur im Somme zu den Azoren. Wir gehen davon aus, dass sie in einem Jahresrhythmus weite Strecken durch die Ozeane wandern. Die Azoren scheinen die nördliche Grenze dieser Wanderungen zu sein." Papageienfische sind dagegen ortsstabil.
300.000 Quadratkilometer See sind im Nordatlantik geschützt
Am Mittelozeanischen Rücken tummelt sich Vielfalt
Im Juni 2008 haben die 15 Staaten des Oslo-Paris-Abkommens zur Bewahrung des Nordost-Atlantiks ein 300.000 Quadratkilometer großes Ozean-Gebiet unter Naturschutz gestellt. Die Untersee-Bergkette entlang des Mittelatlantischen Rückens gilt als artenreicher Lebensraum. Wale, Haie und Knochenfische fänden an den bis zu 3500 Meter hohen Unterwasser-Gipfeln reichlich Nahrung und gute Bedingungen zur Fortpflanzung, so die Umweltstiftung "World Wide Fund for Nature" ( WWF). Auch für Schwämme und Korallen seien die "Alpen der Tiefsee" ein Paradies. Da in diesem Gebiet kaltes, nährstoffreiches Wasser auf den warmen Golfstrom trifft, herrschten hier ideale Bedingungen für die Produktion von Plankton.
Der Mittelatlantische Rücken ist den Angaben zufolge neben einem kleineren Gebiet im Mittelmeer weltweit erst das zweite Schutzgebiet außerhalb nationaler Gewässer. Bislang stehe erst knapp ein halbes Prozent der Ozean-Gesamtfläche unter Schutz. Bedroht sind die Seegebiete vor allem durch die Tiefseefischerei. Bodenschleppnetze hinterließen Schneisen der Verwüstung an den Seebergen und am Meersboden, erklärte der WWF. Die Fischereikommission für den Nordost-Atlantik habe die Bodenfischerei bereits zuvor in einigen Gebieten eingeschränkt. Diese Tabuzonen würden jetzt ausgeweitet.
WWF: Mehr als drei Viertel der Fischbestände überfischt
Zahlreiche Arten sind überfischt
Mehr als drei Viertel der weltweiten Fischbestände sind nach Angaben der Umweltorganisation bis an ihre Grenzen ausgebeutet und überfischt. Besonders gefährdet sei der Rotbarsch, auf den Verbraucher besser verzichten sollten, teilte die Organisation mit. Beim Fang dieser Fische würden außerdem Jahrtausende alte Kaltwasserkorallen zerstört. Der WWF fordert daher, die Tiefsee-Fischerei komplett einzustellen und ruft dazu auf, Fisch mit dem blauen Öko-Siegel des "Marine Stewardship Council" (MSC) zu kaufen.
Der Fang in der Nordsee verursacht ebenfalls Schäden. "Wer Scholle, Seezunge oder Krabben isst, muss sich klar sein, dass in den Netzen ein Vielfaches an anderen Meerestieren verendet", erklärte Heike Vesper vom WWF. Jeder Deutsche isst laut WWF pro Jahr im Schnitt 16,4 Kilogramm Fisch. 85 Prozent davon seien importiert.
Die Verbraucher sollten die Finger ebenfalls von tropischen Shrimps lassen, empfahlen die Umweltschützer. Für die Zuchtanlagen würden an der südamerikanischen Pazifikküste Mangrovenwälder abgeholzt. Beim Fang von Jungtieren für die Zuchtstationen gingen außerdem pro Krabbe ungefähr 100 weitere Fische ins Netz.
Auch die Paella aus dem Tiefkühlfach oder der Dose hat es laut Vesper in sich. Die Herkunftsländer der darin enthaltenen Thunfische, Tintenfische, Sardinen und Makrelen seien oft nicht erkennbar. Häufig handele es sich um Fische aus westafrikanischen Gewässern, wo Fangflotten der Industriestaaten die Meere ausbeuteten. Als Nahrung für die einheimische Bevölkerung bleibe nicht viel übrig.
Fehlende Kontrollen, zu hohe Fangquoten, zerstörerische Fanggeräte und fehlende Schutzgebiete sind den Umweltschützern zufolge die Ursache für die dramatische Situation der Fischbestände. Ende dieser Woche entscheiden die EU-Fischereiminister in Brüssel über die Fangquote in der Nordsee und im Nordostatlantik. Der WWF hofft, dass zukünftig verboten wird, verkaufbare Fische über Bord zu werfen, nur weil sie weniger Profit bringen als andere.


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02.03.2009 / mp mit Material von dpa und epd
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