Schweizer Firma gewinnt aus Plastikmüll Öl zum Heizen
Zu Beginn sortiert eine Anlage nützlichen Kunststoff aus den gesammelten Abfällen
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"Wir achten darauf, dass wir das Plastik möglichst lange im Kreislauf behalten", erklärt Joe Imgrüth, Geschäftsführer der "plastOil AG". Das Unternehmen mit Sitz im Schweizer Baar wandelt in einer großtechnischen Anlage 8000 Tonnen Plastikabfall pro Jahr in Heizöl um. Damit will es den Lebenszyklus von Plastikprodukten erweitern, so die Idee der Firmeninhaber. Zuerst müssen die Mitarbeiter den Müll für die Anlage sortieren. Weiße Folie wird dabei herausgesucht und danach noch einmal verwertet.
"Die Menschen werfen leider alles weg und schauen nicht, was sie wohin werfen", stellt der Leiter der Kunststoffsortieranlage, André Camenzind, fest. "Deshalb haben wir sehr viel Fremdstoffe, die wir aussortieren: Elektroteile, Holz, allgemeiner Abfall. Auch Hartkunststoff wird aussortiert." Gäbe man gute Kunststoffe zur Verölung, ginge Geld verloren.
Das Unternehmen hat die Anlage mit einem Filter erweitert
Ein Filter erkennt auch PVC
Verschiedene Kunststoffe zusammenkommen, ergeben sich weitere Probleme, wenn die Mitarbeiter das Öl gewinnen. "Ein Problem ist der Chlorgehalt", sagt der Chemiker Urs Jakober. Da das Öl aus verschiedenen Kunststoffen gewonnen werde, könne in einigen PVC enthalten sein. "Das führt dazu, dass der Chlorgehalt im Öl zu hoch ist. Das wäre nicht sehr umweltfreundlich." Um das Problem zu beheben hat Imgrüth mit einer Filteranlage mit Infrarottechnik nachgerüstet, die PVC erkennt. "Wir können mit dieser Anlage nun das PVC herausnehmen und auch das 'PET' und Brennstoffe wie Buntmetall", sagt Imgrüth. "Diese Maschine sieht, was man mit dem Auge nicht sieht: Sie erkennt, ob ein Kunststoff PVC enthält und sortiert diesen aus."
500 Liter Öl pro Stunde schafft die Anlage und so kann nach fünf Stunden der Jahresbedarf eines Einfamilienhauses gedeckt werden. "Wir haben Projekte im Deponiebereich, die 100 Jahre laufen", berichtet Imgrüth. "Wir denken langfristig. Wir suchen gute Lösungen für die vielen Abfälle, die wir haben. Gleichzeitig sind wir eine privatwirtschaftliche Firma, die am Schluss damit auch Geld verdienen will."
Wenn der Abfall sortiert ist, gelangt Kunststoff in die Verölung
Das Verölen ist ein aufwendiger Prozess
Für den Verölungsprozess wird der gesammelte, lose oder in Ballen angelieferte Kunststoffabfall in kleine Teile aufgearbeitet. Im ersten Schritt sorgt eine leistungsstarke Shreddertechnik für homogene Schnitzel, die das anschließende Verfahren automatisieren. Dem Plastik anhaftende Fremd- und Störstoffe wie Holz, Papier, Metalle oder Glas werden mittels Magnettechnik und einer speziell konstruierten Reinigungstrommel im Trockenverfahren ausgeschieden und separiert. Die Zuführung in den Verölungsprozess wird vollautomatisch gesteuert.
Heizöl "extra leicht" entsteht am Ende als Recyclingprodukt
Frisches Öl aus altem Plastik
Die aufbereiteten Kunststoffabfälle sollen von der Zusammensetzung und Qualität Heizöl "extra leicht" liefern. Gelangt der Kunststoff in den Verölungsprozess, wird er zunächst in einem mehrstufigen, drucklosen Reaktorsystem unter Luftausschluss geschmolzen, gecrackt und verdampft. Die Reaktoren werden über ein Wärmeträgersystem beheizt. Die Crackgase strömen aus dem Reaktorsystem in den Kondensatoren. Die festen- und kohlenstoffhaltigen Rückstände werden aus dem Sumpf der Reaktoren in den Rückstandstank geleitet.
Die Kodensatoren kühlen die verdampften Crackprodukte ab, die danach zu Produktöl verflüssigt werden. Nicht kodensierte Crackgase dienen als Heizgase im internen Aufheizprozess. Die überschüssige Wärme gelangt über Kühler in die Umgebungsluft. Mit dem Aufheizsystem wird die benötigte Wärme erzeugt, um die Reaktoren zu versorgen. Das Wärmeträgeröl wird hautsächlich mit nicht-kondensierbaren Crackgasen durch das spezielle Brennersystem gefeuert. Die Konditionierung erlaubt eine Neutralisation und Filterung des Produktöls und der Prozessgase, sofern diese in Abhängigkeit der eingetragenen Kunststoffqualität erforderlich werden.


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11.02.2009 / jus mit Pressematerial des Innovationspreises des Kantons Zug 2006
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