27 Kilometer Damm sollen Mittelmeer vor Fluten schützen
Österreichischer Architekt Michael Prachensky will Klimawandel-Folgen aufhalten
Ein Damm soll die Straße von Gibraltar abschotten
Geht es nach dem österreichischen Architekten Michael Prachensky, so soll ein 27 Kilometer langer Damm von Marokko bis zur spanischen Stadt Tarifa die Straße von Gibraltar abschotten und so verhindern, dass der Klimawandel den Meeresspiegel des Mittelmeers weiter in die Höhe treibt. "Technisch ist dieser Damm sehr einfach zu bauen", meint Prachensky. "Nur die ökologischen Anforderungen sind sehr groß. Diese kleine Differenz von 20 bis 80 Zentimeter anzuhalten, ist eine große ökologische Herausforderung."
Kontrollierbare Öffnungen hielten dann das steigende Atlantikwasser zurück, lassen aber genug Wasser hindurch, dass der Verlust durch Verdunstung ausgeglichen wird. Prachensky plant Röhren für Wale und Delfine, die bis zu bis zu 20 Meter breit sind. Außerdem denkt er an weiträumige Öffnungen im oberen Teil des Damms, über die Fische passieren können.
Meeresströmungen bringen Nährstoffe in das Mittelmeer
Der Gibraltar-Strom erhält buntes Leben in der See
"Wale und Delfine brauchen das ganze Gebiet", sagt Dr. Renaud de Stéphanis von der Stiftung zum Schutz und zur Erforschung der Wale in Tarifa. "Wenn man ihre Verbände aufbricht, dann wird das ein Desaster für sie genauso wie für die kleinen Fischschwärme. Wenn sich die Strömung ändert, dann wird auch das Hochwirbeln des nährstoffreichen Tiefenwassers unterbrochen - dann gibt es hier nicht mehr genug Nahrung für sie." Durch die Straße von Gibraltar bewegen sich zwei gegenläufige Strömungen: An der Oberfläche fließt ein kalter Strom; 1,5 Millionen Kubikmeter Wasser drängen pro Sekunde durch die Meerenge gen Osten ins Mittelmeer. Darunter gibt es einen warmen, aufgrund seines Salzgehalts schweren, Strom.
Diese Gegebenheiten wurden nicht nur zahlreichen Schiffskapitänen zum Verhängnis, sondern schufen auch die Grundlage für eine artenreiche und bunte Unterwasserwelt. Delfine, Haie, Tintenfische und Langusten sind nur einige der Tierarten, die auf einem Tauchgang in die Meerenge beobachtet wurden. Diese ausgeprägte Fauna ist unter anderem auf den planktonreichen, atlantischen Strom zurückzuführen.
Steigender Meeresspiegel bedroht die Mittelmeerküsten
Spaniens Küsten sind schon jetzt bedroht
Das Mittelmeer ist an Spaniens Küsten als Folge des Klimawandels in 60 Jahren um acht Zentimeter angestiegen. Das geht aus einer Langzeitstudie des Ozeanographischen Instituts (IEO) hervor. Wenn diese Tendenz anhalte, werde der Meeresspiegel bis zum Jahre 2050 um 25 bis 30 weitere Zentimeter gestiegen sein, warnte IEO-Direktor Enrique Tortosa. Nach Schätzungen von Experten der Universität von Kantabrien wird der Meeresspiegel an der nordspanischen Atlantikküste bis 2050 um etwa 35 Zentimeter steigen, am Mittelmeer um 20 und am Golf von Cádiz um 10 Zentimeter.
Flache Küstengegenden drohten dadurch überschwemmt zu werden. Dazu zählten etwa das Mündungsgebiet des Flusses Ebro südlich von Tarragona, der Albufera-See bei Valencia, die Salzwasser-Lagune Mar Menor nahe Murcia oder zahlreiche Strände an der Costa Brava im Nordosten des Landes. Dies bedeutet, dass die Strände um durchschnittlich 15 Meter schmaler werden.
"Ich würde mir zum Beispiel kein Haus in der Strandgegend La Manga (Südostspanien) kaufen", meint der Ozeanograph Costas Raúl Medina. "Das wäre eine schlechte Investition, denn ich bezweifele, dass meine Kinder noch darin werden wohnen können." Auf Mallorca geht eine Studie davon aus, dass bis zum Ende des Jahrhunderts fast alle Strände verschwinden. Die Wissenschaftler stellten auch fest, dass die Temperatur des Mittelmeeres um bis zu 0,5 Grad gestiegen und das Wasser salziger geworden ist.


Gibraltar - seit Jahrhunderten ein Stein des Anstoßes



Mittelmeer - eine Geschichte von Werden und Vergehen


1928 wollte der Münchner Architekt bereits einen Damm bei Gibraltar bauen, um das Mittelmeer trocken zu legen und so das Land Atlantropa schaffen.

Kohlendioxid-Ausstoß nimmt trotz Klima-Warnungen zu
Wärmeres Klima bringt mehr Regen als bislang vermutet
"Ewiges" Eis am Nordpol schrumpft trotz kalten Winters
"Keiner weiß, was Grönlands größter Gletscher macht"
Klimawandel könnte Geschlechter der Äschen verändern
WHO befürchtet mehr Krankheiten durch Klimawandel
Fehlende Eisdecke lässt Ringelrobbenbabys verhungern
Adeliepinguine auf der antarktischen Halbinsel bedroht
Schwellenländer heizen das Klima stärker an als erwartet
Klimawandel: Alpengletscher schrumpfen um zwei Drittel
Klimawandel: Bis 2030 mehr Hunger in Afrika und Asien
Forscher sehen Risiko für tropische Stürme im Mittelmeer

01.10.2008 / mp mit Material von dpa
zurück Seitenanfang Druckversion Artikel versenden 3sat / nano [E-Mail]