Projekte retten Brandenburgs Adler, Otter und Orchideen
Mit mehr als 300 Paaren brütet die Hälfte der deutschen Fischadler im Bundesland
Vögel finden in Brandenburg gute Nistbedingungen vor
Die Schutzprojekte in Brandenburg zeigen Erfolge: Es gibt fast wieder hundert Großtrappen, nachdem sie kurz vor dem Aussterben standen. In Brandenburg leben wieder so viele Fischotter, dass das Land sie exportieren kann. Der Oderstör ist wieder eingegliedert, nachdem er vollständig verschwunden gewesen war. In der Elbe schwimmen wieder Lachse, die aus Schweden ausgesetzt wurden. Wanderfalken, Sumpfschildkröten und Orchideen leben wieder auf.
Es leben wieder drei Mal so viele Kraniche, See- und Fischadler im Land wie 20 Jahre zuvor. Mit mehr als 300 Paaren brütet rund die Hälfte der deutschen Fischadler in Brandenburg. Der Bestand habe sich seit 1990 verdreifacht, teilte das brandenburgische Umweltministerium 2007 mit. Zur Unterstützung der spanischen Fischadlerbestände seien seit 2004 rund 70 Jungvögel aus Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern nach Andalusien gebracht worden.
Weitere 20 junge Fischadler, die auf Leitungsmasten eines Energiekonzerns aufgewachsen seien, sollen am Sonnabend vom Berliner Flughafen Tegel aus nach Spanien gebracht werden. In den 1970er Jahren seien Fischadler aufgrund des Einsatzes des Pestizids DDT weltweit in vielen Regionen vom Aussterben bedroht gewesen, heißt es weiter. Ein Viertel bis ein Drittel des Weltbestandes lebe heute in Europa.
Adler-Rettungsprogramm "Kain und Abel" ist erfolgreich
Die Rückkehr der Großtrappen
Ein Programm zur Rettung des bedrohten Schreiadlers in Brandenburg ist nach Überzeugung des Landesumweltamts ein voller Erfolg. Zehn Schreiadler hätten davon profitiert, sagte der Präsident des Umweltamtes, Matthias Freude. Einer davon sei der jetzt auf der Mittelmeerinsel Malta angeschossene "Sigmar". "Vor 150 Jahren war der Schreiadler hier die häufigste Adlerart überhaupt", sagte Freude. "Heute ist es die seltenste Art." Zur Wendezeit habe es noch 34 Paare im Land gegeben. "Jetzt sind es noch 20." Zugleich hätten sich die Zahlen der Seeadler verdoppelt, die der Fischadler sogar verdreifacht.
Das Rettungskonzept "Kain und Abel" macht sich eine einzigartige Besonderheit der Brutbiologie der Schreiadler zu Nutze. "Schreiadler legen zwei Eier", erklärte Freude. "Aber nur eines der Jungen wird groß. Das größere, kräftigere bringt seinen Geschwistervogel regelmäßig in den ersten Lebenstagen um." Dieses Phänomen werde "Kainismus" genannt.
Brandenburger Naturschützer und Wissenschaftler von der Deutschen Wildtierstiftung nehmen nun eines der Jungen aus dem Nest und päppeln es zwei Wochen mit der Hand auf. "Oder sie schieben es einfach einer anderen Greifvogelfamilie unter. Mit Milan oder Bussard klappt das bestens, die stört das gar nicht", sagte Freude. Nach dieser Zeit bringen die Forscher die Jungtiere wieder in ihren ursprünglichen Horst. "Danach sind die Geschwister ein Herz und eine Seele. Das Verhaltensprogramm, das für Aggression und Geschwistermord verantwortlich war, ist dann ausgelaufen."
Freie Bahn für Rothirsch, Fischotter und Biber im Süden
Mit einem Pilotprojekt im Süden Brandenburgs sollen Naturschutzflächen miteinander verbunden werden, um Tieren wie Rothirsch, Fischotter oder Bibern Wanderungen zu ermöglichen. Die zweijährige Startphase wird aus Mitteln der Deutschen Bundesstiftung Umwelt 640.000 Euro erfordern, teilte die Stiftung Naturlandschaften Brandenburg mit. Damit sollen Wege und Übergänge für Tiere geschaffen werden, um sie vor Unfällen zu bewahren. Die ehemaligen Truppenübungsplätze Jüterbog, Heidehof und Lieberose würden damit zur Kernzone des "Ökologischen Korridors Südbrandenburg", der später bei Erfolg erweitert werden könnte.
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12.09.2008 / mp mit Material von epd und dpa
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