Spiegelneuronen bewirken Mitgefühl beim Menschen
Die Nervenzellen werden auch bei Emotionen wie Angst oder Freude aktiv
Spiegelneuronen im Gehirn sind speziellen Nervenzellen, die den Menschen zum sozial mitfühlenden Wesen machen, sagt der Neurobiologe, Arzt und Psychotherapeut Joachim Bauer. Das Besondere an ihnen: Sie rufen im Gehirn beim Betrachten einer Verhaltensweise die gleiche Reaktion hervor, als wäre das Wahrgenommene selbst ausgeführt worden. Das Gehirn spiegelt also das Gegenüber und legt damit die Grundlage für das intuitive Verstehen, was der andere tut - und fühlt.
Die Nervenzellen werden auch dann aktiv, wenn Emotionen wie Angst oder Freude beobachtet werden. Dabei lösen sie die Tendenz aus, das Beobachtete nachzuahmen. Wir lächeln spontan, wenn ein anderer lächelt oder zucken zusammen, wenn sich jemand verletzt.
Spiegelneuronen gehören zur biologischen Grundausstattung des Menschen, so Bauer. Beobachtungen aus der Säuglingsforschung zeigen, dass Neugeborene bereits zum Zeitpunkt der Geburt derartige Nervenzellen besitzen, "die ihnen durch die Gene sozusagen mit auf den Weg gegeben wurden". Daraus jedoch den Schluss zu ziehen, dass Mitgefühl angeboren ist, "wäre völlig daneben", betont der Autor des 2005 erschienenen Buches "Warum ich fühle, was Du fühlst".
Um Empathie entwickeln zu können, braucht es nämlich Vorbilder. So wie Kinder das Sprechen und Laufen lernen müssen, müssen sie auch üben, die Gefühle anderer zu erspüren. "Die Spiegelnervenzellen müssen eingespielt und benutzt werden", so Bauer. "Kleinkinder brauchen deshalb konstante Bezugspersonen, die sich liebevoll und individuell auf sie einlassen und damit psychologische Spiegelerfahrungen möglich machen."
Die emotionalen Zentren im Gehirn müssen durch emotionale Nähe aktiviert werden, sagt auch der Hirnforscher Gerald Hüther von der Universität Göttingen. Bereits das Ungeborene nehme Freude, Ärger oder Angst der Mutter wahr und schwinge bei diesen Gefühlen quasi mit, so der Autor des Buches "Das Geheimnis der ersten neun Monate". Durch diese Erfahrungen im Mutterleib komme das Baby mit einem Bedürfnis nach Verbindung auf die Welt.
Doch die eigentliche Fähigkeit zum Nachempfinden bilde sich in den ersten Lebensjahren aus, "etwa zu dem Zeitpunkt, wo das Kind anfängt, 'Ich' zu sagen". Mitgefühl entstehe, "wenn der andere als etwas Getrenntes, zugleich aber auch Zugehöriges empfunden wird", erläutert Hüther. "Dann ist das Kind auch in der Lage, sich in andere hineinzuversetzen." Aus dem passiven Mitschwingen des Säuglings wird so ein aktives Hineinfühlen.
Keine Verbindung im Gehirn
Es sind die fehlenden Nerven, die nach Expertenmeinung Männer so gefühlskalt machen. Das zumindest behauptet der Medizin-Nobelpreisträger George Snell. "Nur im weiblichen Gehirn bestehen unmittelbare neuronale Verbindungen zwischen Gefühlszentrum und Sprachzentrum", berichtet der Wissenschaftler in der Frauenzeitschrift "Für Sie". Daher falle es Männern schwer, ihre Gefühle auszudrücken.
Beziehungsprobleme spielen beim starken Geschlecht kaum eine Rolle. Eine europaweite Umfrage des belgischen Forschers Léo Jammes hat nach Angaben der Zeitschrift ergeben, dass die Beziehung zum Partner bei "Ihm" in einer Liste der dringenden Lebensfragen nur auf Platz 17 landet: "Männer haben nach eigener Einschätzung Probleme mit der Installation neuer Software. Mit der Achillessehne. Mit dem Zündklappenventil eines Sechszylinders. Aber nicht mit der Beziehung." Erst wenn der Bruch der Partnerschaft drohe, vertrauten sich Männer einem Freund an.


Die Regionen des Gehirns


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17.07.2008 / db, mit Material von epd und dpa
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