"Neue" Weberknecht-Art breitet sich in Deutschland aus
Gattung Leiobunum könnte einheimische Arten durch schiere Masse verdrängen
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Jochen Martens und Axel Schönhofer von der Uni Mainz haben eine Weberknecht-Art entdeckt, die nach Deutschland eingewandert ist: "Die Weberknechtart, die wir am Schloss Freudenberg gefunden haben, gehört zur Gattung Leiobunum", schildert Martens. "Das lässt sich anhand der Genitalorgane ohne weiteres feststellen, denn andere Leiobunum-Arten, die es in der einheimischen Fauna gibt, haben ähnliche Genitalorgane, sind aber ein wenig unterschiedlich strukturiert."
Daher wissen die Forscher, "dass diese Leiobunum-Art aus Deutschland nicht bekannt ist. Wir wissen nicht einmal, ob sie überhaupt schon einen wissenschaftlichen Namen trägt und ob sie gegebenenfalls neu benannt werden muss." Woher sie kommen, ist noch unklar. "Theoretisch reichen wenige Ei-Gelege aus, um viele hundert Tiere schlüpfen zu lassen", meint Schönhofer.
"Wir vermuten allerdings, dass eine ganze Population dieser Tiere verschleppt worden ist und dadurch natürlich noch viel mehr Eier gelegt werden können." Damit bedrohe sie die einheimische Fauna, fürchtet Martens: "Sie ist offenbar in der Lage, in relativ kurzer Zeit große Populationen von Hunderten und gar Tausenden von Individuen in einem eng begrenzten Raum aufzubauen." "Das gibt zu Bedenken Anlass, weil diese vielen Tiere Nahrung brauchen und dass ihnen allein durch die große Zahl der Tiere es gelingen könnte, einheimische Weberknechtarten, mit denen sie jetzt noch zusammen leben, zu verdrängen - vielleicht durch Nahrungskonkurrenz, vielleicht aber auch, indem sie die Jungtiere dieser anderen Arten auffressen."
Die Tiere sind streng genommen keine Spinnen, sondern zählen zu den mit diesen verwandten Spinnentieren. Die Spinnen finden sich zu Schlafgemeinschaften zusammen. Der Körper hat einen Durchmesser von einem halben Zentimeter, die Beinspannweite bringt es dagegen auf bis zu 20 Zentimeter. Gefunden wurden sie bisher auf Gebäudewänden oder seltener in felsähnlichen Biotopen in Wäldern.
Kommt man den Weberknechten nah, bewegen sie sich
Während die Jungtiere am Boden leben, ruhen die ausgewachsenen Weberknechte tagsüber vor allem in großen Klumpen aus Dutzenden bis Hunderten Tieren an leicht abgedunkelten Stellen in Mauerwinkeln, Hauswänden und unter überhängenden Dächern. Nachts schwärmen sie dann aus und begeben sich auf Jagd nach Futter. Die Spinnenklumpen sind allerdings schnell aus der Ruhe zu bringen: Kommt man ihnen etwa zu nahe, beginnen die Weberknechte, sich rhythmisch auf und ab zu bewegen.
Bei sinkenden Temperaturen werden die Populationen immer kleiner. So wurden etwa an der Fundstelle bei Essen zunächst rund 570 Exemplare gezählt, von September bis Dezember wurden es aber immer weniger, und nach einigen Frosttagen waren alle Spinnen verschwunden.
Die Spinnen sind ungefährlich: Sie haben keine Giftdrüsen
"Sie sind absolut ungefährlich, denn sie haben keine Giftdrüsen", betont Spinnen-Forscher Peter Jäger vom Forschungsinstitut Senckenberg in Frankfurt am Main. Von den Tieren gehe keinerlei Gefahr für Menschen aus, die größte Gefahr sei eine mögliche Verdrängung einheimischer Arten. "Wir können aber nicht in die Zukunft sehen, wie sich die Art ausbreiten wird", erklärt Jäger. Man vermutet, dass die Art eingeschleppt wurde, - woher, ist aber trotz intensiver Nachforschungen bisher unklar. Etwa seit dem Jahr 2000 breitet sich diese noch nicht identifizierte Weberknecht-Art in Mitteleuropa aus.
Erstmals wurde die neue Weberknecht-Art im Oktober 2004 in der Nähe des niederländischen Nijmegen registriert. Ein Jahr später wurde auf einem nahe gelegen Industriegelände an einer Hauswand eine ganze Ansammlung bestehend aus Hunderten Tieren gefunden. Ab 2006 wurden die Tiere dann auch in Deutschland entdeckt: Bisher im Ruhrgebiet - etwa in der Ruine der Isenburg im Wald bei Essen -, im Saarland und in Rheinland-Pfalz. Auch in der Schweiz und in Österreich wurden bereits Exemplare der sehr vermehrungsfreudigen Weberknecht-Art gesichtet.


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14.07.2008 / mp mit Material von ap
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