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Zum Einschlafen warnen Chronobiologen vor Licht mit hohem Blauanteil
Schlaflos durch die Nacht
Chronobiologen warnen vor Blaulicht
"Die molekularen Komponenten der inneren Uhr sind auch Komponenten, die für den Stoffwechsel wichtig sind", so der Berliner Chronobiologe Achim Kramer.
Blauanteile im Licht takten unsere innere Uhr
Mann vor Laptop
Der Blauanteil im Licht wirkt auf das Melatonin - und das hält uns wach
"Wenn wir am Tag eine Beleuchtung mit einem hohen Blauanteil haben, stärkt das die Aktivität und das Gehirn wird aktiviert, als ob wir Kaffee trinken", sagt Prof. Dieter Kunz. "Die innere Uhr wird im wesentlichen durch die Blauanteile im Licht getaktet", so der Schlafforscher von der Berliner Charité. Das wirkt auf das "Schlafhormon" Melatonin. So kann etwa ein verringerter Blauanteil im Spektrum des Lichtes Studien zufolge dafür sorgen, dass der Körper in den Abendstunden verstärkt Melatonin ausschüttet und ermüdet. Der Tag-Nacht-Rhythmus wird zwar von vielen Faktoren beeinflusst, hauptsächlich aber von den Lichtverhältnissen.


Lichteinfall beim Schlaf stört Tag-Nacht-Rhythmus
Störkaktor der inneren Uhr
Bereits 1998 hat ein Forscherteam um Jonathan Gastel vom "National Institute of Child Health and Human Development" in Bethesda (US-Staat Maryland) gezeigt, dass Lichteinfall beim Schlaf den persönlichen Tag-Nacht-Rhythmus eines Menschen empfindlich stören kann. Danach unterdrückt Lichteinfall während der Nacht die Aktivität eines Enzyms (N-Acetyltransferase oder AA-NAT), das zur Produktion des Melatonins erforderlich ist. Dieser Ablauf wird durch den ständigen Einfall von Licht in der Nacht, etwa durch eine vergessene Lampe, wie durch einen molekularen Schalter außer Kraft gesetzt, schrieben Gastel und Kollegen. Kurz zuvor hatten andere US-Forscher entdeckt, dass sich die innere Uhr nach einem "Jetlag" durch Lichteinwirkung in den Kniekehlen stellen lässt.


Gewöhnliche Lampen unterdrücken Melatonin
Kind hüpft
Künstliches Licht hält wach
"Es hat sich gezeigt, dass herkömmliche Lampen bereits zu einer in Abendstunden ungewollten Melatonin-Unterdrückung und vermehrter Wachheit führen", sagt Heinz Schöpp vom Leibniz-Institut für Plasmaforschung und Technologie in Greifswald. "Wenn Melatonin akut unterdrückt wird, ist man zum einen nicht mehr so müde in der Nacht, aber am nächsten Tag ist man auch nicht mehr so wach", schildert Kunz. "Wenn Sie das lange genug machen, entstehen Erkrankungen aus jedem Bereich der Medizin. Wir wissen, dass Schichtarbeiter auch ein erhöhtes Risiko für jede Tumorsorte haben, die bisher untersucht worden ist."



Falsches Licht im Schichtdienst kann krankmachen
Die Arbeitszeit kann die innere Uhr durcheinanderbringen
"Die meisten Menschen, die in der Nachtschicht arbeiten, kommen wegen Schlafstörungen zu uns", berichtet Dr. Friederike Dunkel. "Die Schlafstörungen beginnen mit der ersten Nachtschicht und hören nicht mit der letzten auf, wenn sie sich wieder in die Tagschicht umstellen müssen: Durch die regelmäßigen Wechsel sind diese Schlafstörungen immer präsent." Viele berichten über einen chronischen Schlafmangel, "mit den entsprechenden Konsequenzen für den Arbeitsplatz und das soziale Umfeld."




Glossar
VideoMelatonin
Über das Hormon Melatonin weiß die internationale Wissenschaft bisher nur wenig. Bekannt ist, dass es die Schlaf- und Wachfunktion des menschlichen Körpers regelt.
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VideoBesser Buch als E-Book
Das Licht der Leuchtdioden von Computerbildschirmen und E-Book-Readern lässt Menschen schlechter schlafen, sagt die Basler Chronobiologin Dr. Sylvia Frey. (Beitrag vom 14. Januar 2013)
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Wenn Verliebte das Bild ihres Partners sehen, dann reagiert ihr Gehirn wie das eines Drogensüchtigen, der Kokain, Alkohol oder ein anderes Suchtmittel gezeigt bekommt.
Donnerstag, 30. April 2013 ab 20.15 Uhr in 3sat
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Info
Myriam Juda und Celine Vetter von der Universität München wollen nach nach angeborenen Eigenschaften bei den Arbeitern suchen, die darüber entscheiden, ob Schichtarbeit gut oder schlecht verträglich ist. Ergebnisse ihrer Studien liegen noch nicht vor.
Literatur
Gastel JA et al (1998) Melatonin Production: Proteasomal Proteolysis in Serotonin N-Acetyltransferase Regulation. Science 279: 1358 - 1360