Projekte bewahren genetische Vielfalt in Deutschland
Forscher versuchen den Artenreichtum der Pflanzenwelt zu schützen und nutzen
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Forscher versuchen in verschiedenen Projekten, die Artenvielfalt von Wild- und älteren Kulturpflanzen zu erhalten und zu nutzen. So verwenden Pflanzenzüchter um Thomas Nothnagel vom Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen die Gene der Wildmöhre, um in die Kulturkarotte Gene für Trockenresistenz einzukreuzen. Eine Variante ist bereits gegen Trockenheit, Salzstress und Pilze unempfindlicher geworden. Bis zu zwanzig Jahre dauert es, bis eine neue Sorte entwickelt und zugelassen ist.
Grundlage ist die Vielfalt der Natur, weiß der Pflanzengenetiker Lothar Frese vom Bundesforschungsinstitut. Schließlich wandele sich das Klima in Deutschland, und die Landwirte brauchen angepasste Pflanzen, die im wärmeren Klima gedeihen können. "Die Pflanzenzüchtung kann diese Anpassungsleistung durch Selektion erbringen. Selektion setzt genetische Vielfalt voraus - diese genetische Vielfalt holen wir uns aus den Wildarten und anderen exotischen Formen."
Dabei sind die Wildformen nicht immer leicht zu finden: "Es kostet einige Anstrengung, solch eine seltene Pflanze in Deutschland zu finden. Zunächst einmal ist es einfach eine Recherchearbeit hinterm Bildschirm, Telefonieren mit Kollegen vom Naturschutz und zum Schluss ist es einfach nur die Spürnase, die einem dann zum Material hinführt." Catherina Merx vom Dreschflegel-Schaugarten in Schönhagen weiß: "Kulturpflanzen leben davon, dass Menschen sie in Gärten aussähen und vermehren. Sie haben sich gegenüber den Wildpflanzen verändert und gingen verloren, wenn der Mensch sie nicht weiter vermehrte."
Saatgut verliert seine Keimfähigkeit innerhalb weniger Jahre, wenn es nicht mehr ausgesät wird. "Dann kann so eine Pflanze verloren gehen." Die heimische Linse ist so schon verschwunden. Die studierte Landwirtin kultiviert in ihrem Schaugarten diese alten Nutzpflanzen. Mit ihm will sie das Wissen um die alten Kulturpflanzen erhalten und weitergeben. Regelmäßig empfängt sie Schulklassen und andere Besuchergruppen und wirbt für mehr Vielfalt.
"Im Schaugarten zeigen wir nur einen kleinen Ausschnitt, ungefähr 200 Arten, die in Gärten wachsen können. Eigentlich sind es noch viel mehr. Aber was man sieht, sind selten Nutzpflanzen und dann nur zehn oder zwanzig Arten - der Trend setzt sich fort." Der Göttinger Botaniker Stefan Meyer fahndet am Wegesrand nach Wildkräutern, die in Deutschland inzwischen so selten geworden sind, dass sie vom Aussterben bedroht sind. Äcker mit seltenen Pflanzen finde man nur noch an wenigen Plätzen in Deutschland. "Durch die Intensivierung der Landwirtschaft sind solche Flächen wirklich selten geworden, die eine so hohe Biodiversität aufweisen."
Er versucht die artenreichen Äcker zusammen mit den Landwirten zu schützen: "Wir gehen auf die Landwirte zu und machen sie darauf aufmerksam, welche Schätze sie hier haben. Praktisch sieht das so aus: Die Flächen werden ganz normal weiter bearbeitet. Es erfolgt aber kein Herbizideinsatz, eine verminderte Düngung und eine auf den Standort angepasste Bewirtschaftung."
Täglich sterben weltweit schätzungsweise 150 Tier- und Pflanzenarten aus. 41.415 Arten stehen mittlerweile auf der Roten Liste der bedrohten Tier und Pflanzenarten. Weltweit sind 15.500 Arten vom Aussterben bedroht, darunter 23 Prozent aller Säugetiere, 12 Prozent der Vögel und 31 Prozent der Amphibien. Die Gesamtzahl der Arten hat zwischen 1970 und 2000 um 40 Prozent abgenommen.
Schwindende Artenvielfalt in Deutschland
5 Prozent der Pflanzen sind vom Aussterben bedroht,
9 Prozent der Pflanzen stark gefährdet,
12 Prozent der Pflanzen gefährdet und
4 Prozent der Pflanzen gelten als ausgestorben oder verschollen.
Schrumpfende genetische Ressourcen der Nutzpflanzen
70 Prozent unserer Nahrung stammt von nur 12 Pflanzenarten
Von 7000 Nutztierrassen starben in den letzten 15 Jahren 200 aus
Seit 1900 gingen nach Schätzungen der Welternährungs-Organisation 75 Prozent der Nutzpflanzensorten verloren.


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27.05.2008 / mp
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