Adeliepinguine auf der antarktischen Halbinsel bedroht
Biologe zählte in den 1970er Jahren 40.000 und 2007 weniger als 14.000 Brutpaare
Der Adeliepinguin auf der antarktischen Halbinsel ist bedroht, sagt der Ornithologe Dr. Hans-Ulrich Peter von der Uni Jena. Zählte er in den 1970er Jahren noch 40.000 Brutpaare, fand er 2007 weniger als 14.000. "Die Art ist durch die Auswirkungen des Klimawandels gefährdet, weil im Winter weniger Eis vorhanden ist sowie weniger Diatomeen, Kieselalgen, die Nahrung des Krill sind und die wiederum die Nahrung der Pinguine. Gibt es weniger Eis, gibt es weniger Pinguine."
Die globale Erwärmung wirke in der Antarktis fünf Mal stärker als in Europa. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts sind die Durchschnittstemperaturen auf der antarktischen Halbinsel um sechs Grad gestiegen. Hinzu kommt, dass die Anwesenheit der Menschen die Tiere unter Stress setze, seien es die Forscher oder Touristen.
"Wir merken das beim Zählen", schildert die Luxemburger Biologie-Studentin Maude Erasmy. "Die Tiere werden nervös, versuchen sich und ihre Küken zu verteidigen und laufen weg." Der Tübinger Biologie-Student Elias Stich ergänzt: "Wenn Störfaktoren zunehmen - und Touristen sind Störfaktoren -, werden die Nester eher verlassen. Skuas oder Dominikanermöwen haben die Gelegenheit, sich ein Ei oder ein Küken zu schnappen." 1980 kamen 200 Touristen in die Antarktis, 2007 waren es 37.000.
Die Pinguine in der Antarktis reagieren nach Erkenntnis von Polarforschern nervös auf die zunehmende Beliebtheit des Südpols bei Menschen. "Wir sind nicht gegen Tourismus in der Antarktis, aber unkontrollierte Wanderungen zu den Brutplätzen und Tiefflüge über Schutzgebieten sollte es nicht geben", sagte Simone Pfeiffer, Polarforscherin an der Friedrich-Schiller-Universität Jena.
"Riesensturmvögel meiden angestammte Brutplätze, weil sie vor menschlicher Störung fliehen", sagte Pfeiffer. Die Forscher schlagen unter anderem Flugkorridore, festgelegte Wege und Wanderrouten auf dem Eis vor. Auf Initiative Dr. Peters fordert Deutschland jetzt einen umfassenden Katalog von Schutzmaßnahmen vor. Darin sind Vorschläge, wohin Touristen dürfen und wohin nicht, wo Wissenschaftler arbeiten dürfen und welche Gebiete unberührt bleiben müssen.
Im internationalen Polarjahr untersuchen 50.000 Wissenschaftler aus 60 Ländern den Zustand der Pole. Mit 15 Studenten der Universität Jena, aus Thüringen und Russland, aus Luxemburg und Argentinien untersuchte Dr. Peter die Raubmöwen, die Riesensturmvögel und die Kaiser-, die Königs- die Adelie-Pinguine. Die Biologen kartieren, bringen Sender an und verfolgen die Tiere mit GPS-Karten. Auch die Königspinguine sind bedroht, sagen Forscher des Hubert-Curien-Instituts in Straßburg.
Ein Temperaturanstieg von einem Viertel Grad Celsius durch die globale Klimaerwärmung verringere die Zahl der ausgewachsenen Königspinguine in der Antarktis um neun Prozent. Durch die Erderwärmung gebe es weniger der von den Pinguinen verzehrten Fische und Tintenfische. Die Tiere seien gute Indikatoren für Veränderungen im Ökosystem, stellten die Forscher fest.
Esels- und Kehlstreifpinguine haben immer mehr Probleme mit der Nahrungsmittelbeschaffung. Einige Kolonien der Kehlstreifpinguine seien schon um bis zu 60 Prozent geschrumpft. Bestimmte Regionen um die Antarktische Halbinsel erwärmen sich nach WWF-Angaben fünfmal so stark wie die Erde im Durchschnitt. Im Ozean seien die Temperaturen selbst in 3000 Metern Tiefe gestiegen. Dadurch sei das Meereis in den vergangenen 26 Jahren vor der Halbinsel der Westantarktis um 40 Prozent zurückgegangen. Die Halbinsel bildet einen Zipfel der Westantarktis, der südlich von Südamerika weit ins Meer ragt. Während er sich stark erwärmt, wird es in großen Regionen der Antarktis trotz der globalen Erwärmung kühler.
Mit den Veränderungen im Eis sinkt auch das Nahrungsangebot für die Pinguine. So gibt es weniger Kleinkrebse im Südpolarmeer, eines der Hauptnahrungsmittel für Esels- und Kehlstreifpinguine. Die Kaiserpinguine müssen ihre Jungen zudem auf immer dünnerem Eis großziehen. Die Eisflächen brechen öfter ab. "Je früher das winterliche Packeis aufbricht, desto mehr Eier und Jungtiere werden von den Fluten verschlungen", sagt Volker Homes vom WWF Deutschland.


Königspinguine in Gefahr - Wenige Grad gefärden die Tiere

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26.02.2008 / mp
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