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Ein verheerender Pilz macht überall auf der Welt den Fröschen den Garaus
Ein warmes Bad gegen einen tödlichen Pilz
Der Chytridpilz bedroht tausende Amphibien
Ein warmes Bad mit Pilzgiften und einem Bakteriencocktail - so wollen Biologen das Amphibiensterben aufhalten.
"Bisher haben sich zwei Bekämpfungsmethoden gegen den Chytridpilz bewährt", schildert die Zürcher Zoologin Corina Geiger. "Bei der einen erhöht man die Temperatur fünf Tage lang auf 30 Grad und danach sind 90 Prozent der Tiere pilzfrei. Bei der anderen, der sicheren, Methode löst man ein Fungizid im Wasser auf und badet danach das Tier in dieser Lösung."

Der Evolutionsbiologe Dr. Douglas Woodhams ergänzt: "Wir könnten dann ein nützliches Bakterium als Langzeitschutz in der Wildnis ausbringen. Wenn die Frösche diese Bakterien übertragen, könnten sie sich nicht mehr anstecken, wenn sie einmal eine Infektion überstanden haben." Zusätzlich könnten Wasserflöhe die Pilzsporen aus dem Wasser fressen.

Ebue "Amphibien-Arche" für die Frösche
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Fröschen sieht man den Befall mit dem tödlichen Pilz nicht an
Wissenschaftler um den Zürcher Amphibienforscher Benedikt Schmidt testen, ob ein Medikament gegen den Chytridpilz auch in freier Natur an Fröschen eingesetzt werden kann. Im Labor rettet der Wirkstoff den Amphibien das Leben. Der Chytridpilz bedrohe tausende Froscharten auf der ganzen Welt, sagten Biologen bei einer Fachtagung im Zoo von Atlanta. Wissenschaftler der Initiative "Amphibienarche" haben eine Art "Arche Noah" gefordert, um Frösche zu retten.


Wissenschaftler lernen, wie man Amphibien hält
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Im Labor lässt sich der Pilz bekämpfen
"Die größte Schwierigkeit für uns ist es zu lernen, wie wir die Tiere für die Nachzucht halten können und wie wir in Gefangenschaft auch ökologische Forschung durchführen können", sagt Nguyen Quang Truong von der Vietnamesischen Akademie der Wissenschaft und Technologie. "Experten des Kölner Zoos kommen nach Vietnam, um uns zu helfen. Sie zeigen uns, wie man die Anlagen für eine optimale Haltung der Tiere in Gefangenschaft organisiert und sie helfen uns, ein Zuchtprogramm aufzubauen." Der Zipfelkrötenfrosch aus den Regenwäldern Südostasiens konnte in Köln erfolgreich nachgezüchtet werden.



Größte Krise seit dem Aussterben der Dinosaurier
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Der Mensch will die Amphibien retten
Das Projekt "Amphibien-Arche" sei "die größte Herausforderung zur Artenrettung in der Geschichte der Menschheit", sagt Zipple. Der Froschschutz stehe vor einer großen Herausforderung, da die Tiere auf Menschen nicht den gleichen Reiz ausübten wie etwa Pandabären. Die Welt habe seit dem Aussterben der Dinosaurier keine vergleichbare Krise erlebt. "Bis zur Hälfte aller 6000 bekannten Arten sind vom Aussterben bedroht", beklagt der Frosch-Forscher. Bis zu 170 Arten sind dem mysteriösen Parasiten bereits zum Opfer gefallen, weitere 1900 sind Schätzungen zufolge von der Ausrottung bedroht. Zehn Froscharten sterben nach Ansicht von Wissenschaftlern pro Jahr durch den Chytridpilz aus.


Die ersten Arten können bereits ausgelöscht sein
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Die Forscher arbeiten gegen die Zeit
Jungfer befürchtet, dass die Froschart in der Zwischenzeit ausgestorben sei. "Ich hatte damals leider nur zwei Weibchen, so dass ich keine nachzüchten konnte. Die einzigen bekannten Exemplare, die weltweit zur Verfügung stehen, sind die zwei in Alkohol. Und ich gehe davon aus, dass die Art in der Natur ausgestorben ist, bevor sie überhaupt einen wissenschaftlichen Namen bekommen hat." Von Australien bis Costa Rica sind inzwischen zahlreiche Arten verschwunden, und auch in Japan wurden die ersten kranken Frösche entdeckt. Im Yosemite-Nationalpark in Kalifornien sind mittlerweile 85 Prozent des gelb-beinigen Bergfroschs vom Chytridpilz befallen. Auch Salamander und andere Amphibien sind bedroht.


Der Krallenfrosch trägt den Pilz auf seiner Haut
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Selbst über den Ursprung des Pilzes herrscht Unsicherheit
Die Forscher vermuten den Ursprung des tödlichen Amphibienpilzes in Afrika: Der dort lebende Krallenfrosch Xenopus laevis trägt den Parasiten auf seiner Haut, ist aber immun gegen dessen tödliche Wirkung. "Das ist aber eine Hypothese, die noch überprüft werden muss", so Schmidt. Seit Jahrzehnten wird die Spezies für Forschungszwecke in alle Welt verschifft. So könnte sich auch der Pilz auf anderen Kontinenten verbreitet haben. Bereits in den 1940er Jahren wurde der Krallenfrosch zudem in Krankenhäusern für Schwangerschaftstests verwendet. Injektionen mit dem Urin einer schwangeren Frau lösen bei den Tieren die Eiproduktion aus.


UV-Strahlung und Umweltchemikalien wirken mit
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Biologen suchen nach einem Cocktail von Ursachen
Dabei ist der Pilz keineswegs die einzige Bedrohung für Amphibien, wie Atlantas früherer Zooleiter George Rabb erklärt, der sich ebenfalls für die Initiative engagiert. Auch andere Faktoren wie die stärkere UV-Einstrahlung durch die dünne Ozonschicht oder Chemikalien aus der Landwirtschaft könnten eine Rolle spielen. Der Parasit töte die Tiere lediglich viel schneller als die Umweltverschmutzung und der Klimawandel. Ist der Pilz besiegt, müssen die wieder ausgesetzten Populationen deshalb weiter überwacht werden. Das Quarantäneprogramm ist allenfalls eine Übergangslösung. "Mit der globalen Erwärmung und dem Müllhaufen, den wir in die Atmosphäre blasen, wird es auch weiterhin Risiken geben."



Bilder
Seit einigen Jahren ist bekannt, dass manche der Gifte in Baum- und Pfeilgiftfröschen eine pharmakologische Wirkung besitzen. Die farbenfohe Gruppe dieser kleinen Amphibien erweist sich damit immer mehr als lohnende Quelle medizinisch wertvoller Substanzen.
Literatur
Woodhams DC et al (2011) Mitigating amphibian disease: strategies to maintain wild populations and control chytridiomycosis. Frontiers Zool 8, DOI 10.1186/1742-9994-8-8 Tobler U, Schmidt BR (2010) Within- and among-population variation in chytridiomycosis-induced morthality in toad Alytes obstetricans. PLoS ONE 56: e10927