Selbst die Polizei nutzt Trojaner bei der Überwachung
In Ausnahmefällen sollen so künftig einzelne Computer überwacht werden können
"Die Vorstellung, dass auf der einen Seite der Beamte vor dem PC sitzt und genau sieht, was der Betroffene oder der Observierte sieht, ist sehr unwahrscheinlich, weil man dafür sehr viel an Daten transferieren müsste, und sobald man ein halbwegs sicherheitsaffiner Anwender ist, würde man das sofort bemerken", sagt Josef Pichlmayr, Antiviren-Experteder Firma "Ikarus Software". Über kleine Spionageprogramme (Trojaner) soll künftig die Exekutive in Ausnahmefällen einzelne PCs überwachen können.
Kennt man einmal das Surfverhalten einer Person, lassen sich auch Schwachstellen zum Einschleusen eines Trojaners finden und dann all seine Wege verfolgen. "Wenn man direkt beim Provider ansetzt und direkt im Datenverkehr (Traffic) mitliest, mitschneidet, mitkopiert, dann wird das dem Anwender im Regelfall nicht auffallen", sagt Pichlmayr.
"Da gibt es genug Technologien, mit denen man es absolut versteckt machen kann. Das Einzige, wie man sich als Anwender davor schützen könnte, wäre, nur noch verschlüsselt zu kommunizieren oder über anonyme Server ins Netz zu gehen, aber selbst da gibt es Grenzen. Ein gewisses Userverhalten wird sich beim Provider immer ableiten lassen."
Künftig wird für die Online-Überwachung ein Provider den Datenstrom eines Verdächtigen auf einen transparenten Rechnernetz (Proxi-Server) umleiten müssen. Ist ein Polizeitrojaner erfolgreich platziert, kann die Behörde Passwörter und Keys für Verschlüsselung mitlesen und mithören. Mit jeder übermittelten Datei können weitere Spionageprogramme nachgeladen und unbemerkt installiert werden.
Es genügt die besuchten Seiten zu protokollieren, oder die Festplatte unbemerkt nach bestimmten Dateien zu durchsuchen. Das alles gelingt nur, solange man die Netzkennung des Rechners einer Zielperson kennt. Tools zum anonymen Surfen, wie sie frei im Netz erhältlich sind, können die Überwachung erschweren. Schlüsselstelle jeder Onlineüberwachung sind die Provider. Sie müssen laut EU-Verordnung künftig alle Verbindungsdaten speichern und auf Gerichtsbeschluss den Behörden aushändigen.
Unklar ist neben technischen Fragen noch die Beweiskraft von Onlineüberwachung, denn wenn die Polizei einen Rechner kapern kann, dann könnte das auch ein Dritter tun und belastendes Material unterschieben. In Amerika gibt es bereits etliche Spezialfirmen, die ausschließlich für Behörden Spionagesoftware entwickeln. Noch ist die geplante Online-Überwachung nur für schwere Verbrechen und in Ausnahmefällen vorgesehen. Doch die Datenspuren jedes Einzelnen könnten ausgewertet werden, es kommt nur darauf an, wo man die gesetzliche Grenze zieht.

Der bekannte Mensch: die digitale Welt

Experten bezweifeln, dass Bundestrojaner sich lohnen
Trojaner helfen, Spam-Mails zu verschicken
Die "ars electronica" sagt "Goodbye" zur Privatsphäre
"Big Brother" schreckt in Großbritannien nicht mehr ab
"Big Brother" wird auch im Alltag immer normaler
Experten bezweifeln, dass Bundestrojaner sich lohnen
Regierungskoalition streitet über Anti-Terror-Befugnisse
Biometrie-Daten sollen Sicherheit beim Fliegen erhöhen
123 Millionen Euro für Sicherheitstechnik-Forschung
Hirnströme sind ein mögliches biometrisches Merkmal
Gegen den Terror sind Überwachungskameras machtlos
Bundestag verabschiedet umstrittene Anti-Terror-Datei
Dauerbrenner Videoüberwachung und Anti-Terror-Datei
Überwachung ist nicht nur Fiktion in einem Roman
Google muss Ministerium keine Suchanfragen nennen
Forscher warnen vor Sicherheitslücken bei RFID-Chips
Der Bewerber ist schnell als Partylöwe ausgemacht
Gegoogelte Privatdaten: im Interesse des Unternehmens

12.11.2007 / db
zurück Seitenanfang Druckversion Artikel versenden 3sat / nano [E-Mail]