Mit genug Druck und Kohlendioxid wird alles zu Pulver
Verfahrenstechniker der Ruhr-Universität Bochum machen Stäube für die Industrie
"Die Mühle ist ein klassisches Verfahren, um Lebensmittel in Pulver zu überführen", sagt die Bochumer Verfahrenstechnikerin Dr. Sabine Kareth, "das ist seit Jahrtausenden von der Menschheit erprobt. Aber es gibt Substanzen, die man im klassischen Sinne so nicht verarbeiten kann - da muss man sich andere Tricks einfallen lassen. Ein Trick ist es, hohe Drücke und Kohlendioxid anzuwenden." Selbst Butter wird verpulvert: Die Fette werden zu kleinen Kugeln, die die Industrie weiter verarbeiten kann.
Unter Hochdruck lassen sich Aromen auf Träger aufbringen - Rum wird so ohne Flasche verfügbar. "In meinem Hochdruckprozess baue ich einen Sprühnebel auf , der ganz kleine Tröpfchen aus dem Rumaroma macht", so Dr. Kareth. "Auf diese feinen Tröpfchen gebe ich mein Mehl und habe dann Rumaroma auf dem Mehlstaub. Die kann ich dann zum Beispiel dazugeben, wenn ich Stollen an Weinachten backen will."
Der Lebensmittel-Journalist Helmut Grote sieht einen Zwiespalt: "Man kann sagen: 'Das ist ein Gewinn', aber man kann auch das sagen, 'das ist ein Verlust', weil wir das Lebensmittel im Urzustand gar nicht mehr sehen und gar nicht mehr zu uns nehmen. In dieser verarbeiteten Form kann es auch manipuliert werden, Zusatzstoffe können beigefügt werden, so dass wir nie wieder den Geschmack und auch nicht das Gefühl im Mund wieder erleben können, denn das Originalprodukt hatte."
"Wir haben heute solche Lebensmittel, weil die Gesellschaft, so wie sie sich entwickelt hat, solche Lebensmittel braucht. Wir haben kein Zeit mehr, uns mit den normalen Lebensmitten im Urzustand zu beschäftigen, also eine Suppe zu kochen, sondern wir wollen den Brühwürfen haben, der technologisch verarbeitet ist."
In der Pause gieße man heißes Wasser drauf - "und schon ist es eine Suppe. Und wie die schmeckt, ist dann relativ egal. Hauptsache, es ist eine heiße Suppe in der Pause." Dr. Kareth greift gerne schon mal zu Convenience Food - aber meist kocht sie daheim auf ganz klassische Weise.


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08.06.2007, zuletzt aktualisiert am 13.06.2007 / mp
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