Biolandbau bringt fast so viel Ertrag wie konventioneller
Mikroorganismen, Schädlingsbekämpfer und Regenwürmer verbessern die Ernte
Forscher des Schweizer Instituts für Biologischen Landbau haben gezeigt, dass im Biolandbau die Ernte 80 Prozent des konventionellen Anbaus betragen kann. Zudem schützt der naturbelassene Boden die Pflanzen. Dazu untersuchten das Team um Dr. Andreas Fließbach 30 Jahre ein vormals konventionell bewirtschaftetes Forschungsfeld in Therwil bei Basel. Helfer wie Mikroorganismen, Schädlingsbekämpfer und Regenwürmer verbessern den Boden und Fruchtbarkeit ebenso wie Herbizide, Pestizide und Kunstdünger.
Landwirte, die konventionellen Landbau betreiben, argumentieren oft gegen den Biolandbau, indem sie ihm einen niedrigeren Ertrag zuweisen und behandeln ihre Felder mit allem was die Industrie hergibt. Dies ist teuer und für die Umwelt stark belastend. Die Forschungsgruppe untersuchte die Unterschiede auf einem ehemals konventionell bewirtschafteten Feld in Therwil bei Basel. Nachdem sich der Boden nach mindestens einem Jahrzehnt erholt hatte, werteten sie vor sechs Jahren die ersten Messungen aus.
Regenwürmer verwerten durch ihre Lebensweise als Destruenten abgestorbende Biomasse in neue Nährstoffe und bilden Wanderungsröhren, die den Boden belüften. Als weiterer Effekt wird der Boden aufgelockert, wodurch Wasser in tiefere Bodenschichten vordringt und die eine stärkere Versorgung der Pflanze mit dem kostbaren Gut erfolgt. Beide Wirkungen fördern das Pflanzenwachstum. Bei gerichteten Untersuchungen beobachteten sie auf den Bio-Parzellen ein signifikante Erhöhung der Regenwurm-Populationsdichte.
Sie untersuchten außerdem die Anwesenheit von Schädlingsbekämpfern wie Laufkäfer, Kurzflügler oder Spinnen, die sich auf dem Bio-Acker in doppelt so großer Anzahl tummelten als auf dem konventiellen Feld. Zwar haben sie keine direkte Wirkung auf die Bodenqualität, jedoch sehr wohl einen Effekt auf die Gesundheit der Pflanzen.
Neben dem sichtbaren Helfern spielen besonders Mikroorganismen wie Bakterien und Pilze eine große Rolle für die Bodengüte. Ihre Aktivität ist entscheidend für den Verdau des biologischen Düngematerials zu neuen Nährstoffen, wie Stickstoffverbindungen und Phosphaten und davon ist in Gülle und Mist weitaus weniger vorhanden als im Kunstdünger. Tests zeigten einen hohen Umsatz und lassen den Schluss zu, dass die Gemeinschaft der Bakterien die Ressourcen im Bioacker höchst effizient nutzt.
Pilze bilden durch ihre Hyphen ein fein verästeltes Netz und können an die Wurzeln der Pflanzen andocken. Es entsteht eine Symbiose, wobei der Pilz von der Pflanze Zucker erhält und die Pflanze durch das vergrößerte Netzwerk mehr Wasser und darin gelöste Nährsalze aufnimmt. Dieser Verbund ist im Bioboden um 40 Prozent häufiger zu finden, als in den verdichteten Böden des konventionellen Landbaus.
Nicht nur dass der Bioboden den fehlenden Dünger wett machen kann, er kann aber auch die Pflanzen gegen Krankheiten schützen. Noch ist nicht bekannt, wie diese "Gesundheitspolizei" funktioniert, aber die Forscher bewiesen ihre Funktion, indem sie die Pflanzen mit Krankheitskeimen aus der Luft oder dem Boden infizierten. Die Pflanzen auf dem konventionellen Acker gerieten in starke Bedrängnis, währenddessen die Pflanzen auf dem Bioboden gesund blieben.

Öko oder Turbo? Gemüse und Obst im Vergleich

"Bio fördert Bodenfruchtbarkeit und Artenvielfalt" vom Schweizer Institut für Biologischen Landbau

Spermiensortierung für Nutz- und aussterbende Tiere
Landwirtschaft vertreibt zahlreiche nützliche Insekten
"Chance für Bioprodukte in Deutschland verschlafen"
Die Kühe in Norwegen schlafen herrlich auf Matratzen
Dünger schädigt Klima stärker als das Transportgewerbe
Henk Haagsman will Fleisch aus Stammzellen züchten
"Das Bio-Siegel hat sich nach fünf Jahren bewährt"
Spielzeug gegen die Langeweile im Schweinestall
Öko-Landwirte machen sich mit Hochleistung Probleme
Ausgerechnet der Bio-Boom bedroht kleine Bioläden
Biolandwirte sehen Nachteile durch gekürzte Beihilfen
Homöopathie im Kuhstall
Landwirtschaft wird sich umstellen müssen
Präzisions-Farming
Seit 1996 schon geht der Rinderwahnsinn um
Tiertechnikum eingeweiht
Landwirtschaft im Einklang mit der Natur
Was man über Rindfleisch wissen sollte ...
Immer weniger Almen in den Alpen
Agropolis
Wahlfreiheit für Landwirte
Gentech contra Biolandwirtschaft

14.05.2007, zuletzt aktualisiert am 22.01.2009 / mawa / mp
zurück Seitenanfang Druckversion Artikel versenden 3sat / nano [E-Mail]