Die Grippeviren dringen sehr tief in die Bronchien ein
Die Krankheitserreger breiten sich in zwei Tagen unbemerkt im ganzen Körper aus
Eine Grippeinfektion beginnt mit dem Einatmen Tausender von Grippeviren bis hinunter zu den Bronchien. Dort werden die Zellen von einer Schleimschicht geschützt, auf der Fremdkörper und Erreger haften bleiben. Millionen kleiner Flimmerhärchen befördern normalerweise die Fremdkörper dann gemeinsam mit dem Schleim wieder nach draußen. Doch das Grippe-Virus löst den schützenden Schleim auf und legt damit die Zellen frei. Dadurch kann das Virus an der Zelloberfläche andocken.
Es dringt in die Zelle ein, wo es sich schnell vermehrt; die Zelle stirbt ab. Während das Virus sich schon im Körper eingenistet hat, spüren wir davon noch nichts. Im Laufe von zwei Tagen breitet sich die Grippe unmerklich aus. In den Bronchien rücken - noch unbemerkt - Fresszellen aus, töten die Viren und transportieren die Virenreste ab. Um weitere Fresszellen anzulocken, schütten sie weitere Botenstoffe aus.
Während Fresszellen und Botenstoffe in die Blutbahn gelangen, startet im Gehirn das Notfallprogramm des Körpers: der Stoffwechsel beschleunigt und die Körpertemperatur steigt auf Fieber. Wenn die Infektion im Körper tobt, spürt der Erkrankte Kopf- und Gliederschmerzen. Ihm tut alles weh. Um die vielen Viren abhusten zu können, produzieren die Bronchien immer mehr Schleim. Dadurch, dass viele Zellen bereits zerstört wurden, kann der Schleim nicht mehr abtransportiert werden.
Der Husten tritt ein bis zwei Tage nach dem Fieber auf und hält etwa eine Woche an. Weil meist auch noch zusätzlich die Nase läuft, fällt auch das Atmen schwer. Man fühlt sich mies und erledigt. Weitere Zellen des Immunsystems kommen hinzu und produzieren Antikörper oder helfen als Killerzellen, die Viren abzutöten.
Diese Antikörper gelangen ins Blut, wo sie ein Immun-Gedächtnis bilden. Sollte in Zukunft ein ähnliches Grippevirus den Körper attackieren, erkennen es die Antikörper und die Immunabwehr kann sofort reagieren. Bei einem ansonsten gesunden Körper hilft absolute Bettruhe dabei, die Viren zu bekämpfen.
Symptome: Im Gegensatz zu einer normalen Atemwegserkrankung, die meist nach wenigen Tagen überstanden ist, schlägt die Virusgrippe schnell und heftig zu. Symptome sind in der Regel plötzlich auftretendes hohes Fieber über 39 Grad Celsius, Schüttelfrost, Muskelschmerzen, Schweißausbrüche, allgemeine Schwäche, Kopf- und Halsschmerzen, Schnupfen und trockener Reizhusten. Während die Influenza bei manchen bis zum Tode führen kann, zeigen sich bei anderen kaum Symptome. Wegen des ohnehin geschwächten Immunsystems können bakterielle Zusatzinfektionen wie Mittelohrentzündungen bei Kindern oder Lungenentzündungen auftreten, die vor allem für Ältere und chronisch Kranke lebensbedrohlich sein können. Allein in einem Jahr mit einer "normalen" Grippewelle sterben in Deutschland 5000 bis 8000 Menschen an den Folgen.
Diagnose: Die eindeutige Diagnose kann durch einen Virusnachweis, zum Beispiel aus einem Nasen- oder Rachenabstrich, oder durch einen Antikörpernachweis in einer Blutuntersuchung gestellt werden.
Therapie: Grippe kann nicht ursächlich behandelt werden. Wen die Viren erwischt haben, sollte in jedem Fall frühzeitig zum Arzt gehen, körperliche Belastungen vermeiden und strenge Bettruhe einhalten. Zusätzlich können Nasentropfen, schleimlösende oder fiebersenkende Medikamente eingenommen werden. Präparate, die die Ausbreitung der Erreger auf der Schleimhaut der Atemwege hemmen, gibt es als Pulver, Kapsel oder Saft. So genannte Neuraminidasehemmer wie Oseltamivir sind vor allem bei Patienten mit einem Risiko für Komplikationen sinnvoll. Durch Blockade eines viruseigenen Botenstoffs verhindert das Mittel, dass gefährliche Viren beim Menschen in die Zellen eindringen und sich vermehren können. Antivirale Arzneimittel sollten möglichst bis 48 Stunden nach den ersten Symptomen angewendet werden. Bei bakteriellen Zusatzinfektionen werden Antibiotika eingesetzt.
Impfung: Die freiwillige Schutzimpfung ist nach wie vor die wirksamste Form der Grippevorbeugung. Der Impfstoff wird jedes Jahr neu zusammengesetzt, weil sich die Erreger ständig verändern. Experten der Arbeitsgruppe Influenza (AGI) halten die Impfung für Risikopatienten auch jetzt noch durchaus für sinnvoll. Der volle Impfschutz wird allerdings erst zwei Wochen nach der Spritze erreicht.
Risikogruppe: Experten beziffern die Zahl der Risikopersonen in Deutschland auf rund 27,5 Millionen. Dazu zählen neben älteren Menschen über 60 Jahre auch Menschen mit einem geschwächten Abwehrsystem oder Grundleiden wie Herzkreislaufkrankheiten, Diabetes oder chronischen Lungenerkrankungen. Empfohlen wird die Schutzimpfung aber auch für medizinisches Personal in Krankenhäusern und in der Altenpflege.

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30.01.2007 / mm und ap
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