Kopierer Video
Mediziner streiten darüber, wie gefährlich Toner- und Druckerstäube sind
Krebs aus dem Drucker
Mediziner befürchten Schaden durch Tonerstaub
Die feinen Partikel aus Kopierern und Laserdruckern können nach Ansicht von Freiburger Wissenschaftlern Krebs verursachen.
Forscher des Freiburger Universitätsklinikums konnten nach eigenen Angaben erstmals nachweisen, dass Lungenzellen genetische Schäden aufweisen, wenn sie den Emissionen von Kopierern und Laserdruckern ausgesetzt sind. "Es kann passieren, dass die Zelle zu einer Tumorzelle transformiert wird. Das ist sehr ernst zu nehmen", sagte Volker Mersch-Sundermann, Ärztlicher Direktor des Instituts für Umweltwissenschaften der Uniklinik Freiburg am Dienstag, 16. März 2010. Kopierer und Laserdrucker sollten nicht direkt am Arbeitsplatz stehen, sondern in separaten und gut gelüfteten Räumen.

Die Ergebnisse sind noch nicht in einem wissenschaftlichen Fachjournal veröffentlicht. Die Forscher betonten, weitere Studien seien nötig, um das Gesundheitsrisiko näher zu untersuchen. "Es kommt auf die Tonerfarben an, auf das Alter der Geräte, auf den Wartungszustand und sogar auf das Druckerpapier", sagte Mersch-Sundermann. Von diesen Faktoren hänge das mögliche Gesundheitsrisiko ab. Die ersten Ergebnisse der Freiburger Untersuchungen sollen nun in Studien mit Probanden überprüft werden.

Bei einer Untersuchung aus 2008 hatten die Forscher festgestellt, dass vor allem Menschen mit besonders sensiblen Atemwegen unter Beschwerden durch Laserdrucker und Kopierer leiden. Sie klagten über trockenen Husten und brennende Augen. "Wir gehen davon aus, dass es bis zu 10.000 Fälle in Deutschland mit einem solchen Krankheitsbild sind", sagt der Allergologe Dr. Jürgen Palm.

"Solange wir nicht wissen, wie gefährlich die Emissionen sind, sollten wir die Geräte meiden", sagte Mersch-Sundermann. Bislang konnten die Wissenschaftler noch nicht feststellen, warum die nur 10 bis 1000 Nanometer großen Partikel so gefährlich sind. "Es könnte die Größe der Partikel sein, die Oberfläche, die elektrische Ladung oder die Substanz", sagte Mersch-Sundermann. In seinem Institut haben die Mitarbeiter nach dem Ende der Studie alle Drucker und Kopierer aus den Büros entfernt.

In einer australischen Studie enthielt die Luft in einem Großraumbüro vier Mal so viel Feinstaub wie die Luft nahe einer Autobahn, haben Physiker der Technischen Universität von Queensland gezeigt. "So hohe Belastungen haben wir in einem Büroraum nicht für möglich gehalten", sagte Studienleiterin Lidia Morawska. Daraufhin untersuchten die Physiker 62 unterschiedliche Druckermodelle: 60 Prozent stießen keine messbaren Partikel aus. Andere gaben beim Drucken beinahe so viel Feinstaub ab wie eine brennende Zigarette.

"Toner nicht der Hauptgrund für Bürokrankheiten"
Forscherin Lupe
Mediziner haben die Staubbelastung in Büros erkundet
Tonerpartikel aus den Kartuschen von Laserdruckern oder Fotokopieren sind nach Einschätzung des Berliner Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) nicht Hauptversursacher für Bürokrankheiten wie Atemwegsprobleme. Eine Studie der Universität Gießen im Auftrag des BfR ergab zwar beim Betrieb von Druckern und Kopierern einen deutlich messbaren Anstieg von Feinstäuben. Dieser Anstieg sei aber nicht abhängig von Tonern, sagte Mersch-Sundermann.

Zwischen Januar und Oktober 2006 maßen Forscher in 63 ausgewählten Büroräumen die Raumluft und untersuchten 69 Menschen, die dort arbeiteten. "Bei den flüchtigen organischen Verbindungen gab es keine Veränderungen, Feinstäube sind beim Betrieb der Geräte aber um das Doppelte angestiegen", berichtete Studienleiter Mersch-Sundermann, der inzwischen an der Universität Freiburg arbeitet.

Der Streit um die Rolle der Toner in der Büroluft tobt bereits seit mehreren Jahren. Nach Angaben der Interessengemeinschaft der Tonergeschädigten leiden 1700 Büromitarbeiter in Deutschland unter erheblichen gesundheitlichen Problemen, weil sie dicht neben Laserdruckern oder Kopierern arbeiten. Beim BfR, das unter anderem für Chemikaliensicherheit zuständig ist, meldeten Ärzte bisher 105 Patientenfälle, die im Zusammenhang mit Tonern und Büroluft stehen könnten.

Auch wenn Toner daran keinen Anteil hätten, bleibe die gesundheitliche Bedeutung der Stäube unklar und erfordere weitere Studien. Die 69 Menschen, die in den untersuchten Räumen arbeiteten, zeigten laut Studie keine Reaktionen wie Atemwegentzündungen, ergänzte Forscherin Caroline Herr. "Allen war aber unwohl in den Büroräumen - unabhängig vom Toner." Es gebe noch zu wenig Untersuchungen darüber, was in Bürogebäuden gesund sei und was nicht.

Von einer Toner-Entwarnung will BfR-Präsident Andreas Hensel auch nach der Studie nicht sprechen. Er sieht in diesem Risiko allerdings eine "relativ kleine Größe in Bezug auf andere Berufsgruppen wie Friseure oder Bäcker".

Druckerhersteller Hewlett-Packard sieht keine Hinweise darauf, dass "Partikelemissionen von Laserdruckern mit Gesundheitsrisiken verbunden" sind. Der Chemiker Prof. Tunga Salthammer vom Fraunhofer Wilhelm-Klauditz-Institut für Holzforschung relativiert die Risiken: "Es gibt Geräte in jedem Haushalt, die wesentlich mehr Partikel ausstoßen als Laserdrucker, etwa Toaster und Dunstabzugshauben."

Der Branchenverband "Bitkom" ließ verlauten, es gebe "keine wissenschaftlich belastbare Basis, die mögliche Gesundheitsrisiken durch Toner und Geräteemissionen bei bestimmungsgemäßem Gebrauch vermuten lässt."

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VideoZum Thema sprachen wir 2007 mit Caroline Herr vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit
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Übersicht über die Pilotstudie (PDF) des Berliner Bundesinstituts für Risikobewertung
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15.08.2007, zuletzt aktualisiert am 17.03.2010 / mp mit Material von dpa, ap und afp