Menschen mit Brille Video
Grazer Wissenschaftler testen eine Brille, die Bildinformationen ins Auge schickt
Brille, Chip, Lichtimpuls
Mit Training gegen die Folgen der Pigmentitis
Wenigstens Lichtimpulse nehmen vormals Blinde dank einer Spezialbrille und eines Chips in der Netzhaut wieder wahr.
"Eine Mikrokamera nimmt die Umgebung auf", erläutert Michaela Velikay-Parel von der Medizinischen Universität Graz. Ein Taschenprozessor verarbeitet diese Signale und gibt sie an die Brille zurück. "Die Brille sendet dann die Information in das Auge. Im Auge selbst ist das Implantat, das es in elektrische Impulse übersetzt."

Die Patienten brauchen umfangreiches Training, um aus den Lichtpunkten ein sinnvolles Bild zusammenzusetzen. "Diese Art zu sehen hat nichts mit dem üblichen Sehen zu tun", schildert Velikay-Parel. "Das ist ein neues, unbeschriebenes Blatt in der Medizin." 2015 soll ein verbesserter Chip das Bild schärfen.

Technik mit unterschiedlicher Bilderzeugung
Grafik Auge Lupe
Die Kamera ist direkt mit der Netzhaut verbunden
Das New Yorker Dobelle-Instituts konzipierte ein Kamera-System, das direkt mit dem Sehzentrum im Gehirn verbunden ist. Forscher der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne (ETH) entwickelten einen Sehchip, der die geschädigte Netzhaut ersetzen soll. Ein deutsches Unternehmen kombinierte beide Ideen und verband eine externe Kamera mit einem Netzhautchip. Alle drei Techniken bieten unterschiedliche Qualität beim Erzeugen von Bildern bei erblindeten Menschen.

Bis eine kommerzielle Nutzung möglich ist, werden es noch mehrere Jahre vergehen. William Dobelle entwickelte ein Kamera-System, das er direkt mit dem Sehzentrum verband. Chirurgen verankern dafür eine Elektrodenplatte im Gehirn. Am Hinterkopf wurde die Platte mit Anschlüssen versehen, die direkt zur Brille führen. An der Brille wiederum ist eine Kamera installiert, die Bilder liefert.

Richtiges Sehen ist mit dieser Methode allerdings noch nicht möglich. Die Patienten konnten lediglich einzelne weiße Lichtpunkte und Striche erkennen. Die Forscher der ETH in Lausanne nutzen einen Mikrochip um Blinden das Sehen zu ermöglichen. Dieser wird ins Auge eingepflanzt und unter die Netzhaut geschoben. Normalerweise würde das ins Auge einfallende Licht von der Netzhaut in elektrische Impulse umgewandelt. Diese Aufgabe übernimmt nun der Chip. Er wandelt die visuellen Reize in elektrische Impulse um und leitet sie ans Sehzentrum im Gehirn weiter. Das Modell wurde bisher noch nicht erprobt.

Ingenieure der deutschen Firma "IIP Technologies" haben die beiden Forschungsansätze miteinander verbunden. Ihr System besteht aus einer Brille mit integrierter Kamera und Elektronik im Bügel, einem Netzhautchip und einem tragbaren Mini-Computer. Die Kamerabilder werden über ein dünnes Kabel direkt an den Prozessor übertragen. Dort werden die Bildinformationen in Kommandos umgewandelt und drahtlos an das Implantat im Auge gesendet. Der Mikrochip imitiert die Netzhaut, indem er die Befehle in elektrische Impulse verwandelt und sie an den Sehnerv weiterleitet.

Mit dem System können Konturen scharf und Gesichter schemenhaft erkannt werden. Um eine genauere Auflösung zu erzielen, muss es erst noch weitere Fortschritte in der Elektronik für den Augen-Chip geben. Das Verfahren wurde bisher noch nicht am Patienten ausprobiert und befindet sich noch in der Testphase. Laut Hans-Jürgen Tiedtke, Geschäftsführer von IIP Technologies, wird es wohl noch zwei Jahre dauern, bis Patienten mit Netzhaut-Degeneration von dem System profitieren könnten.

Glossar
Retinitis pigmentosa
Allein in der Bundesrepublik sind 20.000 Menschen von der Retinitis pigmentosa betroffen. Meist ist die Krankheit genetisch bedingt.
Medizin
Forschen am Augenlicht
Viele Menschen werden blind geboren, doch die Zahl derer, die andere Formen der Sehbehinderung haben, ist noch größer. Den vollständig Blinden will die Wissenschaft helfen, doch allzu oft ist die Medizin hilflos.
Netzhautimplantat
Wieder sehen mit Chip
Mit implantierten Chips können Blinde, deren Sehnerv noch intakt ist, wieder Umrisse erkennen und verschiedene Gegenstände auf einem Tisch lokalisieren.
mehr zum Thema
Fußballspiel gibt Blinden neues Selbstvertrauen Blindes Vertrauen Elektronische Hilfsmittel für Blinde "Discovering Hands" nutzt Tastsinn blinder Menschen Nahezu Blinder kann nach Gentherapie wieder sehen Blinde Radiojournalistin erstellt ihre Beiträge ohne Hilfe