Schimpanse Video
Wenn es ums Futter geht, stellen sich Schimpansen gerne sehr schlau an
Weil wir nachmachen, sind wir klüger als Affen
Max-Planck-Forscher verglichen Lernleistungen
"Weil wir von anderen lernen, Verhalten abschauen und es imitieren, können wir so schnell so viel klüger sein als Affen", sagt Michael Tomasello vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie.
Menschenkinder im Alter von zweieinhalb Jahren besitzen im Vergleich zu Schimpansen (Pan troglodytes) und Orang-Utans (Pongo pygmaeus) umfassendere soziale kognitive Fähigkeiten. "Schon zweihalbjährige Kinder verstehen Zeigegesten als Hinweis und wissen, dass das Gegenüber dem Kind helfen möchte, etwas zu finden", erläutert Esther Herrmann. "Schimpansen dagegen verstehen diese Zeigegeste nicht."

74 Prozent der Aufgaben mit sozialem Hintergrund bewältigten die Kinder ohne Fehler. Sie lassen damit die Menschenaffen mit nur 36 Prozent richtigen Antworten hinter sich. Um in ihrem Lebensraum zurechtzukommen, benötigten Schimpansen diese Fähigkeit auch nicht, erläutert Herrmann: "Schimpansen müssen wissen, wo sie das Futter finden. Sie brauchen ein gutes räumliches Verständnis."

Soziales Umfeld verstärkte kognitive Fähigkeiten
Forscherin vor Versuchskäfig Lupe
Mehr als Blickkontakt geht bei Affen ohne weiteres nicht
Die Wissenschaftler schließen aus den Versuchen, dass der Mensch sich im Laufe seiner langen Entwicklung besondere Wahrnehmungsfähigkeiten angeeignet hat, um in Gruppen leben und sich austauschen zu können. Dies beinhaltet besonders die Möglichkeit der Sprache, die Kommunikation untereinander, das Lernen voneinander und ein Verständnis für sich und andere. Um diese Fähigkeiten zu entwickeln und zu verstärken, braucht der Mensch ein soziales Umfeld. Auf einer einsamen Insel ohne Mitmenschen und Kultur bliebe ein Mensch immer auf Affen-Niveau, da er von keinem anderen lernen kann, meint Tomasello. Selbstloses Verhalten, also eine für sich selbst nicht gewinnbringende, energiekostende Handlung, die nur für andere von Vorteil ist, kommt in der Evolutionsgeschichte nur in selten Fällen vor. Einige Forscher sind der Überzeugung, dass nur der Mensch diese Eigenschaft in diesem Umfang ausgeprägt hat. Die Versuche zeigen aber, dass auch Menschenaffen ein Verständnis für andere besitzen und soziale Situationen erfassen können. Wenn auch noch weit unter den menschlichen Stand.

Das Forscherteam beobachtete ihre Reaktionen in den Bereichen "Räumliche Vorstellung", "Mengenverhältnisse" und "Verständnis für kausale Zusammenhänge", wobei diesen den technischen Lernprozessen bei einer Futtersuche entsprechen. Die sozialen Fähigkeiten wurden mit Versuchen zu "Lernen von anderen", Kommunikation und Einfühlungsvermögen abgedeckt.

Kleinkinder und Schimpansen schnitten im physischen Bereich gleich gut ab. "Bei manchen Aufgaben wie Werkzeuggebrauch oder wenn sie Summen addieren müssen, waren sie besser als die Kinder." Sie konnten 68 Prozent der Aufgaben richtig lösen und lagen damit vor den Orang-Utans, die nur 59 Prozent korrekt ausführten. Die ähnlichen Ergebnisse von Kindern und Schimpansen lassen vermuten, dass ein physikalisches Verständnis für die Umwelt schon vor sechs Millionen Jahren entstanden sein muss, als Mensch und Schimpanse in gleicher Umgebung koexistierten.

Das Hirnareal für das Sozialverhalten ist gewachsen
Schädel
Stark nur in der Gruppe
"Es hat sich herausgestellt, dass die Hirnregion, die für unser Sozialverhalten verantwortlich ist, bereits vor 2,5 Millionen Jahren angefangen hat, sich dramatisch zu verändern", sagt Prof. Dean Falk von der "Florida State University". Im Verlauf der menschlichen Evolution ist vor allem der Hirnbereich über der Augenhöhle gewachsen: Sein Volumen hat sich um das 200-Fache vergrößert, haben er und der Mediziner Prof. Karl Zilles vom Forschungszentrum Jülich in ihrer gemeinsamen Studie gezeigt. Der Mensch war vor allem deswegen so erfolgreich, weil sich seine Fähigkeit, in einer Gruppe zusammenzuleben, immer weiter verbessert hat. "In diesem Teil des Gehirns sind wichtige Funktionen, die unser Sozialverhalten steuern, lokalisiert", sagt Zilles. "Zerstörung dieser Regionen führt zu einer totalen Verwandlung der Persönlichkeit. Aus zuverlässigen sozial kompetenten Menschen werden anarchisch, chaotisch reagierende Persönlichkeiten."



  • 6 Millionen Jahre - Orrorin tugenensis: Französische und kenianische Wissenschaftler finden im Oktober 2000 in der Boringo-Region/Kenia die Reste des nach ihren Angaben ältesten Vorläufers des Menschen, den sie "Millennium-Mensch" nennen. Er zeigt deutliche Hinweise für den aufrechten Gang. In der Fachwelt ist jedoch umstritten, ob er ein direkter Vorfahr des Menschen war.
  • 5,8 bis 5,2 Millionen Jahre - Ardipithecus ramidus kadabba: Ein internationales Forscherteam um Yohannes Haile-Selassie präsentiert im Juli 2001 Knochen aus Äthiopien, die mit großer Sicherheit zu einem Vorfahr des heutigen Menschen gehören. Dieser Urmensch sei etwa so groß gewesen wie ein heutiger Schimpanse und aufrecht gegangen.
  • 4,4 Millionen Jahre - Ardipithecus ramidus: Im Dezember 1992 entdeckt ein internationales Forscherteam in Aramis (Äthiopien) das affenähnliche Skelett eines Hominiden, dem Ardipithecus ramidus. Er ging möglicherweise aufrecht.
  • 4,1 Millionen Jahre - Australopithecus anamensis: Im September 1994 wird in Kanapoi (Kenia) der Unterkieferknochen des Australopithecus anamensis gefunden, einer Art, die noch eine ungewöhnliche Kombination affen- und menschenähnlicher Eigenschaften aufweist. Er ging mit großer Sicherheit aufrecht.
  • 3,2 Millionen Jahre - Australopithecus afarensis: Am 30. November 1974 gelingt Donald Johanson in Äthiopien die Ausgrabung von Lucy, ein Teilskelett, das als letzter, gemeinsamer Vorfahre mehrerer Abstammungslinien von Hominiden gilt. Lucy wurde als Bezugspunkt für andere Ausgrabungsfunde und als vermeintliche Mutter der Menschheit berühmt.
  • 3,5 - 3,2 Millionen Jahre - Kenyanthropus platyops: Im März 2001 berichten Forscher, dass es bereits vor 3,5 Millionen Jahren zwei Linien in der Entwicklung der menschlichen Vorfahren gab. Sie hatten die Knochen am Turkana-See im Norden Kenias entdeckt.
  • 2,5 Millionen Jahre - Australopithecus africanus: Im April 1947 finden Paläontologen in Sterkfontein/Südafrika einen Oberschädel, den sie zunächst "Mrs. Ples" nennen. Der Mensch der Art Australopithecus africanus war jedoch wahrscheinlich männlich.
  • 2,5 - 2,3 Millionen Jahre - Homo rudolfensis: Dieser Mensch hat ein größeres Gehirn als die Australopithecinen und nutzte auch schon Werkzeuge. Er ist möglicherweise einer der direkten Vorgänger des modernen Menschen. Berühmt wurde ein Schädel, den Forscher im August 1972 in Koobi Fora (Kenia) ausgegraben hatten.
  • 1,8 Millionen Jahre - Homo habilis: Seit den 1960er Jahren graben Jonathan Leaky und Kollegen vor allem in der Olduvai-Schlucht im heutigen Tansania Skelettteile des Homo habilis aus. Einige Forscher zählen ihn noch zum Australopithecus.
  • 500.000 Jahre - Homo erectus - Javamensch: 1891 entdeckt der Holländer Eugene Dubois einen Javamenschen, der vor 500.000 Jahren gelebt hat. Seine Schädelteile werden auf Java/Indonesien ausgegraben und galten lange Zeit als bedeutende Beschreibung des Homo erectus. Ebenfalls zum Homo erectus zählt der Pekingmensch, der 1929 in der Höhle Zhoukoudian, nahe der chinesischen Hauptstadt Peking, gefunden wurde.
  • 500.000/780.000 Jahre - Homo heidelbergensis: Schon im Oktober 1907 wird im Dorf Mauer bei Heidelberg ein rund 500.000 Jahre alter Unterkiefer des Menschen ausgegraben. 1995 werden in Gran Dolina (Spanien) 780.000 Jahre alte Übereste von vier Menschen dieser Art und Werkzeuge gefunden. Sie zählen zu den frühesten Menschen Europas, starben wahrscheinlich aber aus.
  • 100.000 Jahre - Homo sapiens: 1969 findet Bernard Vandermersch in der israelischen Qafzeh-Höhle Überreste einer Frau, die zu den ältesten bekannten Jetztmenschen zählt. Insgesamt werden dort 21 Skelette gefunden. Sie dürften zu der Gruppe gehört haben, aus der alle modernen Menschen außerhalb Afrikas hervorgegingen.
  • 40.000 Jahre - Homo neanderthaliensis: Ein Fund von 1856 in der Feldhofer-Grotte im Neandertal stellt den Beginn der Forschung zur Evolution des Menschen dar. Heute gilt der Neandertaler zumeist als ausgestorbene Seitenlinie des modernen Menschen.

Infografik
Dem Forscher Charles Darwin auf der Spur
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Schwerpunkt
Der Mensch wäre beinah mehrmals ausgestorben
Fast wäre er ausgestorben, und doch hat der moderne Mensch, Homo sapiens, überlebt und sich vom Affen getrennt, mit dem er fast alle seine Gene gemein hat. Doch nicht einmal das scheint so gänzlich sicher.
Literatur
Herrmann E et al (2007) Humans Have Evolved Specialized Skills of Social Cognition: The Cultural Intelligence Hypothesis. Science 317: 1360 - 1366
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18.12.2006, zuletzt aktualisiert am 24.11.2009 / mp mit Material von dpa